Tote bestatten - eins der sieben Werke der Barmherzigkeit

die letzte Reise - Karrenbrock/pixelio.de
die letzte Reise - Karrenbrock/pixelio.de
Das siebte Werk der Barmherzigkeit - sich der Toten anzunehmen - fand erst spät Einzug in den Kanon der Barmherzigkeit.

Der Tod ist das natürliche Ende des Lebens und mit ihm unausweichlich verbunden. Jeder weiß, dass er ihm nicht entkommen kann, sondern dass der Tod mit der Geburt bereits vorgezeichnet ist. Dennoch erfordert es Mut und eine ganz besondere Kraft, die Angst vor einem toten Menschen zu überwinden. Selbst bei denen, die mit Verstorbenen Tag für Tag umgehen.

Einen Verstorbenen würdig zu bestatten, das heißt, ihn seine Würde als Mensch über den Tod hinaus zu belassen, ist seit Menschengedenken eine besondere Pflicht. Dennoch wurde das siebente der so genannten leiblichen Werke der Barmherzigkeit erst relativ spät (1165) von der katholischen Kirche in den Kanon der Barmherzigkeit aufgenommen. Im 12. Jahrhundert wurde das Werk am Toten durch den französischen Theologen Johann Beleth in seinem Traktat Rationale divinorum officiorum als barmherzige Guttat bestätigt.

Das siebente Werk der Barmherzigkeit

In Verbindung mit dem Jüngsten Gericht zählen die sieben Werke der Barmherzigkeit (Hungernde speisen, Dürstende laben, Nackte bekleiden, Obdachlose beherbergen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten) zu den guten Taten, die nach alter katholischer Lehre die während des Lebens begangenen Sünden überwiegen müssen, damit die Aufnahme in das Paradies erfolgen kann. Die Toten bestatten – mortuum sepelire – wurde erstmals von dem lateinischen Gelehrten Lactanz im dritten Jahrhundert nach Christus als das siebente Werk der Barmherzigkeit bezeichnet und als solches eingeführt. Im Wesentlichen geht dieses Werk der Barmherzigkeit auf die alttestamentarische Gestalt des Tobit zurück. Er war ein frommer Jude, der trotz des Verbots Tote aus seiner näheren Nachbarschaft begrub. Bestattungen waren im frühen Christentum im Zuge der Christenverfolgungen schwierig.

Erst das neue Gebot des siebenten Werkes trug zu einer christlich geprägten Bestattungskultur bei. Es wurde als christlich-humanitäre Pflicht empfunden, einen Verstorbenen der Erde zurückzugeben und somit den Kreislauf des Lebens zu vollenden. Man erinnerte sich wieder, was im Buch Genesis, im Alten Testament geschrieben steht: "Denn du bist Erde und sollst wieder zu Erde werden“.

Mors certa, hora incerta – der Tod ist sicher, die Stunde ungewiss

Zwischen Leben und Tod liegen oft nur Augenblicke. Dies trifft auf die vergangenen Jahrhunderte, als die Menschen eine weitaus geringere Lebenserwartung als heute hatten, besonders zu. Die Vorbereitung auf den Tod nahm einstmals einen wichtigen Stellenwert im Leben ein. Die Sorge um das Seelenheil und um das "bene moriendi“, um den "guten“ und würdevollen Tod, wirkte über Jahrhunderte im christlichen Glauben. Auch der eigentliche Akt der Bestattung beschäftigte den Menschen durch die Jahrhunderte hinweg. Deshalb wurde schon zu Lebzeiten Vorsorge für die letzte Reise getroffen. So gehörte das Totenhemd zur Aussteuer eines jeden Erwachsenen. Auch der Grabstein samt Inschrift wurde bis auf das Todesdatum oft schon bereits zu Lebzeiten fertig gestellt.

Tote bestatten heute

In der Antike war der Beruf des Bestatters voll ausgebildet. Doch mit dem Niedergang der Antike ging auch diese Kultur unter. Mit der einsetzenden Völkerwanderung ging sie schließlich ganz verloren. Erst im frühen Mittelalter entwickelte sich die Bestattungskultur neu. Eben gerade mit der Aufnahme der Bestattung der Toten als siebentes Werk der Barmherzigkeit. Heute ist der Bestatter der moderne "Spezialist des Todes“. Nahezu für alles, was nach dem Tod eines Menschen erledigt werden muss, bietet er als Dienstleistung an.

Die einst als "unehrenhaft“ geltende Aufgabe des Totengräbers hat sich gewaltig gewandelt. Der Bestattungsunternehmer ist im Sinne dieses Wortes auch Unternehmer, der am Ende, wie alle Unternehmer, wirtschaftlich denken muss. Dennoch ist er ein besonderer Dienstleister, der den Verstorbenen auch im 21. Jahrhundert ein würdiges Begräbnis sichert. So ist der Bestatter von heute Bewahrer einer über tausendjährigen Bestattungskultur, der trotz aller Modernität die Würde bei seiner Arbeit obenan stellt. Damit ist er ein unverzichtbarer Teil der abendländischen Kultur.

Quellennachweis: Todesmutig – Das siebte Werk der Barmherzigkeit von J.E. Rehnig

Bildnachweis: Karrenbrock / pixelio.de

Annelore Poljasevic, Annelore Poljasevic

Annelore Poljasevic - Ich bin 1952 im mittelalterlichen Rothenburg ob der Tauber geboren und habe (weil es sich so ergeben hat) den nüchternen Beruf der ...

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