
- Toxic Lullaby - Kinoplakat - Spontitotalfilm.de
Dieser Drogenrausch hatte für Eloise ungeahnte Nebenwirkungen. Nachdem sie endlich daraus erwacht ist, befindet sie sich - getrennt von ihren Freunden - in einer für sie völlig neuen und lebensfeindlichen Umgebung wieder.
Bei einem alles vernichtenden Krieg sind auch verheerende biologische Waffen zum Einsatz gekommen (der Grund für den Krieg selbst waren wohl Spekulationen um die letzten Lebensmittelressourcen und deren völlige Vernichtung), die dafür gesorgt haben, dass sich ein Virus unter den Menschen ausbreitete. Dieser ließ sie zu blutrünstigen Mutanten werden und sorgte dafür, dass es nun nur noch wenige Überlebende gibt. Eloise muss so schnell wie möglich lernen, sich in der für sie neuartigen und bizarren Welt zurecht zu finden.
"Toxic Lullaby" - Deutscher Independent-Horror der Extraklasse
Ralf Kemper, der auch schon bei "Die Waldbewohner" auf dem Regiestuhl Platz nahm, scheint offenbar keinen Gefallen daran zu finden, sich mit seinen Filmen auf ausgetretene Pfade zu begeben. Und das ist gut so, denn Leute, die "normale" Horrorfilme drehen, gibt es wie Sand am Meer. Bei "Toxic Lullaby" erwartet das glückliche Publikum eine bis ins letzte Detail durchdachte Welt, die einem durch die Augen der Hauptfigur (die eben jene Welt ja auch erst erkunden muss) präsentiert und Stück für Stück aufgeschlüsselt wird. Hier funktioniert einfach jedes noch so kleine Detail.
Objektiv betrachtet ist "Toxic Lullaby" zwar auch "nur" ein weiterer Zombiefilm, allerdings denkt Kemper bei seinen Filmen immer in erster Linie daran, eine Geschichte mit schlüssiger Handlung und dichter Atmosphäre zu erzählen und erst danach an Dinge wie Splatter- oder Ekeleffekte, die von anderen deutschen Independentfilmern regelmäßig mit einer Narrative verwechselt werden. Von Anfang an wird man als Zuschauer in die Geschichte hineingezogen und bis zum bitteren Ende nicht mehr von ihr losgelassen. Dazu trägt auch die gekonnt in Szene gesetzte trostlose Umgebung bei, die das von der Handlung transportierte Endzeitgefühl ganz gewaltig unterstreicht.
"Toxic Lullaby" - Eine extrem feindliche Lebenswelt
War die Welt in dem oben genannten "Die Waldbewohner" noch vergleichsweise leicht zu verdauen, geht es in "Toxic Lullaby" großteils sehr hart, ernst und zynisch zur Sache. Die Spezialeffekte sind alle sehr gut gemacht, aber niemals selbstzweckhaft in Szene gesetzt, wie das zum Beispiel bei den Filmen eines Andreas Bethmann oder Andreas Schnaas der Fall ist.
"Toxic Lullaby" - Handwerklich sehr gut gelungen
Handwerklich hat Ralf Kemper im Vergleich zu dem etwas älteren "Die Waldbewohner" den vermutlich größten Schritt nach vorne gemacht. Natürlich sieht man teilweise immer noch, dass es sich hier um eine deutsche Independentproduktion handelt, aber die visuelle Abwechslung ist dennoch bemerkenswert. Kemper sorgt mit teilweise eher kurzen Einstellungen, die nicht nur nach dem sonst bei Independentfilmen beliebten "Schuss-Gegenschuss"-Prinzip funktionieren, dafür, dass die Kameraführung nicht statisch wird und eine entsprechende Wirkung erzielt.
Auch bei den Kampfszenen sind deutliche Unterschiede zu anderen Filmen dieser Art deutlich erkennbar. Zwar wird man die Actionszenen in "Toxic Lullaby" nicht für die durchchoreografierten Kampfszenen eines Hollywood-Blockbusters halten, aber man merkt durchaus, dass hier jeder weiß, was er oder sie als nächstes zu tun hat und keine/r nur ziellos durch die Gegend rennt.
Tolle Schauplätze und gute Schauspieler
Ein weiteres Herzstück von "Toxic Lullaby" sind die hervorragend ausgewählten Schauplätze. Das absolute Herzstück des Films in dieser Hinsicht ist der heruntergekommene U-Bahnhof, der den Charakteren eine Zeit lang als Rückzugsgebiet dient.
Auch die Schauspieler sind durch die Bank zu loben. Samantha Richter kann ihre Charakterentwicklung von der Frau mit Gedächtnisschwund zur Überlebenskämpferin glaubwürdig verkaufen, Noah Hunter gefällt als Bretoria und Eva Maria Balkenhol kann einiges aus ihrer Figur der Penny herausholen.
Fazit zu "Toxic Lullaby": Mehr als "nur" ein weiterer Zombiefilm
"Toxic Lullaby" von Ralf Kemper ist - nach "Die Waldbewohner" - ein weiterer Beweis dafür, dass die Leute hinter Spontitotalfilm durchaus gewillt sind, sich immer weiterzuentwickeln. Außerdem haben Kemper und Co - ganz im Gegensatz zu einigen anderen deutschen Independentfilmern - begriffen, das es auch bei einem Horrorfilm darauf ankommt, welche Geschichte man den Zuschauern erzählen möchte (und nicht nur, wie man möglichst viele Ekel- und Splattereffekte in einer ohnehin nur rudimentär vorhandenen Handlung unterbringt). Freunde von guten Independentfilmen können hier ohne Bedenken einen Blick riskieren, der Film ist beim DVD-Label "X-Rated" erhältlich.
