"Totentanz" in Frankfurt an der Oder

Frankfurt/Oder, Uni-Neubau - François Maher Presley
Frankfurt/Oder, Uni-Neubau - François Maher Presley
Der Aufbau Ost hat in Frankfurt an der Oder Blüten getragen. Dennoch lohnt sich ein Besuch nur als Tagesausflug. Der Stadt fehlt jegliche Lebendigkeit.

Die Grenzstadt zum heutigen Polen Frankfurt an der Oder eignet sich als Ausflugsziel nur, wenn man sich ohnehin in der Nähe befindet und diese Stippvisite auf wenige Stunden reduziert. Außerhalb des Stadtkerns hat die Stadt baulich und an kulturellen oder erlebenswerten Ereignissen mehr oder minder nichts von Bedeutung zu bieten.

Historische Bauten in Frankfurt an der Oder

Neben den Universitätsgebäuden finden sich an dem am Oder-Ufer gelegenem und schön wieder hergestellten oder restauriertem Stadtkern ein architektonisch sehr schönes Gebäude, in dem seit März 2001 das Kleist Forum Frankfurt untergebracht ist. Hier finden von der Oper und Operette bis hin zum Schauspiel, Konzerten oder Lesungen alle möglichen kulturellen Veranstaltungen statt. Das Kleist Museum ist im Gebäude der ehemaligen Garnisonsschule untergebracht und beherbergt die umfangreichste Kleistsammlung. Bei einem weiteren Gebäude, das während des Zweiten Weltkrieges nicht zerstört wurde, handelt es sich um das Junkerhaus, ein wertvolles und selten schönes Baudenkmal des Barock. In diesem Museum Viadrina ist heute das kulturhistorische Museum der Stadt untergebracht.

Die St. Marienkirche

Das innerstädtische Ensemble wird durch die St. Marienkirche ergänzt. Ursprünglich wurde das Gebäude 1253 im Stile der norddeutschen Barocksteingotik errichtet, musste dann aber mehr oder minder zerstört seit den 1990er Jahren wieder rekonstruiert werden. Die Kosten wurden von der Stadt getragen, die das Gebäude seit 1974 für 99 Jahre gepachtet hat und nun das soziokulturelle Zentrum St. Marien dort betreibt. Interessant an diesem Bau ist die Tatsache, dass die hier verwendeten Bleiglasfensterfelder als Beutekunst in der Eremitage in Sankt Petersburg untergebracht waren und es sich bei diesen 111 Objekten um die einzige Rückgabe von Beutekunst in dieser Richtung der Parteien handelt. Sie werden nun nach und nach restauriert und an ihren ursprünglichen Plätzen eingesetzt.

Das Mittelalter in Frankfurt an der Oder

In der Franziskaner-Klosterkirche, mit deren Bau Ende des 13. Jahrhunderts begonnen wurde, befindet sich heute die Konzerthalle Carl Philipp Emanuel Bach, die von der Stadt zu dieser ausgebaut wurde. Auch hier besteht ein Pachtvertrag. Die Friedenskirche ist ebenso erwähnenswert. Es handelt sich hier um den im Ursprung ältesten Steinbau der Stadt. Sie existierte bereits zur Stadtgründung 1253, damals als St.-Nikolai-Kirche.

Originell und selten ist ebenso das heutige Rathaus. Es entstand nach 1253 als Kaufhalle mit Ratsstube und Gerichtslaube. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde es im Stil der Renaissance umgebaut und dann Anfang des 20. Jahrhunderts erweitert. Aber auch dieses Gebäude wurde im Krieg stark zerstört und später wieder rekonstruiert.

Europa-Universität, ein schönes Enseble

In Frankfurt ist auch die eher kleine Europa-Universität Viadrina (an der Oder gelegene) mit dem Collegium Polonicum (in Slubice auf der polnischen Seite) angesiedelt, die nicht nur in einem sehr schönem und herrschaftlichem Gebäude untergebracht ist, sondern die zudem durch architektonisch gut durchdachte, sehr ästhetische lichte und farblich zuerst grell wirkende, aber dennoch sehr ansprechende Gebäude ergänzt wurde.

Die Universität, die im April 1506 gegründet, 1811 geschlossen und 1991 neugegründet wurde) ist die am östlichsten Rand Deutschlands gelegene. Etwa 6.500 Studenten sind immatrikuliert, von denen circa 77 Prozent Deutsche sind, 12 Prozent Polen und 11 weitere Prozent sich auf 84 andere Herkunftsländer verteilen. Mit diesem Misch soll sie vermutlich den politischen Vorgaben und zudem ihrem Namen gerecht werden. Mehr oder minder landesweit wurde die Europa Universität durch die zweimalige Bewerbung zum Bundespräsidentenamt der damaligen Präsidentin der Uni Gesine Schwan bekannt.

Das Zentrum der Stadt

Diese baulichen und im Gesamtstadtbild eher wenigen Baudenkmäler befinden sich alle um den Platz am Rathaus oder in den Straßen in dessen Nähe gruppiert. Der Stadtkern wirkt nicht wirklich lebendig, wenngleich vieles in die Gegenwart herübergerettet und mit neuen Inhalten gefüllt wurde. Am Museum wird auf einem Plakat für die Aufführung „Totentanz“ geworben. Die Innenstadt wirkt nicht sehr belebt. Überall findet man Abfall, die unterschiedlichsten Verpackungsmaterialen, Papier, leere Dosen und Flaschen in den Straßen und auf den Plätzen, den Grünanlagen an den Ufern der Oder oder um die teilweise sehr ansprechenden Neubauten. Das steht stark im Kontrast zu den schönen baulichen Rekonstruktionen und Sanierungen.

Ein Blick ins Gegenüber

Doch sollte man nicht der Versuchung unterliegen, sich in die auf dem anderen Oder-Ufer liegende polnische Stadt Slubice zu flüchten. Außer einer mit runtergekommenen Altbauten bestückten kleinen Einkaufsstraße, bietet der Ort nur noch Schmutz, Grau, Hässlichkeit und eine fast unerträgliche Tristesse, deren Aufdringlichkeit durch den von der EU finanzierten kleinen Park mit Springbrunnen nur scheinbar ferngehalten wird. Dieser Park erinnert nur noch wenig an die ehemalige Gartenstadt, die als Vorstadt bis 1945 zu Frankfurt gehörte und schon bessere Zeiten erlebt haben dürfte. Es handelt sich bei diesem Ort um den größten Grenzübergang zwischen den beiden Ländern.

Quellen:

François Maher Presley, Foto: David Eschrich, Fançois Maher Presley

Francois Maher Presley - François Maher Presley kam in Kuwait/pers. Golf zur Welt und lebte seit seinem sechsten Lebensjahr in Hamburg. Der Autor und ...

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