
- Tom meets Zizou - Thomas Broich - Filmplakat - Mindjazz Pictures
An den Medien und dem Druck der Fußball-Bundesliga zerbrochen, setzt sich der ehemalige "Mozart" Thomas Broich nun in der australischen A-League wieder zusammen. "Tom meets Zizou" verfolgt den ehemaligen Hoffnungsträger der Nationalmannschaft zehn Jahre lang durch Höhen und Tiefen in der Karriere des sensiblen Mannes. "Tom meets Zizou" läuft ab dem 28. Juli 2011 in den Kinos.
"Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen" - Die Handlung der Fußball-Doku
Thomas Broich, genannt "Mozart" und geboren am 29. Januar 1981, spielte für Gladbach, Köln und Nürnberg, galt als großes Fußballtalent und Hoffnung für die DFB-Elf um Spieler wie Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski. Glücklich wurde Broich jedoch nie, sondern depressiv. Erst ein Umzug nach Australien und der Wechsel von der Bundesliga in die A-League nahm den Druck von ihm, brachte ihn auf den zweiten Platz der Wahl zu Australiens Fußballer des Jahres und sicherte ihm die australische Meisterschaft mit Brisbane Roar. "Tom meets Zizou" folgt den kulturliebenden, sensiblen Fußballer durch die letzten zehn Jahre seiner Karriere, beginnend dem Wechsel von Unterhaching zu Wacker Burghausen bis hin zu seiner aktuellen Glanzzeit in Brisbane.
"Tom meets Zizou" - Ehrlich, authentisch, sympathisch
Wohl selten wurde über das Haifischbecken der 1. Deutschen Fußball-Bundesliga so offen und ehrlich gesprochen wie in "Tom meets Zizou". Spannend ist hierbei vor allen Dingen die zeitliche Darstellung der wichtigsten Persönlichkeiten wie Thomas Broich selbst oder auch seinem Trainer und Freund Michael Oenning: Broich wird zum Einen zehn Jahre lang begleitet und spricht hierbei ständig über die aktuellesten Erlebnisse und Vorgänge, zum Anderen blickt er jedoch "im Jetzt" bei einem Trip durch Australien auf seine Karriere zurück und nimmt retrospektiv noch einmal Stellung zu den Geschehnissen aber auch zu seinem teilweise schwierigen Selbst im Umgang mit der Bundesliga und den Verantwortlichen. "Tom meets Zizou" versteht sich damit als wunderbares Zeitdokument und Charakterstudie und deckt nebenbei allerhand Missstände auf. Die Dokumentation zeigt, unter welchem Druck die jungen, begabten Fußballspieler heutzutage zu leiden haben. Schwierig wird es, wenn man auffällt. Ob durch besonders gute oder schlechte Leistungen oder durch besondere Gewohnheiten: Broich liest viel, interessiert sich für Kultur, hört klassische Musik - für viele Mitspieler gilt er als sonderbar, auch einigen Trainern ist sein extravagantes Privatleben ein Dorn im Auge. Und dennoch schaffte es Broich in seiner bisherigen Karriere zu besonderen Höhenflügen. Der Wunsch, Zinedine "Zizou" Zidane zu treffen, wie seine ehemalige E-Mail-Adresse tommeetszizou@... aufzeigt, hat sich zwar nie erfüllt, wohl aber hat der sympathisch wirkende Broich inzwischen in Australien seinen Frieden mit sich selbst und dem Fußball gefunden.
Aljoscha Pause - Regisseur inszenierte schon viele Fußball-Dokumentation
Mit "Tom meets Zizou" legt Regisseur Aljoscha Pause sein bisher langwierigstes Projekt vor. Ambitioniert waren seine bisherigen Filme jedoch allesamt. Pause erhielt bereits den Adolf-Grimme-Preis und überzeugte schon mehrfach durch ehrliche und interessante Fußball-Dokumentationen. Ob "70 Jahre Udo Lattek" (2004), "Der Promille-Profi - Alkohol im Fußball" (2009), "Das große Tabu - Homosexualität & Fußball" (2008) oder "Tabubruch - Der neue Weg von Homosexualität im Fußball" (2009). Nachdem letztgenannte Doku mit 46 Minuten Pauses bisher längster Film war, legt er nun mit "Tom meets Zizou" einen 135 Minuten langen, aber nie langweiligen Film vor, der gerade aufgrund seiner Authentizität, dem charmanten "Helden" und dessen spannenden Karriereverlauf zu überzeugen weiß. Gefördert von der DFB-Kulturstiftung schaffte es "Tom meets Zizou" zum Eröffnungsfilm des 11 mm Filmfestival 2011 und erhielt von der Film- und Medienbewertungsstelle Wiesbaden das FBW-Prädikat "Besonders wertvoll".
Thomas Broich - Von Unterhaching bis nach Australien
Thomas "Mozart" Broich hat allerhand Höhen und Tiefen des Profi-Fußballs kennen gelernt. Seine Karriere im Jahr 2000 beim unterklassigen Klub SpVgg Unterhaching beginnend, wechselte er bereits ein Jahr später zu SV Wacker Burghausen in die zweite Bundesliga. Nach klasse Leistungen folgte der zweijährige Aufenthalt bei Borussia Mönchengladbach (2004-2006), wo Broich nicht nur durch seine Leistungen, sondern besonders durch die Medien zum neuen Toptalent und Superstar aufgebaut wurde. Er spielte für die U21-Mannschaft um Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Philipp Lahm sowie das Perspektiv-Team für die WM 2006. Verletzungssorgen, psychische Probleme und Diskrepanzen mit Trainer Dick Advocaat verwehrten Broich jedoch den Beitritt zu Nationalmannschaft und der Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land. Von 2006 bis 2009 spielte Broich für den 1. FC Köln, eckte dort aber erneut an, unter anderem auch an Trainer Christoph Daum, dessen Zirkusgehabe Broich missfiel. Obwohl geistig eigentlich mit dem Fußball abgeschlossen, ließ sich der Fußballer vom ehemaligen Co-Trainer Gladbachs, Michael Oenning, überreden, für ihn noch einmal beim 1. FC Nürnberg anzuheuern. Mit nur sieben Spielen und ohne Perspektive verlässt Broich den Club schon früh wieder und macht sich endlich - wie lange gewünscht - auf ins Ausland. Bei Brisbane Roar in Australien erlebt Broich eine neue Glanzzeit, kann endlich wieder befreit aufspielen, wird australischer Meister und Zweitplatzierter in der Wahl zum besten Fußballer Australiens.
Fazit zur Kritik - "Tom meets Zizou" - Die Doku über Thomas Broich
"Tom meets Zizou" ist eine Charakterstudie, die zeitgleich aufzeigt, wo es im Profisport im Zusammenspiel mit den Medien heutzutage hakt. Der Druck für Thomas Broich wird spürbar. Sympathisch und clever wirkt Broich, besonders in der Retrospektive. So gelang ein unverklärter, ehrlicher, authentischer Blick auf den Fußballer und Privatmensch Thomas Broich sowie auf den Profifußball selbst.
Filmangaben
Titel: Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen
Verleih: mindjazz pictures
Land, Jahr: Deutschland, 2011
Genre: Dokumentarfilm
Regie: Aljoscha Pause
Darsteller: Thomas Broich, Udo Lattek, Berti Vogts, Christoph Daum, Erich Rutemüller, Michael Oenning, Holger Fach, Rudi Bommer, Dick Advocaat, Horst Köppel, Udo Lattek
FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: 135 Minuten
Kinostart: 28. Juli 2011
Quellen
Deutsche Film- und Medienbewertung FBW
