Insgesamt werden laut Statistik mehr als eine halbe Million Pferdetransporte pro Jahr in Deutschland durchgeführt. Am Zielort sollen die Pferde dann Höchstleistungen erbringen, was oft nicht möglich ist, da viele Faktoren, wie Menschenansammlungen, fremde Umgebung, laute Musik das Pferd stressen und den Organismus belasten. Auch der Transport gehört zu den Stressfaktoren. Je länger er dauert umso stressiger ist es für das Pferd. Auch ein Pferd, welches oft transportiert wird, reagiert weiterhin mit Stresssymptomen, wenn auch in abgeschwächter Form.
Forschungsergebnisse bestätigen es: Anhängerfahren ist Stress für Pferde
Parameter zur Feststellung des Stresses sind die Herzfrequenz und die Kortisol-Konzentration. Der Körper schüttet bei großer Belastung vermehrt das Stresshormon Kortisol aus und schützt diesen damit vor schädlichen Einwirkungen, unter anderem verbessert Kortisol die Wundheilung. Wird allerdings zu viel Kortisol über längere Zeit produziert, ist eine Schwächung des Immunsystem die Folge.
Während die Herzfrequenz bei den Pferden mittels Mess-Gurten einfach zu bestimmen ist, wird die Kortisol-Konzentration in Speichel- und Kotproben festgestellt.
Die höchste Herzfrequenz erreichten die Pferde innerhalb der ersten 30 Transportminuten. Damit einhergehend war eine Erhöhung der Atemfrequenz zu beobachten. Während des Transportes sanken beide Parameter wieder ab, erreichten jedoch während der Fahrt nicht den Normalzustand. Zum Ende der Fahrt kam es vor allem bei langer Transportdauer (acht Stunden) wieder zu einer Erhöhung des Herzfrequenz, was darauf hin deutet, dass die Ermüdung der Pferde der Auslöser war. Alle untersuchten Pferde erreichten eine Stunde nach dem Transport wieder ihren Ruhepuls.
Je länger die Pferde transportiert wurden, umso höher war der Kortisol-Gehalt, der am Ende des Transportes immer am höchsten war. Unabhängig von der Transportdauer erreichten die Kortisol-Werte erst zwei Stunden nach Fahrtende die Ruhekonzentration.
W.E. Jones wies in seinen Untersuchungen den Einfluss des Kortisols auf das Immunsystem nach. Demnach stieg das Verhältnis Neutrophiler Granulozyten zu Lymphozyten deutlich an, was auf eine starke Belastung des Organismus hinweist. Sogar am zweiten und dritten Tag nach des Transportes hatte sich das Verhältnis noch nicht normalisiert, was eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit zur Folge hat. Transport bedeutet demnach Stress für die Pferde, daher sollten die Pferde so angenehm wie möglich reisen.
Stressvermeidung bedeutet gesunde Pferde
Neben der Ausstattung des Anhängers oder Transporters, kann auch durch die Fahrweise Transportstress vermieden werden. Man sollte langsam beschleunigen, Schlaglöcher meiden und Pausen machen. Unangenehm sind für Pferde Seitwärts-Bewegungen des Anhängers. Während Pferde Stöße noch einigermaßen gut mit ihren Beinen abfangen können, prallen sie bei seitlichen Bewegungen des Anhängers ungehindert an die Seitenwand oder die Trennvorrichtung.
Die Ausstattung des Transporters hat ebenso Einfluss auf den Stresspegel des Pferdes. Angenehm für Pferde ist ein großer, heller Innenraum. Die Bruststangen müssen sich von außen abschrauben lassen und der Bodenbelag rutschfest sein. Gepolsterte und gebogene Bruststangen, sowie gepolsterte Seitenwände sind für das Pferd angenehmer und schützen vor eventuellen Blutergüssen.
Bei langen Fahrten sollten die Tiere ihren Kopf und ihren Hals frei bewegen können, so dass sie den Kopf senken können. Mindestens alle sechs bis acht Stunden muss Wasser angeboten werden. Besonders ist auf ausreichendes Trinkwasserangebot zu achten, wenn die Pferde weichen Kot absetzten. Auch sollten die Pferde während des Transportes gefüttert werden, wenn dieser länger dauert.
Die Belüftung von Pferdeanhängern ist auf Fahrtwind angewiesen. Das bedeutet bei längeren Pausen und warmen Temperaturen, dass die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit im Innern des Anhängers stark ansteigen. Ist dies der Fall müssen die Pferde abgeladen werden, wie auch sofort nach Erreichen des Fahrtziels. Wichtig ist eine gute Beobachtung der Pferde in den Tagen nach dem Transport, damit bei ersten Auftreten von Krankheitsanzeichen sofort ein Tierarzt konsultiert werden kann.
