
- Wasserfall - Dörthe Huth
Träume übten schon immer eine große Faszination auf die Menschen aus. In den unterschiedlichen Traditionen galt der Traum als Medium, über das der Schlafende göttliche Botschaften empfing. Die Traumdeutung war in vielen Kulturen eine hohe Kunst, die nur Eingeweihten vorbehalten war.
Noch immer sind viele Menschen von der Traumwelt fasziniert. Durch Bücher, Kurse und Traum-Experten kann jeder lernen, die Botschaften seiner Träume zu entschlüsseln.
Man muss sich allerdings mit den Träumen beschäftigen, um die Traumsprache zu verstehen.
Die Traumarbeit ist ein wertvolles Werkzeug, um das Tagesbewusstsein zu ordnen, sich neu zu orientieren und die Persönlichkeit zu fördern.
Neuordnung im Schlaf
Etwa ein Drittel unseres Lebens verschlafen wir. Wir brauchen diese Ruhephase zur Erholung und zur Regeneration. Aus wissenschaftlicher Sicht ist der Schlaf erst einmal ein Ruhezustand mit niedriger Muskelspannung, in dem nur eine minimale Reizverarbeitung stattfindet und eine geringe Interaktion mit der Umwelt. Einen Teil des Schlafes verbringen wir mit unseren Träumen.
Jeder Mensch träumt, selbst diejenigen, die sich an ihre Träume nicht erinnern können. Unsere Traumphasen können sogar gemessen werden.
Träume erscheinen uns nicht selten wirr, irritierend oder rätselhaft. Wir begegnen im Traum einer Welt, die sich der bewussten, willentlichen Steuerung weitgehend entzieht. Manchmal tritt uns unser inneres Erleben dabei als fremder Trauminhalt gegenüber.
In unseren Träumen laufen Verarbeitungsprozesse unseres Tagesgeschehens ab, die unsere Seele nachbearbeiten, neu organisieren oder auf Neues vorbereiten. Träume sind wichtige Wegbegleiter unseres Selbst.
Der Traum als Kommunikationsmittel mit dem Unbewussten
Während wir schlafen, ist unser Tagesbewusstsein und die damit einhergehende Ratio weitgehend ausgeschaltet. Unser inneres Bewertungssystem, das besagt, was wir uns erlauben dürfen oder was man nicht einmal denken darf, wird während des Schlafens deaktiviert. Das Unbewusste erhält nun eine große Spielwiese und darf sich darauf austoben. Es bearbeitet weiterhin die Dinge, die für unser Leben bedeutsam sind. Einerseits geht es um Vorkommnisse unseres Alltagsgeschehens, mit denen wir uns intensiv beschäftigen. Andererseits bekommt hier Verdrängtes seinen Raum: Dinge, für die man sich bisher vielleicht keine Zeit genommen hat, mit denen man sich eigentlich gar nicht auseinandersetzen will, weil man noch keine Lösung dafür finden konnte, weil es einem zu konfliktträchtig oder bedrohlich erscheint oder die das Bewertungssystem einfach ausgeschaltet hat, weil man so etwas gar nicht „darf“.
Das Unbewusste arbeitet also sozusagen im Schlaf für uns und bearbeitet die inneren Konflikte auf eine völlig andere Weise als das Tagesbewusstsein. In unseren Träumen werden persönliche Fragen gewälzt, das persönliche Lebens-Chaos geordnet und zum Teil sogar Lösungen gezeigt. Es geschieht also eine Kommunikation während der Körper ruht.
Innere Bilder als persönliche Leinwand
Das Unbewusste arbeitet mit inneren Bildern, es zeigt uns sozusagen in einem persönlichen Kino, was momentan für uns anstehen könnte.
Anders als bei der Traumdeutung, ist der Träumende bei der Traumarbeit sein eigener Experte. Bei der Traumarbeit beschäftigt man sich mit den Bezügen zwischen den eigenen Träumen und der eigenen Lebenswirklichkeit. Bilder und Trauminhalte werden selbst interpretiert und erhalten so ihre ganz individuelle Symbolik für den Einzelnen.
Nicht jeder Traum muss bis ins Detail verstanden werden. Sicherlich ziehen in der Nacht auch Bilder an uns vorbei, die wir irgendwo aufgeschnappt oder vielleicht ganz neu zusammengesetzt haben, ohne dass sie wirklich in einer Beziehung zu uns stehen.
Wichtig ist also einzig und allein die Botschaft, die der Träumende seinem Traum entnimmt. Dazu kann man beispielsweise mit einem Traumtagebuch arbeiten.
Die Entschlüsselung der eigenen Träume ist für einen Laien nicht ganz einfach, so dass eine Anleitung durch einen begleitenden Kurs oder einen Therapeuten eine wertvolle Unterstützung sein kann.
Traumarbeit – die Botschaft selbst entschlüsseln
Die Bedeutung vieler Träume erschließt sich nicht sofort sondern erst auf den zweiten Blick, indem die Bezüge zur Persönlichkeit des Träumers hergestellt werden, zu dessen individuellen Wünschen, nicht gelebten Anteilen und Lebensinhalten, die er sich vielleicht selbst verbietet.
Man benötigt dazu keinen ganzen Traum-Film, manchmal reichen nur ein Paar Traumelemente, um den aktuellen Traumbotschaft zu verstehen.
Allein die Beschäftigung mit den inneren Bildern und die Beziehung zur aktuellen Lebenssituation fördert ein besseres Verständnis für sich selbst, löst innere Begrenzungen auf und stärkt uns für den Alltag!
Häufig entsteht gerade daraus eine interessante Arbeit. Unterdrückte Persönlichkeitsanteile, Begabungen und Interessen bahnen sich nicht selten über die Traumarbeit ihren Weg in die Alltagsrealität. Sie melden sich so lange auf unterschiedlichste Weise zu Wort, bis sie gehört werden. Träume sagen uns auf ihre Weise, dass wir unser Leben wieder mehr ins Gleichgewicht bringen sollen. Sie wollen uns Mut machen, Teile unseres Selbst zu leben, die bisher nicht so recht zum Zug kamen.
Literaturhinweise
Dieter Schnocks: Was unsere Träume uns sagen wollen. Herder 2007.
Klaus Uwe Adam: Therapeutisches Arbeiten mit Träumen. Springer 2005.
Klausbernd Vollamar und Konrad Lenz: Kurs in Traumdeutung. Königsfurt 2005.
