"Trostfrauen" in japanischen Militärbordellen

Über ein leidvolles Kapitel des Asien-Pazifik-Kriegs

Gruppenbild von  - Chung-Noh Gross
Gruppenbild von - Chung-Noh Gross
Im Suite101-Interview spricht Chung-Noh Gross über das Leid der "Trostfrauen" und warum die Verbrechen des japanischen Militärs erst 1991 bekannt wurden.

Im Zweiten Weltkrieg hat das japanische Militär Frauen aus Korea, China und anderen besetzten Ländern verschleppt und in Militärbordellen für die japanischen Soldaten bereit gehalten. Diese sogenannten Trostfrauen waren zu meist junge Frauen und Mädchen im Altern von 12 bis 22 Jahren, die den Soldaten rund um die Uhr als Sexsklavinnn dienen mussten.

Manche waren nur zwei Monate in den Militärbordellen, manche zehn Jahre. Ihnen allen gemeinsam ist das Leid, das ihnen zugefügt wurde, und die Scham, die sie ihr Geheimnis für viele Jahre, teilweise bis in den Tod, hat bewahren lassen. Noch heute warten die "Trostfrauen" auf eine offizielle Entschuldigung durch die japanische Regierung.

Mit Suite101 spricht Frauenrechtsaktivistin Chung-Noh Gross über das Tabu-Thema "Trostfrauen" und das andauernde Leiden der Opfer.

Welches Leid wurde diesen Frauen zugefügt? Was haben sie in den Militärbordellen erlebt?

Das kann man nicht beschreiben: Sexuelle Gewalt, körperliche Misshandlung, psychisches Leid. Manche Frauen wurden mit dem Schwert bedroht, um sie gefügig zu machen. Zigaretten wurden auf ihrem Körper ausgedrückt oder sie wurden gegen ihren Willen tätowiert, etwa mit der japanischen Fahne. Die Frauen wurden nicht bei ihren Namen genannt, sondern bekamen Nummern oder haben japanische Namen bekommen. Sie waren unter totaler Kontrolle, in einem Gefängnis.

Koreanische und andere asiatische Frauen sind nach China und in andere asiatische Länder verschleppt worden. Wenn sie am Ende des Krieges nicht getötet wurden, sind sie einfach von den Soldaten verlassen worden. In diesen Militärbordellen waren menschliche Körper Gegenstände, sie waren wie Maschinen. Alles musste schnell gehen, die Männer standen Schlange.

Wenn die Frauen im Militärbordell schwer krank wurden, waren sie am nächsten Tag nicht mehr da und wurden einfach durch neue Frauen ersetzt.

Was den Frauen angetan wurde, gilt in den Kulturen, aus denen sie stammen – China, Korea, Indonesien – als Schande. Wie haben die Frauen ihr Leben nach den Militärbordellen ertragen?

Für die mit Glück überlebenden Frauen dieser Tortur begann danach die zweite Tortur. Weil die Reinheit einer Frau mehr zählt als ein Leben haben sie immer Angst gehabt, entdeckt zu werden. Viele haben als Schwarzarbeiterinnen niederste Arbeiten verrichtet, um zu überleben, sie blieben Zeit ihres Lebens immer arm. Viele haben vor der Landung in Korea Selbstmord begangen, um nicht mit der Schande leben zu müssen. Sie haben sich von den Schiffen gestürzt, die sie nach Korea zurückbringen sollten.

Manche haben es bis nach Hause geschafft, aber dann das Leben einer Leiche gelebt. Sie haben sich gegen eine Heirat gewehrt. Sie litten an schlechter Gesundheit, hatten überall Schmerzen, viele haben auch durch Entzündungen ihre Gebärmutter verloren. Sie haben immer isoliert gelebt mit einer Aversion gegen Männer. Viele Familien haben ihre Töchter auch verstoßen oder die Geschehnisse tabuisiert, als wäre das alles nicht geschehen. Alpträume und Schmerzen haben das spätere Leben der ehemaligen "Trostfrauen“ bestimmt.

Erst 1991 kamen diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit ans Tageslicht. Warum haben die ehemaligen "Trostfrauen" so lange geschwiegen? Was hat sie bewogen, jetzt zu sprechen?

Eine ehemalige "Trostfrau“ Kim Hak-Sun hörte in Korea die Nachricht, Japan behauptete, dass die Frauen damals freiwillig "Trostfrauen“ geworden waren. Gegen diese Lüge und da sie keine Verwandte mehr hatte, und somit niemandem Schaden zufügen konnte, hat sie sich schließlich getraut, ihre Lebensgeschichte öffentlich zu machen und Anklage gegen die japanische Regierung zu erheben. Da Keuschheit mehr als ein Leben zählt - egal ob verschleppt oder nicht, es spielt keine Rolle - war es eine Schande. Wie gesagt, viele haben wie eine Leiche gelebt, hatten Angst, dass die Wahrheit rauskommt und seelisch weiter gelitten. Dieses Leiden kann man den Opfern nicht wegnehmen.

Die koreanische Regierung hat 1990/91 alles ignoriert, Frauenorganisationen haben protestiert, aber die japanische Regierung hat nur ein Almosen Fond ins Leben gerufen statt den Frauen eine persönliche Entschädigung zu zahlen.Viele Opfer haben das abgelehnt, sie wollten ihre Menschenwürde zurück und keine Almosen, arm haben sie ihr ganzes Leben gelebt. 1995 haben einzelne Mitglieder der japanischen Regierung private Entschuldigung abgegeben, aber nicht allen Opfern gegenüber und auch nicht öffentlich.

Auch hat Geld Zwist zwischen den Opfern gesät. Der "Trost Fond“ hat Streit hervorgebracht, weil manche Regierungen das Angebot angenommen haben und manche nicht. Indonesien hat den Fond angenommen, aber die Opfer wollen nach wie vor eine offizielle Entschuldigung und Entschädigungen erhalten. Nordkorea hat keine diplomatischen Beziehungen zu Japan und somit keine Wahl in der Angelegenheit.

Was ist mit den Kindern passiert, die in den japanische Militärbordellen gezeugt wurden?

Alle 14 Tage wurden die Frauen auf Geschlechtskrankheiten untersucht, Kondome waren verpflichtend, wer sie nicht benutzte, wurde bestraft, auch die Soldaten. Wenn doch mal eine Frau schwanger wurde, wurde zwangsweise abgetrieben, auch manchmal ohne Narkose. Wenn doch mal Kinder geboren wurden, dann wurden sie getötet oder lebten nicht lange, weil die Mütter nicht für sie sorgen konnten. Einige Frauen haben nach der Rückkehr nach Korea geheiratet und Kinder bekommen. Meistens waren die Kinder krank und sie starben früher. Die Frauen konnten sich nicht um ihre Kinder kümmern. Sie waren einfach nicht dazu in der Lage.

Was ist mit den japanischen Soldaten, die diese Bordelle besucht haben, die Vergewaltigungen begangen haben?

Zwei ehemalige Soldaten waren bei dem Tokio Tribunal 2000 und haben sich schuldig bekannt. Die anwesenden ehemaligen "Trostfrauen“ haben ihnen verziehen. Es war eine sehr rührende Situation. Die Frauen haben in diesem Moment ihre Würde zurück bekommen. Sie waren als reine, keusche Frauen ohne Geschlechtskrankheiten systematisch verschleppt und missbraucht worden. Sie hatten als "Ressource Frau“ gedient, viele waren nur Mädchen, auch unter 12. Die Soldaten waren natürlich älter, viele von Ihnen leben auch nicht mehr.

Durch diese persönliche Geste sind die "Trostfrauen“ stark geworden, haben etwas Trost gefunden und aufgehört, sich zu schämen. Sie sprechen jetzt offen und fordern Gerechtigkeit. Aber viel Zeit bleibt ihnen nicht mehr.

Lesetipp: Barbara Drinck/Chung-Noh Gross (Hrsg.): Erzwungene Prostitution in Kriegs- und Friedenszeiten". Kleine Verlag 2006. Broschiert. 269 Seiten. 22,90 Euro (D)

Dr. Tong-Jin Smith, Urs Kuckertz

Tong-Jin Smith - Bereits während ihres Studiums der Politikwissenschaft hat Tong-Jin Smith als freie Journalistin gearbeitet und neben dem Beruf an ...

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