
- Vancouvers Trinkwasser enthält Jod-131 - Maren Beßler / pixelio.de
Starke Westwinde haben radioaktive Partikel aus Fukushima bis in die 11.200 Kilometer entfernte kanadische Stadt Vancouver gebracht und dort das Trinkwasser verseucht. Bereits in der vergangenen Woche hatte eine Forschergruppe um den Nuklearphysiker Krzystof Starosta der Simon-Fraser-Universität aus Vancouver im Regenwasser und in Algen erhöhte Werte von Jod-131 entdeckt. Am 20. März 2011 betrug die Belastung hier 12 Becquerel (Bq) pro Liter. Jetzt sei die Belastung allerdings wieder gesunken. Die Forscher können jedoch nicht zuordnen, ob dies auf niedrigere Werte aus Fukushima zurückzuführen sei oder an der Änderung des Wetters und der Windrichtung liege, erklärte Starosta gestern gegenüber der lokalen Tageszeitung The Vancouver Sun.
Fakt ist, die radioaktiven Partikel sind nun auch ins städtische Trinkwasser gelangt. Vancouver bezieht sein Trinkwasser ausschließlich aus aufgefangenem Schmelz- und Regenwasser und Bachläufen aus den Bergen North Vancouvers. In den drei Talsperren Capilano, Seymour und Coquitlam wird das Wasser angestaut und über Tausende Kilometer lange Leitungen in die Stadt transportiert. Die Filter der Anlagen können zwar Verunreinigung durch Bakterien eindämmen, bieten aber keinen Schutz gegen strahlende Partikel wie Jod oder Cäsium. Dem Wasser werden zur Bekämpfung bakterieller Verunreinigung erhebliche Mengen Chlor beigesetzt. Die gemessenen Radionuklide im Trinkwasser seien dennoch sehr gering und stellten laut Gesundheitsministerium und lokalen Behörde der Provinz British Columbia (BC) keine Bedrohung für die Bevölkerung dar.
Tepco lässt weiter verseuchtes Wasser aus den Reaktoren in den Pazifik leiten
In Japan meldet unterdessen der Energiekonzern Tepco des Unglücksreaktors Fukushima, dass weiter radioaktives Wasser in den Pazifik gepumpt werden muss. Offenbar weiß man nicht, wohin mit dem für die Nuklearruine benötigten Kühlwasser, das unter anderem durch ein Leck in Reaktor 2 stark verseucht immer wieder in den Ozean läuft. Nach Angaben der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo begann Tepco am Montag damit, 11.500 Tonnen Abwasser in den Pazifik abzuleiten. Es handelt sich um 10.000 Tonnen Wasser, das in Behältern angesammelt wurde und um 1.500 Tonnen aus den Reaktoren 5 und 6. "Wir haben keine andere Wahl, als dieses kontaminierte Wasser als Sicherheitsmaßnahme in den Ozean zu leiten", sagte Regierungssprecher Yukio Edano. Es sei nur "leicht verstrahlt", versicherte das Unternehmen. In den nächsten Tagen will der Konzern im Meer Barrieren errichten lassen, um die weitere Ausbreitung radioaktiver Partikel im Pazifik einzudämmen.
British Columbias Milchbauern sind besorgt und fordern staatliche Tests
Außer der Hiobsbotschaft von radioaktiv verseuchtem Regenwasser und Trinkwasser in Vancouver macht der besorgten Bevölkerung auch die Meldung über mögliche erhöhte Strahlenwerte in der Milch zu schaffen. Milchbetriebe aus British Columbia fürchten eine Belastung ihrer Produkte, nachdem im 600 Kilometer entfernten US-Bundesstaat Washington, in Spokane, radioaktives Jod in Milch nachgewiesen wurde. Die amerikanische Lebensmittelbehörde U.S. Food and Drug Administration versicherte jedoch, die Werte seien 5.000 Mal niedriger als gesundheitlich bedenklich. Die Milchbauern aus BC fordern von den staatlichen Gesundheitsbehörden, dass nun auch die kanadische Milch wie in den USA auf radioaktive Isotope getestet wird. Bis Anfang dieser Woche verweigerte die kanadische Behörde für Lebensmittelsicherheit Canadian Food Inspection Agency (CFIA) den Bauern diese Bitte. Mit den Tests wollten die Farmer bei der besorgten Öffentlichkeit Vertrauen in ihre Produkte schaffen, das nun allerdings erheblich gesunken sei. "Es wird keine Tests an unserer Milch geben," sagte noch am vergangenen Freitag die Sprecherin der Behörde, Alice Danjou, ohne nähere Begründung gegenüber der Zeitung The Vancouver Sun. Für den Vorsitzenden der Milchbauern aus BC, Robin Smith, ist die Reaktion völlig unverständlich.
Kanadas Gesundheitsbehörde kündigt flächendeckende Tests in verschiedenen Städten an
Auf ihrer Website zu häufigen Fragen kündigt die Behörde nun doch überraschend Tests von Milchprodukten aus BC an, nachdem Radionuklide im Trinkwasser gefunden worden waren. Die Gesundheitsbehörde Health Canada will zudem die Überwachung und Messung radioaktiver Belastung an allen Stationen in den strategisch wichtigen Punkten und den großen Städten des Landes durchführen. Kanada gehört zu den wenigen Ländern, wo routinemäßig Lebensmittel einmal im Jahr auf radioaktive Belastung getestet werden. Das von einer großen asiatischen Bevölkerungsgruppe besiedelte Kanada importierte im Jahr 2010 für rund 42,6 Millionen Dollar Lebensmittel aus Japan, was 0.3% der gesamten Lebensmittelimporte entspricht.
Quellen und weiterführende Informationen:
- The Vancouver Sun
- CFIA
- Metrovancouver
- Nürnberger Zeitung
- Japanische Nachrichtenagentur Kyodo
