
- Thomas Dold setzt sich von Anfang an durch - courtesy of New York Road Runners
Jedes Jahr Anfang Februar versammeln sich einige Hundert Athleten in der Halle des Empire State Buildings in New York. Ihr Ziel: Die Aussichtsplattform im 86. Stock. Ihr Weg: Im Laufschritt über die 1.587 Stufen. Und zwar so schnell wie möglich. Seit 1978 findet der Treppenlauf, organisiert vom Verband New York Road Runners, jährlich im berühmten Wahrzeichen der New Yorker Skyline statt und ist damit der älteste Towerrun weltweit.
Technik und Anforderungen beim Towerrunning
Die Regeln eines Towerruns sind denkbar einfach: Wer als erster oben ist, gewinnt. Doch die Hindernisse auf dem Weg nach oben sind enorm, denn ein schmales Treppenhaus ist kein idealer Ort für 100 ehrgeizige Extremsportler. Ellenbogen sind gefragt, um sich eine möglichst gute Position zu erkämpfen. Mentale Fitness ist nötig, um im fensterlosen Betonflur die Stimmung aufrecht zu erhalten. Von körperlicher Fitness ganz zu schweigen, denn nicht ohne Grund erfand Elisha Otis 1853 den Fahrstuhl: Wolkenkratzer zu erklimmen, ist nicht jedermanns Sache. Auf die Technik kommt es an: Gestandene Treppenläufer nehmen zwei Stufen auf einmal; eine wäre zu zeit-, drei zu kraftintensiv. Das Geländer wird zur Unterstützung benutzt, und der Blick auf die noch verbleibenden Etagen tunlichst gemieden. Wen zwischendurch die Kräfte verlassen, der wechselt in eine muskelschonende, kraftsparende Fortbewegungsart – allgemein auch „gehen“ genannt. In die Top Ten der Stufensteiger kommt man damit allerdings nicht.
Weltrangliste der Wolkenkratzer, die Towerruns veranstalten
Neben einer Weltrangliste für Treppenläufer gibt es mittlerweile auch die Top Ten der Wolkenkratzer in denen Treppenrennen veranstaltet werden: Auf Platz 1 findet sich der CN Tower im kanadischen Toronto mit einer Gesamthöhe von 553 Metern, auf Platz 10 der US Bank Tower in Los Angeles mit 310 Metern. Das Empire State Building belegt hier den sechsten Platz, ein deutscher Wolkenkratzer ist (noch) nicht vertreten.
Der Deutsche Thomas Dold gewinnt zum sechsten Mal in Folge den Empire State Building Run 2011
Eine Hupe kündigt den Start des Rennens im Empire State Building an, und die Sportler drängen sich in den engen Treppenbereich. Für die nächsten 86 Stockwerke sind sie allein: Jubelnde Fans oder Journalisten haben auf dieser ungewöhnlichen, vertikalen Rennstrecke keinen Platz. Während sich die Läufer, unten ihnen Ultramarathonläufer und Bergläufer, an die Spitze kämpfen, nehmen die Journalisten den Lift. Knapp eine Minute dauert die Fahrt für die Presseleute, der schnellste Läufer wird den Aufstieg 2011 in zehn Minuten und zehn Sekunden schaffen. Zum sechsten Mal in Folge heißt der Sieger Thomas Dold, ein 26jähriger Extremsportler aus Stuttgart und amtierender Weltmeister im Rückwärtslauf . Die schnellste Frau ist in diesem Jahr Alice McNamara, die in knapp 13 Minuten die Aussichtsplattform erreicht. Für die australische Ruderweltmeisterin von 2008 und 2009 ist es der erste Sieg und katapultiert die Medizinstudentin auf den ersten Platz der aktuellen Weltrangliste.
Wer auch schon immer auf einen Wolkenkratzer joggen wollte, dem bieten sich in Deutschland 2011 zwei Chancen: Ende Mai findet in Frankfurt der alljährliche Sky Run am Messeturm statt; Mitte Juni zieht es Athleten beim SkyRun Berlin auf den Turm des Park Inn Hotels am Alexanderplatz.
Bildnachweis: Courtesy of New York Road Runners
