
- Auf der Suche nach Verborgenem - Andrea Weber
Zur Person Wolfram Weiße muss man nicht viel sagen. Nur soviel zur Erinnerung: Er ist Kulturpreisträger der Stadt Geretsried, er ist Tassilo-Preisträger der SZ, er war der Kopf des Kulturherbstes in Geretsried, er war Kunstlehrer am örtlichen Gymnasium und ist bekannt für seine expressionistischen Kurzfilme. Dass er auch ein hervorragender Maler ist, blieb bisher im Hintergrund verborgen. Erst jetzt nach vierzig Jahren kramte Wolfram Weiße Pinsel und Farbe wieder hervor. Jetzt, in der „Lebensphase der späten Freiheit“, wie der Künstler seine Altersruhe galant umschreibt, hat er wieder Zeit und Muse für seine künstlerischen Wurzeln gefunden.
Von Austausch und Kommunikation lebt die Kunst
Wie zu erwarten war es gut voll in der kleinen Galerie im Schwankl-Eck in Wolfratshausen, als der Künstler Ende Februar zur Vernissage einlud. Keine lange Rede sollte die Gäste ermüden, nur eine Botschaft war Weiße wichtig. „Ich wünsche mir, dass bei meiner Ausstellung Austausch und Kommunikation entsteht, denn davon lebt die Kunst.“ Alles andere, was hätte gesagt werden können, übermittelte der Künstler über seinen Kurzfilm von 2009 „Spiegel der Zeit“. Die gut vier Minuten Filmimpression, aus expressiven Detailaufnahmen eines Bootsfracks, flirrendem Sonnenlicht auf der endlosen Weite des Meeres bis zum Horizont, war eine gelungene Überleitung auf die zentrale Thematik seiner Malerei. Denn auch auf ihnen führt Weiße den Betrachter über Umwege schließlich hin zum Horizont, und wer will, sogar noch viel weiter. Es sind surreale Reisen durch Raum und Zeit, die der Künstler mit einer ungewöhnlich schönen Farbharmonie und Formkomposition zum Ausdruck bringt.
Stufe um Stufe leitet der Künstler den Betrachter durch seine künstlerische Formenwelt
Man beginnt quasi mit der Suche im Verborgenen, denn Wolfram Weiße führt einen gerne über eine hölzerne Schublade mit einem alten Kommodengriff ins Bild. Aus ihr heraus quellen surreale, kubische, abstrakte Dinge. Diese Schublade wiederum hängt an einer Unterwelt, die wiederum ist in eine Überwelt integriert. Stufe um Stufe verleitet der Künstler mit seiner surrealen Formenwelt den Betrachter zur detektivischen Suche im eigenen Inneren. „Ich wünsche mir von Ihnen Entdeckungsmut“, spornte Weiße an. Wer danach gedanklich zurück in die Realität kehrt und pragmatisch weiter durchs Motiv stöbert, wird am Ende auf ein Schiff am Horizont stoßen. „Es sind raumzeitliche Erinnerungen, wie Traumbilder, die nur durch Assoziationen zu erforschen sind“, erklärt Wolfram Weiße seine Intention. Ebenso assoziativ sind acht filigrane Tuschezeichnungen aus den Sechzigerjahren, die zwischen den neuen Acrylarbeiten hängen. Wie auf seiner Malerei sind auch auf ihnen Erinnerungen verborgen. Diese kleinen Bilder schlagen die Brücke vom Früh- zum Spätwerk des Künstlers und sind damit ein unverzichtbarer Bestandteil auf seiner ersten kleinen Kunstausstellung nach 40 Jahren.
