
- Beginn der Rapsblüte Ostern 2011 bei Halle (Saale) - Foto: Gundula Klämt
Wetterstatistiken über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren bilden das Klima ab. Die World Meteorological Organization (WMO) legte so genannte Klimanormalperioden fest. Verglichen werden die Referenzzeiträume 1931-1960 und 1961-1990 sowie 1991-2020.
Kein Wirtschaftszweig ist so sehr an das Klima gebunden, wie die Landwirtschaft
Die Betroffenen des gegenwärtigen Klimawandels sind besonders die Bauern und Landwirtschaftsbetriebe, deren Getreide und Hackfrüchte unter langen Trockenperioden im Frühjahr und Sommer leiden. Wassermangel in den Zeiten des Pflanzenwachstums wirkt als limitierender Faktor auf die Erntemengen und -qualitäten. Das war im Jahr 2010 so und ist im Jahr 2011 wieder so. Für Raps in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein prognostiziert der Fachausschuss Getreide des Deutsche Bauernverbandes (DBV) Ertragsausfälle um die 30 Prozent. Ursache ist das Klima mit den nassen Aussaatbedingungen im vergangenen Herbst, den Spätfrösten im hiesigen Frühjahr und der lang anhaltenden Trockenheit in den Monaten April und Mai 2011. Auch in anderen Teilen Deutschlands und Mitteleuropas bereiten den Landwirten und Freiland-Gärtnern trockene Böden Sorgen. Außer Winterraps sehen die Bestände an Wintergerste und Winterweizen mit jedem Tag ohne Regen immer kritischer aus. Zudem drohen noch Nachtfröste, die jungen Maispflanzen sehr zusetzen und Knospen der Obstbäume und des Weins erfrieren lassen können.
Erdgeschichtliche Klimaschwankungen und anthropogen verursachter Klimawandel
Zu differenzieren sind der „natürliche“ und der „anthropogen verursachte“ Klimawandel. Erdgeschichtlich und prähistorisch „natürliche“ Klimaschwankungen mit dem Merkmal des Wechsels von Kalt- und Warmzeiten wurden durch die Paläoklimatologie anhand wissenschaftlicher Untersuchungen beispielsweise mittels Eisbohrkernen und Dendrochronologie von Klimaarchiven in Gletschern, (Tiefsee-)Sedimenten, Baumringen, aber auch anhand Höhlenmalerei und historischen Aufzeichnungen erforscht. Von dem anthropogenen Klimawandel wird aufgrund Treibhausgas-Emissionen durch menschliches Leben und Wirtschaften gesprochen.
Klimaforschung zur Dynamik der gegenwärtigen Klimaveränderungen
Wissenschaftler der ganzen Welt erforschen - auch in gemeinsamen Gremien, wie dem Interngovernmental Panel on Climate Change (IPCC) - den Klimawandel und versuchen, mögliche Auswirkungen zu modellieren und zu beschreiben. Die Wissenschaft erarbeitete Methoden und Modelle, mit denen der Anteil des Menschen an der Klimaveränderung festgestellt werden kann. Weitere Entwicklungen des Klimawandels lassen sich in Abhängigkeit von der Menge der durch Menschen in die Atmosphäre gelangenden Treibhausgase simulieren. Je mehr Kohlendioxid, Methan, Ozon, Lachgas und Fluorkohlenwasserstoffe entweichen, desto extremer zeigt sich der Klimawandel in Gestalt von länger andauernden Trockenphasen im Wechsel mit Starkniederschlägen, Überschwemmungen und Hochwasserereignissen.
Es wird wärmer und Kohlendioxid reichert sich in der Troposphäre an
Von der Erwärmung sind die Kontinente und der Ozean gleichermaßen betroffen. Die Klimamodellierungen, die den anthropogenen Klimawandel berücksichtigen, zeigen im Gegensatz zum Modell der reinen natürlichen Klimaänderung einen deutlich höheren Temperaturanstieg. Die Dynamik und Variabilität des Klimas hat zum Ausgang des 20. Jahrhunderts deutlich zugenommen. Tendenziell steigt die mittlere Temperatur und die Kohlendioxid-Konzentration in der Umgebungsluft nimmt zu. Weltweit betragen die Temperaturanstiege derzeit durchschnittlich 0,6 Grad Celsius, dabei lokal und regional sogar bis zu 3,5 Grad Celsius.
Mehr Regen im Winter, aber dafür trockene Vegetationsperioden in Mitteleuropa
In Mitteleuropa muss in den nächsten Jahren mit milderen und niederschlagsreicheren Winterhalbjahren, sowie strahlungsintensiveren und trockneren Sommermonaten gerechnet werden. Zwischen den einzelnen Jahren und sogar innerhalb eines Jahres sagen Forscher eine zunehmende Klimavariabilität und Klimadynamik voraus. Gemeint sind damit vermehrt auftretende Extremereignisse, wozu längere Phasen ohne Niederschläge in der Vegetationsperiode verbunden mit extrem warmen Temperaturen zählen. Die Vorhersagen über regionale und lokale Entwicklungen von Niederschlägen sind sehr unscharf, so dass kleinräumig von großen Unterschieden in der Wirkung der Klimaveränderungen auszugehen ist.
Pflanzenbauliche Strategien stetig an variable Standortbedingungen anpassen
Die Wasserverfügbarkeit ist in bestimmten Grenzen ackerbaulich regulier- und steuerbar. Um Trockenstress, Starkniederschläge etc. weitestgehend abpuffern zu können, gilt es, das Agroökosystem zu stabilisieren. Hierzu zählt, die biotischen und abiotischen Standortfaktoren ständig zu optimieren. Dazu ist es notwendig, die Maßnahmekombinationen aus Bodenbearbeitung, Bodenfruchtbarkeitsoptimierung, Bodenerosionsschutz, Fruchtfolgegestaltung und Wildpflanzenregulierung kontinuierlich an die sich ändernden örtlichen Standortbedingungen anzupassen.
Grenzen des Machbaren von Seiten der Bauern
Schwieriger ist es dagegen, den sich häufenden und intensivierten Wetterextremen auf dem Feld wirkungsvoll zu begegnen. Hierfür sind interdisziplinäre Maßnahmen wie die Bereitstellung und Ausweitung von Retentionsflächen (z. B. durch Deichrückverlegung) zur Eindämmung von Hochwasserschäden oder Renaturierungseingriffe notwendig. Kompensationsflächen sind bei zunehmender Flächenversiegelung knapp. Die Bodenflächen sind mit die wichtigsten Grundlagen für Agroökosysteme und müssen vor Degradation bzw. Desertifikation geschützt werden. Übergeordnet ist darum der Klimaschutz von immenser Bedeutung. Mit sinkenden Treibhausgasen durch den nachhaltigen Ausbau klimaneutraler, erneuerbarer Energieträger und effizienteren Umgang mit Energie wird der anthropogene Ursachenanteil an der globalen Erderwärmung bekämpft.
Quellen:
- IPCC
- WEIGEL, H.-J.; 2008: Sechs Positionen zum Klimawandel. Interview mit dem Institutsleiter des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI). In: LandInForm, Herausforderung Klimawandel.
- HEYLAND, K.-U.; 1990: Integrierte Pflanzenproduktion. Verlag Eugen Ulmer. Stuttgart. S.76
- DBV
