
- Tortilla de patatas - tio fiddi / PIXELIO
Wann die Tortilla española oder Tortilla de patatas das erste Mal zubereitet wurde, ist nicht eindeutig überliefert. Einer Legende nach war es eine Bäuerin in Navarra, die im 19. Jahrhundert erstmalig eine Tortilla de patatas zubereitete.
Herkunft der Tortilla
Bei ihr war während der Karlistenkriege ein General einquartiert, den sie zu beköstigen hatte. Da die Auswahl an Vorräten knapp war, hat sie aus der Not eine Tugend gemacht und aus Kartoffeln, Eiern und Olivenöl in einer großen Pfanne einen sättigenden Kartoffelkuchen gebacken.
Die Tortilla de patatas wird jedoch schon früher erwähnt, nämlich Anfang des 17. Jahrhunderts in den Aufzeichnungen von Francisco Martínez Montiño, dem Koch am spanischen Königshof. Hier wird sie noch Tortilla de cartuja genannt, eine Kreation der Kartäusermönche, die mit Sahne zubereitet wurde.
Inzwischen bestehen jedoch so viele Abwandlungen dieses Grundrezeptes, wie es Regionen und Haushalte in Spanien gibt. Die einen setzen Milch oder Wasser hinzu, andere - beispielsweise in Madrid - verwenden Knoblauch und Zwiebeln oder würzen mit einem Hauch Muskat. Und in Andalusien darf eine Prise Kreuzkümmel als Referenz an den Einfluss der Mauren nicht fehlen.
Grundrezept für die Tortilla
Zutaten:
- 500 g fest kochende Kartoffeln
- 2 Zwiebeln
- 125 ml natives Olivenöl
- 6 große Eier
- Salz und Pfeffer
Zubereitung der Tortilla
Die Kartoffeln schälen, die Zwiebeln häuten und beides in nicht zu kleine Würfel schneiden. Die Kartoffeln zusammen mit den Zwiebeln in einer Pfanne in reichlich Olivenöl braten. Das Ganze öfters wenden. Die Kartoffeln müssen noch etwas Biss haben und dürfen keinesfalls kross sein. Die Masse in einem Sieb abtropfen lassen.
In einer Schüssel die Eier mit Salz und Pfeffer verquirlen. Die angebratene Mischung aus Kartoffeln und Zwiebeln hinzufügen.
In einer anderen Pfanne etwas Olivenöl erhitzen und die Mischung hineingeben. Wenn der Kuchen auf einer Seite braun ist, einen Teller auf die Pfanne legen und ihn stürzen, dann wieder in die Pfanne gleiten lassen und so lange stocken lassen, bis auch die andere Seite Farbe angenommen hat.
Variationen des rustikalen Pfannengerichts
Dies ist nur die Basis für viele Varianten, die je nach dem persönlichen Geschmack daraus entstehen können: durch das Zugeben von Champignons, Petersilie, Oliven, Schinken, Shrimps, Käse, Chorizo oder Paprika. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. So erhält ein einfaches, preiswertes und schmackhaftes Gericht eine ganz persönliche Note.
Sind Gäste eingeladen, kann kurz vor ihrem Eintreffen die Kartoffel-Zwiebelmasse vorbereitet und warm gestellt werden. Jeder Gast wird dann sein eigener Koch und bereitet ganz nach Geschmack seine Tortilla in einem Pfännchen zu, das man in Spanien in jedem Haushaltsgeschäft kaufen kann. Die bereits fertigen Tortillas werden im vorgeheizten Backofen so lange warm gehalten, bis man sich gemeinsam zu Tisch setzt.
Tortilla mit Salat und Brot
Dazu serviert man am besten einen Blattsalat und Brot. Natürlich kann auch eine Salsa dazu gereicht werden, wie die spanische Gemüsesauce Samfaina. Diese besteht aus Speck und Zwiebeln, die kurz in Öl angebraten werden. Dann gibt man feingehackten Knoblauch sowie gewürfelte Paprika, Zucchini und Tomaten hinzu. Alles wird mit Wein abgelöscht sowie mit einem Lorbeerblatt, Salz und Pfeffer gewürzt. Danach alles köcheln lassen, bis die Tomaten zerfallen sind.
Bei einem Tapas-Abend sollte die Tortilla keinesfalls fehlen. Sie wird warm in Tortenstückchen portioniert und einfach so oder zusammen mit einer Salsa serviert. Alternativ können kalte Tortillawürfel abwechselnd mit Chorizo, Oliven, Manchegowürfeln auf kleine Spieße gesteckt und als Bandilleras angerichtet werden.
Und wem das alles noch zu einfach und rustikal ist, der besucht das Restaurant Casablanca in Sevilla, wo Manuel Zamora die Tortilla mit Salsa de whisky serviert. In jedem Fall heißt es: ¡Buen apetito! und auch ¡Salud!, denn je nach Vorliebe für Weiß oder Rot gehört ein spanischer Wein einfach dazu.
Quellen:
Pepita Cris: Die ländliche Küche Spaniens, Bechtermünz-Verlag, 1996, Fiona Dunlop: Tapas – die 101 besten Rezepte aus Spaniens Tapas-Bars, Christian-Verlag, 2006, uni-protokolle.de
Bildnachweis: tio fiddi / pixelio.de
