
- Tonja - Doris Webb
Seit Mitte August 2011 können Berliner Tierparkbesucher eine neue junge Eisbärin bewundern. Das neue Eisbärenmädchen war ursprünglich für Eisbär Knut als altersmäßig passende Partnerin gedacht gewesen – aber das Schicksal hat anders entschieden. Dennoch - willkommen Tonja.
Eine gute Gelegenheit sie zu besuchen bietet sich am 18. September.
Aktionstage der Hauptstadtzoos: Hilfe für Tierpark und Zoo
Der Zoo Berlin mit dem Aquarium und der Tierpark Berlin mit dem Schloss Friedrichsfelde bieten viele Gründe der Förderung. – ab 2012 keine Zuwendungen mehr für den Zoo und weitere Kürzungen im Tierpark – sie machen eine breite gesellschaftliche Unterstützung erforderlich. Mit Aktionstagen werben der Förderverein von Tierpark und Zoo sowie die Stiftung der Hauptstadtzoos für Unterstützung. Es wird Führungen geben, einen Markt der Möglichkeiten, ein Safari-Quiz sowie eine Tombola. Tierpark und Zoo sind nach wie vor einmalige Oasen der faszinierenden Tierwelt mitten in Berlin. Überzeugen Sie Sich selbst.
Sonntag, 18. September 2011 im Tierpark Berlin – Schloss Friedrichsfelde von 10.00 bis 17.00 Uhr.
Wo stammt die junge Eisbärin her?
Tonja, wie sie von den Tierpflegern im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde genannt wurde, stammt aus Russland. Die junge Eisbärin wurde am 14. November 2009 im Zoo von Moskau geboren. Ihre Eltern sind Simona und Vrangel/Wrangel (benannt nach den russischen Wrangel-Inseln, einem Eisbären-Territorium, wo der Eisbär damals gefangen wurde). Bilder mit Eisbärmutter Simona aus der Zeit im Moskauer Zoo.
Vrangel erreichte im Oktober 2010 selbst internationale Berühmtheit, als er im Zoo verletzt wurde. Anfänglich vermutete der Moskauer Zoo einen Scharfschützen, der von außerhalb des Zoogeländes auf den Eisbären geschossen habe. Dies wurde jedoch später dementiert. Die wahre Ursache der Verletzungen blieb anschließend unaufgeklärt.
Tonja lebte seit April 2011 im Zoo von Rostov am Don. In den russischen Zoos ist es üblich die Jungen (siehe auch Rasputin) recht früh von ihrer Mutter zu trennen. In den meisten europäischen Zoos wartet man damit bis etwa zum dritten Lebensjahr, da es sowohl für die Entwicklung des Jungen als auch für die Eisbärenmutter artgerechter und besser ist. Tonja wurde für drei Elefanten aus dem Tierpark Friedrichsfelde eingetauscht, wie es in Zoos gegenseitig üblich ist. Herr Klös, der Kurator vom Zoologischen Garten Berlin, hatte ja schon im Dezember 2010 erwähnt, man sei dran, für Knut ein junges Weibchen zu finden. Leider ist alles anders gekommen, als man geplant hatte.
Eisbärin Tonja - ein Porträt
"Sie ist bezaubernd! Sie ist neugierig, spielt gern, schwimmt viel, ist ruhig und vollkommen unhektisch.", so erzählen Tierparkbesucher. Neugierig erkundet sie ihr neues Zuhause. Typisch für eine Jungbärin wird alles, was gefunden wird, bespielt: ob Stöckchen, ein Baumstamm oder Blätter. Andere Zoos bieten Jungbären darüber hinaus "Eisbären-Spielzeug" an, Zoo und Tierpark sind dem "Enrichment-Gedanken" seit der Direktion von Dr. Blaszkiewitz leider nicht mehr so grün. Doch pflegerischen Einfällen nach Erfindung von "Naturspielzeug" sollte man vertrauen.
Für einen kurzen Schock sorgte in den ersten Tagen ihr Sprung vom höchsten Felsen ins Wasser. Da der Wasserstand sehr niedrig war, war die Aktion immerhin sehr gefährlich. Die nächsten Tage dürfte sie, nach Aussagen der Zoobesucher, jedenfalls vorsichtiger ins Wasser gegangen sein.
Die Eisbärin Tonja und ihre Pfleger im Tierpark Friedrichsfelde Berlin
Fragt man die Pfleger nach der Eingewöhnung der „kleinen Maus“, dann wird stolz über die täglichen Fortschritte berichtet: "Anfangs konnte Tonja noch nicht tauchen. Aber da das zugeworfene Futter immer im Wasser verschwand, lernte sie es rasch. Sie wäre auch leicht wieder in ihre Höhle auf Zuruf zu holen." Noch teilt sie ja im Turnus das Gelände mit der Eisbärin Aika.
Sogar Möhrchen essen auf eisbärisch habe sie bereits gelernt. Nur dass ein leerer Eimer, der gezeigt wird, sich nicht wie von Zauberhand wieder befüllt, das habe sie noch nicht so ganz begriffen. Noch versucht sie mit der ihr zur Verfügung stehenden Mimik (Eisbärcharme) den fütternden Pfleger zu einem Extrabissen zu überreden.
Aika und die junge Prinzessin - die Zukunfts-Pläne im Tierpark Berlin
Nachdem mit der jungen Eisbärdame noch lange nicht gezüchtet werden kann, da eine Eisbärin erst mit etwa fünf Jahren die Geschlechtsreife erlangt – und der gedachte Partner Knut nicht mehr da ist, haben Tierpark und Zoo Berlin ihre Eisbärenpläne geändert. Troll wurde in den Zoo Berlin verbracht und man wird versuchen ihn mit den drei dort anwesenden etwa gleichaltrigen Bärinnen Tosca, Nancy und Katjuscha zu verpartnern.
Aika, seine bisherige Partnerin, die er eindeutig dominiert hatte, verbleibt im Tierpark und wird mit der jungen Bärin vergesellschaftet. Durch das sogenannte "Schmusegitter" nehmen sie bereits laufend Kontakt auf. Hinter den Kulissen wird sicher nach einem passenden jungen männlichen Eisbären gesucht. Da männliche Eisbären in den Zoos derzeit reichlich zur Verfügung stehen, wird es da weniger Probleme geben, als seinerzeit bei der Suche hinter den Kulissen nach einer jungen Partnerin für Knut.
Update vom 15. September 2011
Aika und Tonja sind erstmals gemeinsam auf der Anlage. Ein kurzer Bericht auf "Christina´s....Blog" dazu.
Wie geht es weiter mit den Eisbären im Tierpark Berlin?
Wenn in der Zwischenzeit der Tierpark, wie angekündigt (Umbauten am Eisbärengelände sollen ab Herbst erfolgen) in eine Verbesserung und Adaptierung des Eisbärengeheges investiert, und nicht nur in eine reine Behübschungsmaßnahme, dann wird einer Eisbärenzukunft im Tierpark Berlin hoffentlich nichts im Wege stehen. Die Berliner lieben ihre Eisbären. Auch wenn sie nicht Knut heißen und ihn auch nicht ersetzen können.
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Fotos dankenswerterweise von Doris Webb und Fruehlingsstern.
Quellen: Zoo und Tierpark Berlin; Freunde der Hauptstadtzoos; Eisbärenblogs und Foren
