Trendsport? - Die brasilianische Kampfkunst Capoeira

Capoeiraspiel - Stefanie Stockem
Capoeiraspiel - Stefanie Stockem
Capoeira ist eine brasilianische Kampf-Tanz-Kunst und entstand zur Zeit des Sklavenhandels. Heute werden flächendeckend auch in Deutschland Kurse angeboten.

„Capoeira? Was soll das denn sein?“ fragen sich die meisten, die zum ersten Mal von dieser Sportart hören. Und die Definition ist nicht so einfach: „eine aus bestimmten perfekt ausgeführten Rhythmen und Bewegungen bestehende Kampfkunst“. Das trifft zwar zu, lässt aber die unverzichtbaren Elemente wie Musik und Gesang außer Acht. Aber selbst damit ist Capoeira noch unzureichend beschrieben.

Muskelkater und blaue Flecken

Für die meisten nicht-brasilianischen Capoeiraschüler sind das Zusammengehörigkeitsgefühl das die Capoeiristas, Instruktoren und Professoren vermitteln und die unvergleichlichen Einblicke in die uns fremde Kultur einer der Hauptgründe, warum sie gerade diesen exotischen und noch recht unbekannten Sport ausüben. Das Gefühl, sich nach anderthalb Stunden Training wirklich einmal körperlich angestrengt zu haben – nicht wie bei einer Aerobiceinheit oder ähnlichem - und die Fortschritte, die man automatisch in Geschicklichkeit oder Akrobatik macht, sind eher positive Nebeneffekte. Muskelkater und ein paar blauen Flecken sollte jedoch keiner scheuen, der Capoeira einmal ausprobieren will. Auch Blasen sind dam Anfang normal, da immer barfuss trainiert und gespielt wird.

Ein neues Körperbewusstsein

Trotzdem ist Capoeira ein Sport für Jedermann und -frau, da Beweglichkeit, Koordination und Kondition gleichermaßen verbessert werden. Außer dem neuen Körperbewusstsein, das man erhält, bekommt man auch viel von der fröhlichen Mentalität der Brasilianer mit und wird schnell davon angesteckt. Nach dem Training fühlt man sich zwar ausgepowert, aber trotzdem total wohl und irgendwie befreit, man vergisst den Alltagstress.

Verruchtes Image

Capoeira als Kampfsportart entstand bereits zur Zeit des Sklavenhandels, in welcher schwarze Sklaven aus Afrika diese als Mittel zur Selbstverteidigung oder auch als Spiel anwandten, um sich von der unmenschlichen Arbeit abzulenken. Zu dieser Zeit wurde die Capoeira aber auch verboten, da sie unter den Sklaven ein Zusammengehörigkeitsgefühl auslöste, was den Sklavenhaltern zu gefährlich wurde. In den folgenden Jahren wurde die Capoeira oft von Kriminellen ausgeübt und erhielt ein verruchtes Image.

Capoeira Regional

Die heutige Capoeira unterscheidet sich jedoch stark von dieser Form des Kampfsportes. Ein berühmter Capoeirista, Mestre Bimba, entwickelte im letzten Jahrhundert den neuen Stil „Capoeira Regional“, der sich durch mehr Kampfgeist, neue Tritte und Würfe auszeichnet. Erkennungsmerkmale der Capoeira sind seit dem nicht nur die „Roda“, ein Kreis den die Capoeiraspieler um jeweils zwei Kämpfer bilden, sondern auch die unverwechselbare Musik, die sich aus rhythmischem Klatschen, Singen und dem Spiel typischer Musikinstrumente zusammensetzt. Diese Instrumente sind das Berimbau, ein Perkussionsinstrument, eine kongaähnliche Trommel (Atabaque) und das Schellentamburin (Pandero).

Instrumente und Lieder

Die Charakteristik des jeweiligen Capoeiraspiels, ob langsam mit viel Akrobatik oder schnell mit vielen Tritten, hängt von Rhythmus ab, den der Spieler mit dem Berimbau vorgibt. Zum Training gehört daher meist auch das Erlernen der Instrumente und Capoeiralieder. Ebenso ist es ein Ziel der Capoeiralehrer, etwas von ihrem Wissen über die Capoeira an die Schüler weiterzugeben und so bekommt man das Gefühl, mehr als nur stur Sport zu treiben. Außerdem lernt man sogar ein wenig portugiesisch, denn zumindest die Namen der Bewegungen und Tritte kennt man nach einiger Zeit auswendig.

Spitznamen

Ähnlich wie beim Judo gibt es auch verschiedene Leistungsstufen, die durch farbige Cordas (Kordeln) gekennzeichnet werden. Zu den Kordelverleihungen (Batizados) treffen sich regelmäßig Lehrer und Schüler aus vielen verschiedenen Ländern, um miteinander Capoeira zu spielen oder sich einfach zu unterhalten. Traditionsgemäß bekommt jeder Capoeirista mit der Zeit oder bei seinem ersten Batizado einen portugiesischen Spitznamen, der eine spezifische Eigenschaft desjenigen ausdrückt.