Trentiner Weine - viele autochthone Sorten

Pergola - typische Trentiner Rebenzucht - Joujou / pixelio.de
Pergola - typische Trentiner Rebenzucht - Joujou / pixelio.de
Neben den international üblichen Sorten produzieren die Winzer rund um Trient Wein aus Rebsorten, deren Ursprünge bis vor die Zeitenwende zurückreichen.

Trient liegt so nahe an Deutschland, dass es zu früh ist für einen Zwischenstopp und die meisten Urlauber daran vorbeifahren auf ihrem Weg in den Süden. Und den Weinfeldern wird ein Blick aus dem Autofenster gegönnt. Dabei lohnte es sich anzuhalten. Zwar tragen die Trentiner Winzer gerade einmal zwei Prozent zur italienischen Weinproduktion bei; aber fünf Prozent der DOC-Weine stammen aus der Provinz.

Ein antikes Erbe an Rebsorten

Der Weinbau im Trentino lässt sich bis in die Zeit der Etrusker zurückverfolgen. Die kaum bekannten Rebsorten Marzemino, Teroldego und Enantio als roter, Nosiola als weißer Wein sind autochthone Sorten, die es praktisch nur in dieser Gegend gibt. Und erst recht unbekannt sind archäologische Raritäten wie Groppello und Negrara, die erst in jüngster Zeit von geschichtsbewussten Önologen wiederentdeckt worden sind. Hinzu kommen der Lagrein und der Schiava, die allerdings nicht nur im Trentino angebaut werden.

Ein einzigartiger Weißwein aus dem Sarca-Tal

Im „Valle dei Laghi“ am unteren Sarca wird die weiße Nosiola-Traube angebaut. Ihren Namen verdankt sie dem an Haselnüsse (nocciola) erinnernden Geschmack. Neben Weißwein und Grappa wird ein ganz spezieller Süßwein daraus hergestellt: der „Vino Santo“.

Er verdankt seinen Namen, santo - heilig, der Tatsache, dass die Trauben traditionell in der Karwoche gekeltert werden. Zuvor sind die Trauben nach der Ernte auf luftigen Holzgraten getrocknet worden. Der Ursprung der Rebsorte ist unbekannt; die früheste Dokumentation stammt aus der Zeit des Trentiner Konzils. Das Zentrum liegt rund um den See von Santa Massenza: Padergnone für den Vino Santo und der Ort Santa Massenza für den Weißwein und den Grappa.

Zwei ganz besondere Rotweine

Für die originären lokalen Rotweine stehen an erster Stelle zwei Reben: Teroldego und Marzemino.

Der Piano Rotaliano - eine Hochebene zwischen Mezzocorona und Mezzolombardo, wenige Kilometer nördlich von Trient, ist seit Jahrhunderten der Ort - und der einzige Ort auf der Welt -, wo der Teroldego angebaut wird. Er ergibt einen charakterstarken, fruchtigen Rotwein, der seit einigen Jahren auch als Vino Novello - die italienische Version des Primeur - angeboten wird.

Der Marzemino ist ein frischer Wein von intensivem Rot, der nördlich des Gardasees, im Vallagarina, angebaut wird. Mozart lässt ihn in seinem „Don Giovanni“ besingen.Die Etrusker brachten ihn zwischen 1500 und 1000 v.u.Z. ins Trentino. Im 16. Jahrhundert war er einer der empfohlenen Weine der Republik Venedig und wurde zu Beginn der offiziellen Mittagessen der Serenissima serviert.

Traditionell auch mit internationalen Reben

Neben den autochthonen Trauben werden als Rotweine Cabernet, Merlot und Rotburgunder angebaut; als weiße vor allem Chardonnay, Weißburgunder und Sauvignon. Und Müller-Thurgau, der auf den Böden des Trentino einen besonders guten Wein ergibt.

Zudem werden jedes Jahr zwischen 8 und 9 Millionen Flachen Sekt produziert: 40% der italienischen Spumante-Produktion als Flaschengärung kommt aus dem Trentino. Die Trentiner pflegen als stolzen Spruch die Feststellung, dass „Trentino“ die einzige italienische Provinz ist, die sich auf „Vino“ reimt.

Annemarie Nikolaus, Annemarie Nikolaus

Annemarie Nikolaus - Journalistin und Belletristik-Autorin Studium von Psychologie, Publizistik, Politik und Geschichte. Berufliche Tätigkeiten als ...

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