Torres del Paine: Waldbrände in Chiles berühmten Nationalpark

Üppiges grün im Sommer: Auch das sind die Anden! - Public Domain Pictures
Üppiges grün im Sommer: Auch das sind die Anden! - Public Domain Pictures
Fahrlässige Brandstiftung soll die Ursache für den Verlust von bisher 11.000 Hektar Wald sein. Das Waldgebiet in Patagonien steht unter Schutz der UNESCO.

Am 31.Dezember 2011 schrillten in diversen amerikanischen Staaten von Kanada bis Argnetinien die Regierungstelefone: Die Republik Chile ruft dringend um Beistand im Kampf gegen einen der größten Waldbrände, die das Land jemals erlebt hat. Es geht um den Fortbestand eines der größten und berühmtesten Naturschutzgebiete Südamerikas, der „Torres del Paine“.

Torres del Paine: Hochsommer zum Jahreswechsel

Seit einigen Tagen schon frisst sich das Feuer durch die ausgetrockneten Wälder: In Südamerika findet der Hochsommer um die Jahreswende statt und kann nicht weniger heiß und trocken sein wie in unseren Breiten auf. Da genügt ein einziges nicht gelöschtes Lagerfeuer, ein einziger Funke, um ganze Regionen in Schutt und Asche zu legen.

Genau dies soll, nach Ermittlungen der chilenischen Feuerwehr, am vergangenen Dienstag in der Nähe des Grey-Sees einem Touristen aus Israel passiert sein, welcher bereits wegen fahrlässiger Brandstiftung festgenommen wurde. Das von ihm (oder wem auch immer) ausgelöste Großfeuer hat bereits 11.000 Hektar Wald vernichtet – nach Ansicht der Umweltministerin Maria Tercera Benitez wird allein die Erholung der vernichteten Natur etwa 30 bis 50 Jahre dauern, so gründlich haben die Flammen den Wald verzehrt.

Die „Türme des blauen Himmels“: UNESCO Biosphären-Reservat

Der Nationalpark „Torres del Paine“ befindet sich im Süden des Landes, genauer gesagt am Nordrand von Patagonien. Er hat seinen Namen von drei markanten berggipfeln, die auf der Grenze von Chile zu Argentinien aus der Bergkette der Kordilleren herausragen. In der Sprache der hier einst ansässigen Tehuelche-Indianer war „Paine“ die Farbe des Himmels.

Die Republik Chile erklärte im Jahre 1959 ein 2500 km² großes Areal nördlich der Hafenstadt Puerto Natale („Weihnachtshafen“) zum Nationalpark und Naturschutzgebiet, welcher 1978 unter den Schutz der UNESCO gestellt wurde. In den Wäldern und Bergflanken haben nämlich viele seltene Tierarten ein natürliches Refugium gefunden. Hierzu gehören neben dem Kondor, dem Guanako und dem Darwin-Nandu auch die äußerst bedrohten Huemule (Anden-Rehe). Zwanzig oder dreißig Stück sollen sich abseits der Feuersbrunst, bewacht von Parkwächtern, aufhalten.

Auch deswegen soll die Zahl der eingesetzten Feuerwehrleute von 200 auf 600 erhöht werden. Da die vier Löschflugzeuge, verstärkt durch einen Helikopter, den Brand allein nicht löschen können, hat Chiles präsident Sebastian Pinera in Australien, Argentinien und den USA um Unterstützung nachgesucht.

Tourismus: Ein notwendiges Übel?

Bereits im Jahre 2005 wurde „Torres del Paine“ von einem Großfeuer heimgesucht. Auch damals soll Unachtsamkeit von Touristen die Ursache gewesen sein. Erste Stimmen fordern bereits eine Aussperrung von Touristen aus dem Nationalpark, werden damit aber wenig Erfolg haben:

Erstens ist dieses Gebiet für Naturliebhaber, Camper und Klettersportfreunde weltweit längst ein angesagter Geheimtipp, zweitens ist der Tourismus die mit Abstand größte (um nicht zu sagen einzige) Einnahmequelle der Menschen im abgelegenen Südchile darstellt, drittens wird die Erhaltung des Natio0nalparks durch dessen Gäste überhaupt erst finanziert. Ließe die Regierung in Santiago dieses Naturschutzgebiet fallen, bestünde die Gefahr solcher Zustände wie vor 1959: Damals hatten Großgrundbesitzer weite Teile der Wälder abgefackelt, um Weideland zu gewinnen.

ntv.de: „Waldbrand in Chile“ vom 31.Dezember 2011

Stern.de: „Waldbrand weitet sich aus“ vom 31.Dezember 2011

Foto: © Public Domain Pictures

Dirk Buschmann, Dirk Buschmann

Dirk Buschmann - Dirk Buschmann (geb. 1977) aus LÜNEN bei Dortmund, ist studierter Historiker (NF: Geographie und Politikwissenschaft) und sozusagen ...

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