Es ist nicht mehr ganz so wie früher, als man nur eine Flasche Topinambur auf den Tisch des Hauses bringen musste, um seine Gäste zu vertreiben. In vergangenen Zeiten hatte die Spirituose einen Ruf als Schnaps für arme Leute. Der Geruch war entsprechend und der Geschmack Anlass zu allerlei negativen bis beleidigenden Vergleichen. Dies alles hat sich heute etwas gebessert. Einfach nur so sollte man ihn aber dennoch nicht genießen.
Von Amerika nach Europa - die Topinamburpflanze
Die ursprüngliche Heimat der Topinamburpflanze ist Amerika. Sie wurde dort von Indianern angebaut. Botanisch gehört sie zu den Sonnenblumen. Mit diesen hat sie auch optisch und von der Höhe her eine gewisse Ähnlichkeit. Um 1600 ist die Pflanze über Frankreich in Europa eingeführt worden. Der heutige Name ist an den eines südamerikanischen Indianerstammes angelehnt, obwohl die Topinamburpflanze eigentlich aus dem kanadischen Raum überführt wurde. Die Knolle des Gewächses hat auch auf dem Speisezettel Einzug gehalten. Sie ist nicht mit der Kartoffel verwandt, aber ähnlich dieser genießbar und wird wegen dieser Ähnlichkeit u.a. auch Rosskartoffel genannt. Diese Bezeichnung hat sie auch durch ihre weitere Verwendung als Futterpflanze.
Eine Spezialität aus Baden zur Verdauung
Fruchtiger Duft, leicht erdiger, intensiver Geschmack, nussig herbes Aroma – es klingt recht vollmundig, wie der Topinambur heute über die Ladentheke gebracht wird. Das Beste in diesem Fall dürfte die Bildung eines eigenen Urteils sein. Gewöhnungsbedürftig ist der Rossler, wie man die Spezialität in Baden auch nennt allemal. Der Topinambur hat mindestens 38% Volumenprozent, welche je nach Brand auch mehr sein können. Dies macht ihn neben seinem Geruch und Geschmack nicht unbedingt für Kaffeekränzchen geeignet. Eines kann man dieser Spirituose aber nicht absprechen: Als Schnaps zur Verdauung tut sie ihre Wirkung und vertreibt vorhandene Völlegefühle.
Sorgfältige Herstellung ist Pflicht beim Topinambur
Eine sorgfältige Herstellung ist Voraussetzung bei der Herstellung dieses Schnapses. Die Knollen müssen mit Sorgfalt gereinigt werden. Wird dies nicht konsequent gehandhabt, können unerwünschte Bakterien die Maische verderben. Brennt man eine solche minderwertige Maische, ist das Resultat recht übel schmeckend. Von Ungefähr hat der Topinambur seinen schlechten Ruf eben doch nicht. In der Vergangenheit wurde deshalb auch der Brand mit Zwiebeln, Sellerie, Zucker, Kümmel und anderem geschönt.
Schnaps nach Vorschrift
Wie alles in Deutschland und auch der EU ist auch dieser Schnaps verwaltet. Eine Besonderheit der Topinamburknolle ist, dass sie keine Stärke enthält. Aus diesem Grund wird der Topinambur nach §2 Abs. 5 Brennereiordnung, da den „nichtmehligen Stoffen“ zugehörig, den Obststoffen zugereiht. Im Anhang V Verordnung EWG Nr.1180/91 ist der Topinambur folgendermaßen erfasst: ausschließlich durch Vergären von Topinamburknollen mit anschließender Destillation gewonnene Spirituose, deren Alkoholgehalt mindestens 38% beträgt. Das aus Topinambur gewonnene Erzeugnis muss entsprechend Art. 5 der VO (EWG) Nr. 1576/89 die Verkehrsbezeichnung Spirituose oder alkoholisches Getränk tragen. Als Zusatz zu dieser Verkehrsbezeichnung kann die Bezeichnung Topinambur verwendet werden.
Böse Zungen werden jetzt wieder anmerken, dass hier nicht geregelt ist, wie er schmecken darf.
