Eine Klasse wiederholen: Sitzenbleiben als Schulkrise

Wann ist Nachhilfe sinnvoll?  - Dieter Schütz
Wann ist Nachhilfe sinnvoll? - Dieter Schütz
Sitzen zu bleiben ist auch für den coolsten Schüler eine Niederlage. Ehrenrunden sagen aber nichts über den späteren beruflichen Erfolg aus.

… und erst recht nichts über Lebenstüchtigkeit und privates Glück. „Wiederholen“, „sitzen bleiben“, „eine Ehrenrunde drehen“... Egal, wie man es nennt, die Nachricht, dass das Klassenziel nicht erreicht worden ist, tut erst mal weh. Manchmal den Eltern mehr als dem Schüler, manchmal dem Schüler viel mehr als die Eltern ahnen. Fest steht: Wiederholen zu müssen ist eine Schullaufbahn-Krise, nicht mehr und nicht weniger. Die meisten Schüler „berappeln“ sich früher oder später wieder und machen – für die Eltern oft ganz überraschend – „ihr Ding“. In ein zufriedenes Leben führen bekanntlich viele Wege. Ein Schuljahr zu wiederholen ist dabei nur ein unbedeutender, aber manchmal notwendiger Umweg ...

Kinder wollen immer Freude machen

Wie sollten Eltern sich verhalten, wenn ihr Kind das Klassenziel nicht erreicht? Generell sollte das Kind das Gefühl haben dürfen, dass es auch als Sitzenbleiber angenommen und geliebt wird. Gerade älteren Kindern müssen Eltern aber schon deutlich machen, dass sie von ihnen bessere Leistungen erwarten.

Durch Reden erreicht man jedoch meist nichts. Über Worte lernt ein Mensch nämlich verhältnismäßig wenig. Gemeinsames Handeln ist angesagt. Manche Eltern überschätzen ihre Kinder und bieten ihnen weder die eigene Unterstützung noch Nachhilfe an. Andere stopfen die Ferien mit einem großen Nachhilfe-Programm voll. Freie Zeit und Nachholen des Schulstoffes müssen ausgewogen sein.

Nachhilfe muss einen Sinn haben

Wann ist Nachhilfe sinnvoll? In jedem Fall sollten die Eltern den Ursachen der schlechten Noten zunächst auf den Grund gehen, am besten gemeinsam mit den Lehrern. Ist das Kind durch den Unterrichtsstoff generell überfordert? Das könnte dafür sprechen, dass das Kind den Anforderungen des jeweiligen Schultyps tatsächlich nicht gewachsen ist. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sich die schlechten Noten nicht nur auf ein Fach, sondern womöglich auch in mehreren Hauptfächern finden.

Der Wechsel zu einem anderen Schultyp ist dann manchmal für das Kind eine große Erleichterung. Es blüht auf und lernt wieder gern.

Auch wenn Ihr Kind das Gymnasium nur mit ständiger Unterstützung durch Nachhilfe schafft, sollten Sie das überdenken. Das Abitur kann man auf unterschiedlichen Wegen erreichen – außerdem ist das Abitur kein Garant für Lebensglück. Das haben heute viele Eltern leider vergessen.

Wie geht man mit einer Null-Bock-Haltung um?

Auch wenn ein Kind resigniert wirkt, stellt es noch immer innere Anforderungen an sich selbst. Es möchte seinen Eltern Freude machen und fragt sich: Wer bin ich eigentlich, wenn ich das alles nicht kann? Es stellt seine Kompetenz, sein eigenes Leben zu gestalten, in Frage. Das macht Angst, und die kommt dann oft als „Null-Bock“-Gehabe daher.

Ist Sitzenbleiben nicht doch ein Angriff auf das Selbstwertgefühl? Mit der Wiederholungsmöglichkeit nimmt die Schule Anforderungen zurück, und das entlastet ein Kind. Dieser von der Schule vollzogene Schritt muss von den Eltern angenommen werden. Das Kind kann eine Nicht-Versetzung nur dann als Entlastung empfinden, wenn seine Eltern mit diesem vermeintlichen Misserfolg zurechtkommen.

Sitzenbleiben in der Hauptschule?

In der Hauptschule bringt Sitzenbleiben nach Erfahrung der meisten Lehrer und Sozialpädagogen gar nichts, weil fast ausschließlich soziale Probleme hinter Schulproblemen stecken. Eine Hauptschullehrerin aus dem Raum München: „Ich erinnere mich an einen Jungen, den wir beim besten Willen nicht versetzen konnten. Das Wiederholungsjahr wäre fast wieder danebengegangen, hätten er und seine Familie nicht therapeutische Unterstützung bekommen. In der Grundschule steckt hinter schlechten Noten häufig ungenügende Reife – hier kann ein Wiederholungsjahr sehr hilfreich sein.“

Bildnachweis: © Dieter Schütz/Pixelio.de

Doro Kammerer - Wissen leicht verständlich und zu einem Lesevergnügen zu machen gehört zu den Schwerpunkten meiner Arbeit. In 15 ...

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