Trauma

Wunden des Lebens

Misshandlungen, Katastrophen, Verluste. Traumatische Ereignisse bedrohen das Leben und versetzen die Betroffenen in extreme Hilflosigkeit und Angst.

In unserer Alltagssprache bezeichnen wir schnell ein Ereignis oder eine Situation als traumatisierend. Doch oft wird dieser Begriff nicht richtig angewendet. Manchmal stürzt uns die fehlende Milch für den Kaffee in eine Krise oder das lange Parkplatz suchen löst angeblich ein Trauma aus. Wenn man vom psychischen Trauma (es gibt den Begriff Trauma auch in der Medizin – die Lehre der Verletzungsarten und ihre Behandlung nennt man Traumatologie) spricht, meint man ein tiefgreifendes Erlebnis, das über den normalen Rahmen menschlicher Erfahrungen hinausgeht und die seelischen und biologischen Bewältigungsmechanismen des Menschen überfordert.

Der Ausdruck Trauma kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt Wunde.

Menschen, die Traumatisierungen erlebt haben, beschreiben diese Zustände folgendermaßen: „Ich fühle keinen Boden mehr.“ „Ich glaube an nichts und niemanden mehr." „Plötzlich war die Welt ohne Farben.“ „Ich bin tot, obwohl ich lebe.“

Wie wirkt sich ein Trauma aus?

Traumatische Erlebnisse verbannt man zumeist aus seinem Bewusstsein – das ist eine normale Reaktion. Oft auch eine Überlebensstrategie. Jedoch lassen sie sich auf Dauer nicht einfach vergessen und begraben. Die Störung entwickelt sich charakteristisch nicht sofort nach dem traumatischen Erlebnis, sondern erst Wochen bis Monate später.

Menschen empfinden neben der außerordentlich negativen Belastung, ein Gefühl des Ausgeliefertseins. Alles was sicher schien, oder Sicherheit gab, löst sich auf.

Werden Traumata nicht verarbeitet, leiden die Betroffenen oft ihr Leben lang unter der Last der Erinnerungen, von denen sie immer wieder überschwemmt werden. Die Folgen sind Schlafstörungen, Alpträume, Ängste, Depressionen, Panikattacken und erhebliche Einschränkungen im Alltag. Diese Symptome sind Ausdruck einer posttraumatischen Belastungsstörung. Dieses klassifizierte Störungsbild tritt nach traumatischen Erlebnissen auf.

Welche Auslöser für ein Trauma gibt es?

Die Auslöser für ein Trauma können unterschiedlich sein. Physische, kriminelle und besonders sexuelle Gewalt, Unfälle, bedrohliche Krankheiten, schwere Verlusterlebnisse, Katastrophen, Folter und Gefangenschaft sind die am häufigsten genannten Ursachen. Bei Kindern betrachtet man Kindesmisshandlungen, sexuelle Gewalt gegen Kinder, erhebliche emotionale und/oder körperliche Vernachlässigung, Verlust eines oder beider Elternteile, lebensbedrohliche Gewalterfahrung innerhalb der Familie oder schwere Kinderkrankheiten als Kindheitstraumata. Diese in der Kindheit erlebten traumatischen Ereignisse können sich, wenn sie unbehandelt sind, auch noch im Erwachsenenalter in Form schwerer gesundheitlicher Schäden äußern.

Wie kann man eine posttraumatische Belastungsreaktion behandeln?

Die Konfrontation mit dem traumatischen Erlebnis ist sehr schwierig und schmerzvoll. Man hat das Gefühl eine Wunde aufzureißen, aber gerade dies ist meist notwendig um den Heilungsprozess in Gang zu bringen.

Hat man das Gefühl, dass man neben den eigenen Strategien noch mehr an Unterstützung braucht, sollte man sich professionelle Hilfe holen. In der Therapie ist es am wichtigsten zuallererst die Sicherheit des Betroffenen wiederherzustellen, und ihm zu helfen die Kontrolle über sich und sein Leben wiederzuerlangen. Erst dann kann mit dem Wiedererinnerungsprozess begonnen werden. Man durchlebt die erlebten Schrecken aus einer Distanz und in Sicherheit noch einmal, mit der Möglichkeit jederzeit auszusteigen. Zu dieser Stufe gehört auch die Trauer um Verlorenes. Das traumatische Erlebnis aus dem Leben zu streichen ist leider nicht möglich. Doch man lernt mit Hilfe verschiedener Strategien mit dem Erlebten fertig zu werden.

Tanja Guserl, Tanja Guserl

Tanja Guserl - Nach meinem Psychologiestudium an der Hauptuniversität Wien, absolvierte ich Zusatzausbildungen zur Klinischen Psychologin und ...

rss