Traurige Zwischenbilanz der UN-Millenniumsziele lässt bangen

Deine Stimme gegen Armut - VENRO
Deine Stimme gegen Armut - VENRO
Im Vorfeld des UN-Millenniumsgipfels im September 2010 werden "Stimmen gegen Armut" laut, damit sich die Bundesregierung für die Zielerreichung einsetzt.

Im Jahr 2000 wurden acht Millenniumsentwicklungsziele auf der Weltebene der Vereinten Nationen (UN) ins Leben gerufen. Seit 2005 sorgt eine UN-Millenniumskampagne in über fünfzig Ländern dafür, dass diese acht Millenniumsziele nicht in Vergessenheit geraten und in den Medien und Köpfen präsent sind. Denn nur wenn die Öffentlichkeit die weltweiten Probleme stetig benennt und kritisiert, werden Staatschefs und Regierungen dazu bewegt, die Weichen für die Umsetzung der Millenniumsziele zu stellen und beizubehalten. Auch die Aktion „Deine Stimme gegen Armut“ als deutsche Plattform einer internationalen Kampagne gegen Armut konnte durch Konzerte mit prominenten Musikerinnen, Sängern und Bands große Aufmerksamkeit auf das Millenniumsziel der Armutsbekämpfung lenken und die Bundesregierung zeitweise aufrütteln. Aber leider stirbt im Jahr 2010 immer noch alle drei Sekunden mit jedem Fingerschnippen ein Kind an den Folgen extremer Armut, schlägt die Aktion auf ihren Internetseiten Alarm.

Welche sind die acht UN-Millenniumsziele für eine bessere Welt?

Als sich die Staatsoberhäupter und Regierungschefs von 189 Staaten vom 6. bis 8. September 2000 beim Millenniumsgipfel in New York auf die Millenniumserklärung der Vereinten Nationen einigten, bekannten sie sich damit zu den sogenannten Millenniumszielen. Diese hatte der damalige UN-Generalsekretär Kofi Annan in seinem Millenniumsbericht „Wir, die Völker: Die Rolle der Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert“ vorgeschlagen. Hierzu zählen

  1. die Halbierung der Armen, die von weniger als einem US-Dollar täglich überleben sowie der Hungernden weltweit,
  2. die allgemeine Grundschulbildung für alle,
  3. die Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frauen,
  4. die Senkung der Kindersterblichkeit,
  5. die Verbesserung der Entbindungsbedingungen und Gesundheit von Schwangeren und Müttern,
  6. die Krankheitsbekämpfung von HIV / AIDS, Malaria, Tuberkulose und anderen,
  7. die Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit und
  8. der Aufbau einer globalen Entwicklungspartnerschaft.

Als angestrebter Zeitpunkt der Zielerreichung wurde das Jahr 2015 festgelegt.

Zwischenbilanz 2009 lässt für UN-Millenniumsgipfel 2010 nichts Gutes erwarten

Vom 20. bis 22. September 2010 wird ein weiterer UN-Millenniumsgipfel in New York abgehalten, um Zwischenbilanz zehn Jahre nachdem die weltweiten Entwicklungsziele aufgestellt wurden und fünf Jahre bevor sie erreicht sein wollen, zu ziehen. Auf Wunsch der UN-Generalversammlung werden regelmäßig Fortschrittsbewertungen zur Verwirklichung der Ziele anhand Indikatoren vorgenommen. Im Bericht von 2009 heißt es, die Realisierung der Ziele käme zu schleppend voran. Als Bremsklotz wurde die Globale Wirtschafts- und Finanzkrise gesehen, weil sie die im Jahr 2000 abgegebenen Zusagen in punkto Entwicklungshilfe zu untergraben vermögen. Die Fortschritte im Kampf gegen Armut und Hunger wurden unterbrochen und verlangsamten sich, denn noch mehr Menschen wurden in die extreme Armut gerissen, statt dass Armen aus der Not geholfen werden konnte. In der Vergangenheit erzielte, leichte Fortschritte bei der Kinderernährung drohten durch hohe Lebensmittelpreise aufgrund der Weltwirtschaftslage, wieder zunichte gemacht zu werden. Die Zahl der sogenannten Erwerbsarmen, die trotz Erwerbstätigkeit die Armutsgrenze von 1,25 US-Dollar pro Tag nicht überschreiten können, hatte zugenommen.

Rückschläge durch Wirtschafts- und Klimakrise und möglicherweise FIFA-WM

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon appellierte, die Wiederherstellung der Wirtschaftskraft durch bewusste Entscheidungen und konstruktive Maßnahmen als Chance für eine gerechte und nachhaltige Zukunft zu nutzen. Ein weiteres Hindernis bei der bisherigen Umsetzung der Ziele war die Klimakrise. Treibhausgasemissionen stiegen in entwickelten wie auch in Entwicklungsregionen an. Hinsichtlich des anthropogenen Klimawandels schlug vor allem der weltweite Waldverlust zu Buche. Auch die Ergebnisse der internationalen Klimakonferenz vom 7. bis 18. Dezember 2009 in Kopenhagen blieben weit hinter den Erwartungen zurück.

Beide, Wirtschafts- und Klimakrise trafen besonders gravierend die armen und instabilen Länder. Die Hälfte der armen Länder, die die Millenniumsziele nach Auffassung der Welthungerhilfe bis 2015 nicht erreichen werden, liegen in afrikanischen Gebieten südlich der Sahara. Nach der FIFA-Fußball-WM fürchten arme Südafrikaner der Townships zudem die negativen finanziellen Folgen des kurzzeitigen Großereignisses, denn es ist fraglich wie die Stadien in Zukunft unterhalten werden sollen, berichtete die Welthungerhilfe in ihrer Zeitung „Welternährung“ (2. Quartal 2010). Staatszuschüsse würden zu Lasten anderer Hilfen gehen.

Chance nutzen und verbleibende fünf Jahre nachhaltig entwickeln

Positive Entwicklungen waren bis zum Jahr 2009 laut UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon die rückläufige Zahl der HIV-Neuinfektionen. Auch Malaria und Masern, zwei Krankheiten, denen viele Kinder zum Opfer fielen, können nun wirksamer bekämpft werden. Das Ziel, allen Kindern der Welt eine Grundschulbildung zu ermöglichen, hat vage Aussichten auf Erfolg, aber wahrscheinlich noch nicht bis zum Zieljahr 2015. Die Qualität des Trinkwassers konnte sich weltweit verbessern, ist aber lokal zum Teil noch lebensgefährlich verschmutzt.

Ob sich die schlechten und wenigen guten Entwicklungstendenzen im Jahr 2010 fortgesetzt oder gewandelt haben, darüber wird der Millenniumsgipfel im Spätsommer Aufschluss geben. Auch werden die Karten für die Zukunft der Millenniumsziele für die Zeit zwischen 2010 und 2015 neu gemischt. Wird sich die Weltentwicklung wieder in Richtung Erreichung der Millenniumsziele bis 2015 wenden können? Die Aktion "Deine Stimme gegen Armut" des Verbandes Entwicklungspolitik deutscher Nichtregierungsorganisationen e.V. fordert die deutsche Bundesregierung auf, einen Aktionsplan für die verbleibenden fünf Jahre aufzustellen und erarbeitete dazu eine Empfehlung mit dem Titel "5 vor 2015".

Alles in Allem gilt es, am Erreichten mit starkem politischen Willen anzuknüpfen, denn die Millenniumserklärung von 2000 gibt bis 2015 die Möglichkeit, der Chancengleichheit und Verteilungsgerechtigkeit zwischen allen Menschen partnerschaftlich etwas näher zu kommen und die Schere zwischen Armen und Reichen auf der Erde ein Stück zu schließen. Darauf aufbauend ließe sich wiederum die Entwicklung der Bildung, Weltgesundheit und Umweltökologie auf nachhaltigen Wegen im Sinne der Agenda 21 sinnvoll weiterführen.

Gundula Klaemt - Liebe Leserinnen und Leser, als universitärer Master of Science (M.Sc., früher Dipl.-Ing.) in "Umweltschutz" interessieren ...

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