
- Troll als Babybär - Zoo Wuppertal.net
Am 5. September 2011, war es soweit: Troll, der Eisbär, bekam Gesellschaft von einer der drei Eisbärendamen im Zoologischen Garten in Berlin. Zusammenführung Phase 1.
Troll, der Eisbär
Troll wurde am 15. 11. 1986 im Zoo Wuppertal geboren. Seine Mutter ist Nina, sein Vater Boris. Von 1988 bis 1997 war er im Zoo Schwerin, bis er schließlich im Tierpark Friedrichsfelde in Berlin landete. Dort lebte er seither mit Aika zusammen. In einer Studie über Eisbären in zoologischen Gärten wurde Troll als dominanter Bär beschrieben. Er wurde auch als wasserscheu beschrieben. Mag zutreffen. Was er aber eindeutig auch ohne lange Studien ist: ein stattlicher Bär.
Nach dem Tod von Knut und mit der Ankunft des jungen „Eisbärenmädels“ Tonja aus Russland, wurde eine Übersiedlung von Troll in den Zoologischen Garten beschlossen. Troll geht zu den drei Eisbärinnen Tosca, Nancy und Katjuscha. Ob es wirklich ums Züchten geht, ist eher fraglich, da die drei Eisbärinnen auch nicht mehr gerade die Jüngsten sind.
Trolls Ankunft im Zoo Berlin
Am 24. August 2011, einem heißen Tag, kam der Transportwagen aus dem Tierpark an. Troll war ein anständiger Bär, denn er ließ sich freiwillig in die Kiste locken, was ihm eine Narkose ersparte. Trotz der Hitze verhielt er sich eher ruhig.
Nach zwei Tagen Eingewöhnung hinter den Kulissen inspizierte Troll erstmals die Anlage. Troll gilt als eher wasserscheu, aber davon merkte man hier nichts. Schon am ersten Tag ging er ins Wasser und erkundete sein neues Territorium. Die drei Eisbärendamen mussten kurzfristig wieder, so wie bei der Eingewöhnung von Knut, auf die kleine Anlage ausweichen. Neugierig schnupperte er in den darauf folgenden Tagen in Richtung Eisbärinnen, die in Riech- und Hörweite sind. Auch durch das Gitter hinweg konnten die Bären immer wieder Witterung voneinander aufnehmen.
Der große Tag – Troll und Tosca gemeinsam auf der Anlage
Erinnerungen werden wach: der erste Tag des Zusammentreffens von Tosca und Knut., am 15. September 2010, kein ganzes Jahr her. Aber abgesehen davon, dass Tosca die biologische Mutter von Knut war und das Zusammenkommen deshalb auch emotional anders besetzt war, sind hier die Protagonisten sehr unterschiedlich. Damals, der schmale, junge, eher zarte Knut – heute, der riesige „Bär von einem Eisbärenmann“ mit sicherlich der doppelten Masse. Und das Ganze bei Regenwetter. Beobachtet wurde das Ganze von Marcus Röbke und sicher stand auch hinter den Kulissen des Bärenfelsens jedermann zum Eingreifen parat. Die Zuschauer wurden, wie es in Berlin üblich ist, allerdings nicht davon in Kenntnis gesetzt.
Tosca auf ihrer Insel - Troll im Meer
„Auf der großen Anlage stand Troll und Tosca lief auf der linken Insel vor und zurück, manchmal mit Tapirlippe. Sie wollte dann auf die Anlage, schwamm durchs Wasser und lief oben an der Mauer lang. Troll sah sie, lief auf sie zu. Tosca sah Troll kommen, rannte die Anlage runter, sprang ins Wasser und ging dann wieder auf die Insel.“ So berichtete eine Zoobesucherin.
"Troll machte wieder mal das U-Boot und blubberte, Tosca sah aufmerksam zu", so lauten die ersten Berichte.
Tosca hielt sich, trotz aller Neugier, den Riesen schön brav auf Abstand. Da wurde geschnauft und geprustet, die Tapirlippe gezogen. Troll versuchte sich öfter zu nähern, respektierte aber die Signale.
Der Abend war anders gedacht
Immerhin ruhten sie, wenn auch entfernt, auf der Anlage. Sogar eine gemeinsame Fütterung gab es. So wie bei der Eingewöhnung von Knut, soll Tosca abends länger draußen bleiben dürfen um dann auch ungestört all die informativen Duftsignale auf der Anlage zu lesen und zu interpretieren.
Als abends der Schieber klapperte wollte Troll nicht hinein. Ließ allerdings Tosca auch nicht vorbei. Ob sie also wirklich beide die Nacht draußen verbringen mussten und wie friedlich die verlief, können nur die Pfleger vom Zoo beantworten.
Wie sich aber die Bilder gleichen: Troll ins Babylieblingspose und Troll heute. Vielleicht ist er ja doch ein ganz ein Lieber, Sanfter? Wer weiß?
Update am 7. September
Nun ist die zweite Eisbärin, Nancy, ebenfalls auf der Anlage. Nancy, die sehr an Tosca hängt, scheint von der Situation etwas überfordert zu sein, denn sie sucht Schutz bei Tosca.
Eigentlich hieß es, dass den Bären Zeit für die Zusammenführung gelassen wird. Daumendrücken für eine komplikationsfreie Zeit ist nicht unangebracht.
Update am 8. September
Wie im Blog von Fruehlingsstern, einer treuen Eisbären-Beobachterin, zu lesen ist, ging es abends friedlich zu. Troll wurde auch mit pflegerischer List und Tücke doch noch in die Höhle gelockt.
Update am 13. September 2011
Nach einem "Troll-freien" Wochenende - nachdem es am Freitag doch etwas ruppiger zwischen Troll, Tosca und Nancy zuging, wurde am 13. September Troll mit allen drei Eisbärinnen zusammen auf die Anlage gelassen. Nun ist auch Katjuscha mit von der Partie. Möge die Übung gelingen!
Letztes Update am 26. September 2011
Die Zusammenführung muss leider als gescheitert abgehakt werden. Die letzten Tage bis zum 20. September verliefen nicht unbedingt viel versprechend. Verstörte und nervöse Eisbärinnen, ein zwar dominanter, aber ebenfalls ratlos wirkender mächtiger Eisbär - der Zoo zog die Konsequenzen, bevor noch unter den nervösen Tieren ein Unglück geschieht und zog die Notbremse. Oder wurde er gezwungen die Notbremse zu ziehen, wie der Tagesspiegel berichtet?
Troll wurde vorsorglich hinter den Kulissen gehalten, die Eisbärinnen konnten sich wieder beruhigen. Heute wurde Troll zurück in den Tierpark Berlin gebracht. Wie es mit den Eisbären weiter gehen wird - wer, wann und wo sich in den Gehegen aufhalten wird, weiß bisher nur die Zooleitung.
Fotos freundlicherweise überlassen: Babybild Troll von zoo-wuppertal.net; SylviaMicky, Viktor H., von knutitis.de
Quellen: Zoo Wupertal; Zoo Berlin; Eisbärblogs und Foren; Studie: Untersuchungen an Eisbären in europäischen zoologischen Gärten (2006), Dipl.-Biol. Ulrike Stephan
Artikel, die sich mit dem Verstehen der Eisbären befassen:
- Eisbärensprache - Menschensprache
- Eisbären: ihre Mimik, ihr Verhalten
