"Tschick" – Hörbuch-Fassung des Romans von Wolfgang Herrndorf

Hörbuch
Hörbuch "Tschick" von Wolfgang Herrndorf - Argon Verlag
"Tschick", ein literarisches deutsches Roadmovie, begeistert jugendliche, erwachsene und ältere Leser. Nominiert für Buchpreise. Als Hörbuch noch besser!

Das Buch "Tschick" ist ein ganz erstaunlicher, weil zugleich überaus komischer, trauriger, realitätsnaher, intelligenter und gut geschriebener Gegenwartsroman, dessen Autor Wolfgang Herrndorf mit der Lupe einen Längsschnitt deutscher Befindlichkeit zeichnet. Noch besser als die Urfassung zwischen Buchdeckeln ist allerdings das von Hanno Koffler stimmlich gestaltete Hörbuch, das allein schon preisverdächtig ist und mindestens den Hörbuchpreis des Jahres verdient hat. Wenn Sie Jogger laut lachen hören oder Grimassen schneiden sehen – wetten, dass die gerade auf ihrem MP3-Player eine Szene aus eben diesem Roman anhören?

"Tschick" ist der Roman-Hit der Literatursaison 2011

Die Herzen der Leserinnen und Leser jedenfalls fliegen Wolfgang Herrndorf für diesen gelungenen literarischen Wurf zu. Die Jury des Leipziger Buchpreises 2011 allerdings ließ es eher kalt, dass das Publikumsvotum aus Leser- und Branchenkreisen die anderen nominierten Werke missachtete. Die Leser hatten in einer Internetabstimmung mehrheitlich Wolfgang Herrndorfs Roman "Tschick" (Rowohlt) zum besten der nominierten Bücher gewählt. Ausgezeichnet wurde dann Clemens Setz für sein apokalyptisches Buch "Die Liebe in Zeiten des Mahlstädter Kindes".

Deutscher Jugendliteraturpreis für Wolfgang Herrndorfs "Tschick"?

Mittlerweile wurde der Titel "Tschick" auf die Nominierungsliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 in der Kategorie Jugendbuch gesetzt. Jeweils sechs Titel wurden für diese Auszeichnung unter 587 eingereichten Neuerscheinungen in den Kategorien Bilderbuch, Kinderbuch, Jugendbuch und Sachbuch ausgesucht. Außerdem gibt es einen Preis der Jugendjury mit ebenfalls sechs Nominierungen. Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder wird die Sieger am 14. Oktober 2011 auf der Frankfurter Buchmesse bekannt geben.

Das Harry-Potter-Phänomen

Wie oft kommt es vor, dass sich ein Leitartikel im Politik-Teil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung mit einem Jugendbuch beschäftigt? So geschehen im April 2011, als Tilman Spreckelsen die altersgrenzüberschreitende Resonanz des Romans "Tschick" zum Anlass nahm, Reflexionen über "Triumph und Krise des Jugendbuchs" anzustellen. Er beobachtet seit dem Welterfolg der Harry-Potter-Romane in allen Altersgruppen eine allmähliche Verwischung der Leser-Zielgruppen und diagnostiziert diese als typische Zeiterscheinung.

Liebe, Leid und Abenteuer in der Pubertät

Zu Recht fragt man sich, welchen Reiz die Road-Movie-Story eines 14jährigen Ich-Erzählers, der zunächst ausführlich seinen Schulalltag mit besonderem Blick auf den Deutschunterricht schildert und sich dann mit einem geklauten Lada in Richtung "Wallachei" aufmacht, auf Erwachsene ausüben mag, die längst die Dreißig oder gar Vierzig, Fünfzig überschritten haben. Eine Antwort darauf kann es nicht wirklich geben, außer: Das Buch ist schlicht hervorragend geschrieben, zum Schreien komisch und zugleich von tiefsinniger Lebensphilosophie. Wobei Wolfgang Herrndorf, den man sich ganz naiv als jungen Autor von höchstens 25 Jahren vorstellt, bereits 1965 geboren wurde, selbst also Midlife verkörpert. Um so beachtlicher ist seine sprachliche und psychologische Leistung, sich in die chaotische und schwierige Welt pubertierender Jungen (zurück) zu versetzen. Übrigens lohnt sich ein Blick in Herrndorfs Autoren-Blog, wo sich auch unveröffentlichte "Tschick"-Passagen finden, eine Freude für nimmersatte Fans.

Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman. Vorgelesen von Hanno Koffler. Argon Verlag 2011. 4 Audio-CDs. 297 Minuten. 19,95 Euro

Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman. Rowohlt Berlin 2011. epub E-Book. 14,99 Euro

Wolfgang Herrndorf: Tschick. Roman. Rowohlt Berlin 2010. Hardcover. 256 Seiten. 16,95 Euro

Andrea Reidt, Freie Journalistin, Foto Monika Werneke

Andrea Reidt - Die Freie Journalistin Andrea Reidt sammelte vielfältige Erfahrungen in ihrem Beruf. Am allerliebsten schreibt sie ...

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