
- Trinkkur mit Heilwasser durchführen - u.w. / pixelio.de
Obwohl die pharmazeutische Industrie zur Behandlung für fast jede Krankheit und jeden Schmerz ein Medikament zur Verfügung stellt, werden in vielen Kurorten noch immer Trinkkuren mit in den Behandlungsplan aufgenommen. Das gilt besonders für jene Kurorte, in denen Magen- oder Darmbeschwerden, Leiden der Gallenwege, Stoffwechselkrankheiten oder Störungen der ableitenden Harnwege behandelt werden.
Verschiedene Arten von Trinkkuren möglich
Man versteht unter einer Trinkkur das regelmäßige Trinken einer bestimmten Menge eines Heilwassers (Mineralwasser) zu bestimmten Tageszeiten und - je nach Verordnung - mit unterschiedlicher Temperatur. Es werden verschiedene Arten von Trinkkuren unterschieden:
- Die bei jeder Kur vorgeschriebene Trinkkur. Sie ist unabhängig von der Diagnose und der Besonderheit des Heilwassers.
- Spezielle Trinkkuren bei Erkrankungen des Magen-Darm-Kanals, der ableitenden Harnwege und bei Stoffwechselstörungen.
- Haus-Trinkkuren und Daueraufnahme von Mineralwässern, außerhalb von Kurorten, zum Beispiel durch Versandbrunnen.
Trinkkur wirkt auf Magen-Darm-Kanal
Die Wasserzufuhr während einer Trinkkur wirkt direkt auf den Magen-Darm-Kanal. Da es sich dabei um eine mehr oder weniger große Flüssigkeitsaufnahme handelt, werden dabei auch die gesunden Nieren beteiligt. Die Nieren sind unter anderem für die Ausscheidung von Flüssigkeit und überschüssigen Mineralstoffen verantwortlich. Eine Trinkkur beeinflusst alle Organsysteme des Körpers zusammen mit ihrem Stoffwechsel. Trinkwasser mit sehr niedriger osmotischer Konzentration passiert den Magen sehr schnell, wenn es auf nüchternem Magen getrunken wird. Dabei wandern die Carbonat-Ionen sofort, die Chlorid-Ionen langsamer und die Sulfat-Ionen ganz langsam vom Magen in den Darm. Der Magensaft wird durch das Heilwasser verdünnt, dadurch verschiebt sich sein Säurewert. Nachdem das Wasser den Magen passiert hat, wird es im oberen Dünndarmabschnitt rasch von den Darmwänden aufgenommen. Gleichzeitig werden die Verdauungsdrüsen angeregt. Während der Nacht produzieren sie wenig Sekret, beim Aufwachen nimmt die Sekretion zu und wird durch Heilwassergaben rasch verstärkt.
Heilwasser mit Hydrogencarbonat neutralisiert Magensäure
Heilwasser, das Hydrogencarbonat enthält, kann Magensäure neutralisieren. Es beeinflusst die Sekretion von Gastrin, das in bestimmten Zellen der Magenwand gebildet wird. Gastrin ist ein Hormon und mitverantwortlich für die Bildung von Säure und Pepsin im Magen. Durch hydrogencarbonathaltiges Heilwasser wird die Muskelbewegung (Peristaltik) des Magens gehemmt, das erklärt die schmerzlindernde Wirkung bei Magengeschwüren.
Heilwasser wirkt abführend
Wenn im Heilwasser Kalzium und Magnesium vorhanden sind, werden die Bildung von Magensäure angeregt, Krämpfe gelöst und die Galle aktiviert. Sulfat-Ionen werden schwerer resorbiert, sie binden aber im Magen-Darm-Kanal das Wasser, was ihre abführende Wirkung erklärt. Die für eine abführende Wirkung notwendige Dosis hängt davon ab, ob ein betroffener Patient stark an die Einnahme von Abführmitteln gewöhnt ist.
Bei Bluthochdruck nur wenig Heilwasser mit Natriumchlorid trinken
Heilwasser, das reich an Natriumchlorid (Kochsalz) ist, sollte von Menschen mit hohem Blutdruck maßvoll getrunken werden. Wichtig ist bei Kochsalzverlust - beispielsweise durch vermehrtes Schwitzen - den Verlust an Wasser und Natrium auszugleichen. Neben Natrium gehören vor allem Kalium, Kalzium, Phosphor und Magnesium zu den lebensnotwendigen Mineralstoffen.
Heilwasser nicht immer nützlich
Für den menschlichen Organismus ist die Versorgung mit Natrium kein Problem, Mangelzustände von Kalium sind aber oft vorhanden, zum Beispiel als Folge der Einnahme von Abführmitteln. Der Bedarf an Kalium ist beim Menschen sehr hoch, sein Gehalt ist in Heilwasser dagegen sehr gering. Deshalb eignen sich Trinkkuren nicht zur Behandlung von Kalium-Mangelzuständen. Kalzium wird normalerweise durch die Nahrungsaufnahme abgedeckt. Ähnliches gilt für den Bedarf an Phosphor. Anders verhält es sich mit den Bedarf an Magnesium. Durch einseitige Ernährung, Durchfall, Erbrechen oder Nierenkrankheiten kann der Magnesiumspiegel so weit sinken, dass Muskelkrämpfe mit gleichzeitiger Muskelschwäche, Angstzustände, Unruhe und Herzfunktionsstörungen auftreten. Trinkkuren mit Heilwasser, das Magnesium enthält, können nicht nur einen Magnesiummangel verhindern, sondern auch einen bestehenden Mangel ausgleichen.
Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - nicht ersetzen kann.
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