Toskana-Wandern: Uralte Steineichen im Montalbano

Die Abtei San Giusto al Pinone - Gisela Dürselen
Die Abtei San Giusto al Pinone - Gisela Dürselen
Westlich von Florenz erstrecken sich die Hügel des Montalbano-Gebiets: Mit seinem gut beschilderten Wegenetz ist es ein Eldorado für Naturliebhaber.

Oliven und Wein, Zypressen und Steineichenwälder. Ein paar kurvenreiche Sträßchen, vier prächtige Medici-Villen, malerische Dörfer und sonst fast nichts: Wer in den Hügeln des Montalbano wandert, genießt die typischen Landschaften der Toskana und möchte nicht glauben, dass das quirlige Florenz nur eine halbe Stunde Fahrzeit entfernt liegt.

Trotz dieser Unberührtheit hat es der Montalbano zu einigermaßen Berühmtheit gebracht: wegen des Geburtsorts von Leonardo da VInci, wegen des hier hergestellten Rotweins Barco Reale, wegen malerischer Orte wie Carmignano und nicht zuletzt wegen seiner einzigartigen Natur.

Vom Teufelsstein bis ans Meer

Zu den Plätzen, an denen sich die toskanische Landschaft des Montalbano am schönsten zeigt, gehört der Höhenzug von Pietromarina: Dort befindet sich einer der ältesten Steineichenwälder Italiens. Einige Exemplare sind mehrere Hundert Jahre alt und haben einen Stammumfang von bis zu 1,50 Metern. Wer die 580 Höhenmeter zum Gipfel von Pietramarina überwindet, wird reich belohnt: Pietramarina bedeutet "Stein am Hafen" und deutet darauf hin, dass an klaren Tagen die Aussicht von hier aus bis ans Meer reicht.

Auf der Spitze des Höhenzugs prangt ein massives Felsengebilde: der Masso del Diavolo, auch "Teufelsstein" genannt. Geologisch gesehen handelt es sich nur um einen monolithischen Felsaufschluss - in der Praxis gehört diese Stelle zu den sagenumwobenen Orten der Toskana. Denn das seltsame Gebilde lässt sich ersteigen durch in den Fels gehauene Stufen, von denen eine ein unheimliches Mal besitzt: eine Ritzung, die so aussieht, als wäre sie durch den Abdruck einer riesigen Kralle entstanden. "Das war der Fuß des Teufels", sagen die Einheimmischen. Die Wissenschaftler indes vermuten, dass dieser Platz einst eine Kultstätte war.

Etrusker im Montalbano

Auf demselben Hügelkamm, nur 200 Meter entfernt vom Masso del Diavolo, befindet sich eine archäologische Ausgrabungsstätte: Wissenschaftler haben hier die Überreste einer Burg entdeckt, deren früheste Spuren bis auf die Zeit der Etrusker zurückgehen. Denn obwohl der Montalbano heute einsam und ursprünglich wirkt - in früheren Zeiten war diese Gegend hart umkämpft und von strategischer Bedeutung, denn von hier aus ließ sich die ganze Region zwischen Pisa und Florenz kontrollieren.

Die Abtei des Eremiten San Baronto

Dort, wo der Wanderweg zum Steineichenwald von Pietramarina beginnt, liegt ein Kleinod aus dem XII. Jahrhundert: Die Zisterzienserabtei San Giusto al Pinone. Laut Überlieferung wurde die Abtei von dem französischen Eremiten San Baronto erbaut. Später war sie SItz einer kleinen Ordensgemeinschaft. Abgetrennt von der Kirche steht der Glockenturm, dessen massive Gestalt darauf schließen lässt, dass auch er einst einem militärischen Zweck diente.

Dem Heiligen, dem die kleine Kirche ihre Existenz verdankt, begegnet man im Montalbano noch einmal: in Form eines kleinen Ortes, gelegen im Zentrum der malerischen Hügel, an einer der kurvenreichen Straßen und mit bestem Panorama-Blick: Die Rede ist von dem Dörfchen San Baronto, das nur drei Kilometer entfernt liegt von Vinci und mit seinem Campingplatz das touristische Hauptzentrum im Montalbano ist.

Wegbeschreibung

An der Straße von Carmignano nach Vinci liegt zirka fünf Kilometer hinter Carmignano an der linken Seite und versteckt in einem Eichenwald die Abtei San Giusto al Pinone. Der gut beschilderte Wanderweg nach Pietramarina beginnt am Parkplatz gegenüber der Kirche und dauert etwa eine dreiviertel Stunde.

Gisela Dürselen Suite101-Autorin, (Foto: Christine Vincon)

Gisela Dürselen - Ausbildung und berufliche Meilensteine: Journalistin, Friedensfachkraft, Trainerin für emotionale und soziale KompetenzStudium ...

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