„Unsere Engel!" ruft manch verzweifelter Tourist, wenn er Rosi Ruano Torres und Sara Gotierrez Benítez sieht. Das gelb-blau gekleidete Paar mit dem großen „I" wie Information auf Rücken und Brust ist eines von Málagas wandelnden Tourismusbüros. Mit Stadtplänen und Veranstaltungskalendern, den „Guias de Actividades", bewaffnet, sind den ganzen Tag mindestens drei Teams in der Altstadt und in der Bahnhofsgegend unterwegs, um sich den Fragen der Touristen, „aber auch denen der Málagenos", zu stellen. Die Idee der „ambulanten Touristenbüros" entstand vor acht Jahren in Málaga, nur in Madrid und Almeria ist die Einrichtung bis jetzt noch zu finden. „Aber viele andere Städte interessieren sich für das Model", sagt Jaime Navas Barceló, der Geschäftsführer von „Consulting Tourismo". Die Gemeinde von Málaga hat die Firma unter Vertrag genommen, um dem Touristenansturm besser gerecht zu werden.
Fragen der Touristen
Von alltäglichen bis absurden Fragen: „Wir bekommen alles zu hören, was man sich vorstellen kann", sagt Rosi. Die meisten wollen einen Plan haben und wissen, wo man gut „shoppen" gehen kann. Meistens gehen die „Engel" auf die Touristen zu. „Wenn wir jemanden mit fragendem Blick sehen, bieten wir ihm sofort unsere Hilfe an." Ein erlöstes Lächeln husche dann oft über die Gesichter der Besucher, erzählt Sara. Selbst die kuriosesten Fragen versuchen die Mädchen bei ihrer Arbeit ruhig zu beantworten. „Nicht wenige fragen uns, wo denn die Gitanos seien, die Flamenco tanzen und Kastagnetten spielen." Ein deutscher Tourist wollte wissen, wo er einen Olivenbaum kaufen kann, um ihn in seinem Garten in Deutschland zu setzen. „Ich habe versucht ihm abzuraten. Schließlich würde das Bäumchen nie überleben", erinnert sich Sara lächelnd.
Tipps für Bauchschmerzen und Stripteaselokale
Ganz ähnliche Erfahrungen machen die Damen im Fremdenverkehrsamt der Provinz Andalusien. Patricia Peláez, eine der Mitarbeiterinnen, sammelt sogar die lustigsten Fragen in einer Art Tagebuch. „Ein Mann kam einmal zu uns, um zu wissen, wo er seine verlorene Ehefrau finden könnte." Das Ehepaar hatte sich an einer Kirche verabredet, aber der verzweifelte Mann konnte sich nicht mehr erinnern, an welcher. So groß das Problem jedoch auch sein mag, „alle Touristen sind sehr freundlich und respektvoll", freut sich die Geschäftsführerin Alicia Jimenez Parrer. „Die Arbeit macht uns allen Spaß." Auch hier bewahren die Mitarbeiter selbst bei den ungewöhnlichsten Fragen die Fassung. Als eine Frau in Málaga anrief, um zu wissen wie lange ihr Sohn, ein LKW Fahrer, von Monaco in die Schweiz brauchen würde, versuchte Patricia auch dafür eine passende Antwort zu finden. „Egal welche Art von Problem die Touristen haben, sie kommen zu uns," sagt Alicia. „Bei Bauchschmerzen, wenn die Gasflasche ausgeht und wenn sie ein Erotikrestaurant oder ein Stripteaselokal suchen."
Das ganze Jahr über kommen Touristen aus der ganzen Welt nach Málaga. Fast alle landen früher oder später in dem Büro von Alicia und Patricia. „Normalerweise sind es um die 5000 im Monat, aber in der Hochsaison kommen mehr als 7000 zu uns." Fast alle sind aus dem europäischen Ausland. „Die deutschen Touristen versuchen meistens Spanisch mit uns zu sprechen", freut sich Alicia. Aber alle Mitarbeiter können Englisch und eine zweite Fremdsprache, um die Fragen der Touristen zu beantworten. Mindestens einmal im Monat notiert Patricia etwas in ihr „Buch der kuriosen Fragen". Auch die Kollegen schreiben mittlerweile ihre Anekdoten in die Sammlung. Vielleicht kommen bald auch Rosi und Sara vorbei, um ihren Erfahrungsschatz loszuwerden.
