
- Segelreise mit Skipper und Trauerbegleiterin: - Bärbel-Sievers-Schaarschmidt
Im ersten Augenblick stutzt man: Trauern und Urlaub machen – wer kommt denn auf so etwas? Um jemanden trauern, weil er gestorben ist, weil er einen verlassen und allein zurückgelassen hat, das passt nicht so recht zu dem, was wir mit dem Konzept „Urlaub“ verbinden: Spaß haben, sich erholen, abschalten, genießen.
Und trotzdem wird schnell klar, welche Bedeutung Urlaub besonders für die Menschen haben kann, deren Leben mit dem Tod eines geliebten Menschen so massiv aus den Fugen geraten ist: Sie können eine Auszeit nehmen, kommen zur Ruhe, können Gedanken ordnen, Gefühle zulassen, entspannen nach langer Anspannung, Kraft tanken, Neues und neue Menschen kennen lernen und nach langer Zeit auch mal wieder lachen und so einen Weg zurückfinden ins Leben.
Wendepunkte und neue Horizonte
Schicksalsschläge wie der Tod von Angehörigen und Partnern stellen sich im Rückblick oft als Wendepunkte im eigenen Leben dar. Und so fügt sich für die Betreiberin von „Wendepunkte - Segelreisen für Trauernde“ Bärbel Sievers-Schaarschmidt - logisch zusammen, was zusammengehört. „Reisen öffnet Horizonte, Segeln macht den Kopf frei für klares Denken. Das Leben an Bord ist hingegen ein geschützter Raum, alle sitzen in einem Boot, die Gruppe stärkt, gibt Halt, fängt auf.“
Seit 2003 bietet die Sozialpädagogin, erfahrene Trauerbegleiterin und begeisterte Seglerin Segeltörns mit Skipper im Mittelmeer, Hausboot-Touren auf der Müritz oder Gruppenurlaub auf Fuerteventura – immer mit psychosozialer Betreuung. „Unsere unterschiedlichen Angebote haben sich entwickelt nach Kundenwunsch – nicht jeder ist der geborene Segler.
Ob an Bord oder an Land, die kleine Reisegruppe verbindet eine gemeinsame Erfahrung. „Niemand muss hier seine Trauer und deren Ausformungen erklären, alle teilen diese Verlusterfahrung. Denn durch den Tod des Partners oder der Partnerin gehen auch viele andere Kontakte verloren oder Fähigkeiten und Möglichkeiten, Lebensentwürfe und Pläne. Das Verstehen ist einfach groß bei allen und geschieht oft ganz ohne Worte.“ Außer während der vormittags stattfindenden Gesprächsrunden, in denen jedes Thema auf den Tisch kommen darf und wo oft zum ersten Mal ausgesprochen wird, was man sich selbst vielleicht nicht eingestehen konnte oder was Außenstehende kaum begreifen würden. „Den Rest des Tages verbringen wir dann mit Schwimmen, Schnorcheln, Sonnen, Lesen, Kochen oder Essen gehen, mit Gesprächen oder Ruhe für sich allein und mit allem, wozu die Gäste Lust haben und was Natur und Wetter uns ermöglichen“.
Normal-Urlaub ist für Trauernde fast unmöglich
Einen Urlaub mit der Familie oder mit Freunden oder Pauschalurlaub in einer Reisegruppe oder allein bedeutet für Trauernde oft das Gegenteil von Erholung: Um den Mitreisenden die Stimmung nicht zu verderben, reißt man sich permanent zusammen. Die Ausgelassenheit und Fröhlichkeit der anderen ist jedoch kaum zu ertragen, macht noch einsamer, deprimiert und erzeugt das Gefühl, das fünfte Rad am Wagen zu sein oder nur zur Last zu fallen.
Den richtigen Zeitpunkt sieht die erfahrene Trauerbegleiterin gekommen, wenn die Trauernden aufhören, nur nach hinten zu schauen und in Ihrer Erinnerung zu leben. „Erst ungefähr sechs Monate nach dem Todesfall beginnen die Betroffenen sich mit der Frage zu beschäftigen: Wie will ich mein Leben jetzt ohne meinen Partner oder meine Partnerin gestalten?“ Wenn sich dann Trauernde bei ihr melden, dann klärt die Hamburgerin in einem ausführlichen Einzelgespräch, ob das Angebot und die Ideen der Gäste übereinstimmen, die körperlichen Voraussetzungen gegeben sind – die älteste Teilnehmerin war 72 Jahre alt – oder ob die Interessierten bereits Gruppenerfahrungen haben.
Kontakte, Gespräche und Freundschaften haben heilende Wirkung
Sechs Wochen vor dem Reiseantritt lernen sich die Mitreisenden bei einem Vorbereitungstreffen kennen, werden Infos ausgetauscht und alle offenen Fragen geklärt, Kontakte geknüpft und schon Teams gebildet, die zum Beispiel an Bord später zusammen kochen. „Aus manchen Kontakten haben sich Freundschaften zwischen unseren Gästen entwickelt. Bis jetzt aber haben wir feststellen können, dass sich überwiegend Frauen „trauen“, sich auf diese Abenteuer einzulassen.“
Was diese Art von betreutem Urlaub von normalen Urlaubsangeboten unterscheidet, ist das Nachbereitungstreffen der ganzen Gruppe und die Möglichkeit weiterhin Einzelgespräche mit Bärbel Sievers-Schaarschmidt zu führen.
Ähnliche Angebote für Urlaube mit Trauerbegleitung haben Anbieter wie „Regen Bogen Reisen“ und „Trau-Dich-Reisen“ entwickelt - zu finden mit dem Suchbegriff Trauerreisen.
Dass sie das Richtige tut, wird der segelnden Trauerexpertin dann bewusst, wenn sich ihre Gäste mit Sätzen wie diesem verabschieden: „In guter Erinnerung bleibt mir das rücksichtsvolle Miteinander und die Fröhlichkeit, die liebevolle Betreuung, es war selten gedrückte Stimmung an Bord."
