Wer bis zum 30. April 2012 versäumt hat sich einen Digital-Receiver anzuschaffen, schaut als Satellitennutzer bei Fernsehen und Radio in die Röhre. Externe Set-Top-Boxen oder gleich ein neues TV-Gerät mit integriertem IDTV Receiver schaffen den Durchblick.
Damit für Fernsehzuschauer nicht das böse Erwachen kommt, besteht die vordringliche Aufgabe der Initiatoren nun darin, die Zuschauer auf diesen Umstieg vorzubereiten und sie, trotz der zusätzlichen Kosten für das technische Equipment, von den Vorteilen des digitalen Empfangs zu überzeugen. Ähnlich wurde bereits bei der Umstellung auf den digitalen terrestrischen Empfang (DVB-T) vorgegangen. Und die Informationskampagne der Landesmedienanstalt via "www.klardigital.de" scheint sich bereits auszuzahlen:
Absatzrekord bei Sat-Receivern und HD Fernsehern
Zumindest der in Europa führende Satellitenbetreiber SES ASTRA rechnet mit einem digitalen Erfolg in Deutschland. Wie der Satellitenplattformbetreiber auf seiner Homepage berichtet, konnte bereits im Jahr 2009 ein Absatzrekord von 2,6 Mio. verkauften digitalen Sat-Receivern verzeichnet werden, dazu wurden 22 Mio. HD ready Fernseher abgesetzt.
Die Initiatoren selbst sind überzeugt, dass die Erfolgsstory auch nach der Abschaltung weiter geht. Die Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) berichtete jüngst, dass bereits 60 Prozent der Satellitenhaushalte in Deutschland digitalisiert sind. Damit wären lediglich 6,8 Millionen Bürger von der Abschaffung des analogen Systems betroffen und diese gilt es mit gestochen scharfem Seh- und Hörgenuß alter und neuer HD+-Kanäle zu überzeugen, die ohne digitale Übertragungskapazitäten nicht möglich wären.
Gestochen scharfe Bilder ebnen das digitale Zeitalter
Über 20 HD-Sender sollen bis Ende des Jahres via ASTRA empfangbar sein, zu Anfang 2009 waren es lediglich vier. Neben ARD und ZDF bieten auch die Privaten, wie RTL, Sat.1, Pro7, kabel eins und Vox, seit Januar ihr Programm zusätzlich verschlüsselt als HD+-Version an.
Das Unternehmen ASTRA, welches in Deutschland 58 Prozent der digitalen Fernsehhaushalte abdeckt, stellt einen Großteil der Übertragungskapazitäten für die deutschen HD-Kanälen. So auch der Premiere AG, die seit 2009 als "Sky" ihr verschlüsseltes Programm bereits um sieben HDTV-Kanäle erweitert hat. Dank der Kooperation mit ASTRA und damit drei neuen Transpondern, die Mitte des Jahres, sowie 2011 und 2012 zum Einsatz kommen sollen, setzt "Sky" ein klares Zeichen sein HD-Angebot weiter auszubauen.
HDTV wird also nun auch in Deutschland massentauglich. Mit einem Marktanteil von 14,0 Prozent freute sich die ARD jüngst mit dem Versuchballon einer HD-Übertragung der Olympischen Winterspiele über das quotenstärkste Fernsehprogramm im Februar.
Zurück in die Vergangenheit - Digitalisierung im stillen Kämmerlein
Die ARD versucht schon seit 1997 mit den ersten komplett digitalisierten Programm-Ablegern, die digitale Zukunft einzuläuten. "Einsplus", "Einsfestival" und "EinsExtra" sind seit Jahren via Satellit kostenfrei empfangbar und helfen neben der HD-Variante von "DasErste" und "ARTE-HD" weiter ein digitales Programm der ARD zu etablieren. Die Privatanbieter haben jetzt noch zwei Jahre Zeit aufzuschließen. Ein neues Signal setzte im Mai diesen Jahres die Pro7-Gruppe mit dem digital Frauen-Kanal "sixx". Verhalten, aber beständig halten sich derweil die digitalen Erstversuche der Privaten, wie "Sat.1 Comedy", "kabel eins classics" oder "RTL living", "Passion" und "RTL Crime" der RTL-Gruppe, die bereits 2006 on air gingen.
Verbesserte Übertragungskapazitäten, bessere Bild- und Tonqualität - die Sendeanstalten sind sich einig: die Zukunft in Deutschland sieht digital. Am 30. April 2012 soll ja dann lediglich das seit Jahren parallel gesendete analoge Satellitensignal abgeschaltet werden.
Letztlich die Kabelempfänger, die mit 18,6 Mio Haushalten immerhin 50 Prozent Marktanteil ausmachen, verharren weiter im Dornröschenschlaf und bekommen von der Abschaltaktion so gut wie nichts mit. Laut Umfrage des Marktforschungsinstitutes TNS Infratest, sind erst 34 Prozent digitalisiert. Wann auch das klassische Breitbandkabel in Deutschland komplett von analogen Schönheitsfehlern bereinigt wird, bleibt abzuwarten.
