Als am 11.März 2011 vor der japanischen Küste die Erde bebte, waren die wirtschaftlichen Auswirkungen auf das Land und die gesamte Wirtschaft noch nicht abzusehen. Im wirtschaftlich hoch entwickelten Japan machten sich die Einwohner in den ersten Sekunden wenig Gedanken, weil Erdbeben in Japan keine Seltenheit sind. Schnell wurde den Einwohnern aber klar, dass diesmal ein besonders starkes Beben erfolgte. Wie bei jahrelangen Übungen einstudiert, sicherten sie sich rasch und bewahrten die Ruhe. Da der Strom und das Wasser ausfielen, die Handynetze auch nicht mehr funktionierten, waren Lautsprecherwagen und das Internet eine der letzten Möglichkeiten, rasch zu erfahren, dass das Erdbeben eine Stärke von 8,9 auf der nach oben offenen Richterskala, hatte. Mittels Lautsprechern wurde vor einer Tsunamiwelle gewarnt, die die Küste schon einige Minuten später überrollte.

Die japanische Wirtschaft vor der Katastrophe

Japan war viele Jahre lang die zweitmächtigste Wirtschaftsmacht der Welt und fiel im Jahr 2010 auf den dritten Platz der Exportländer zurück. Als in der Weltwirtschaftskrise die Exporte um etwa ein Viertel abnahmen, brach die Wirtschaft Japans im Jahr 2009, mehr als in anderen Ländern, um mehr als fünf Prozent ein. Trotzdem festigte das Land seine Stellung beim Export von Maschinen, der Elektronik- und im Chemiesektor. Etwa die Hälfte der japanischen Exporte geht in asiatische Länder, aber etwa zwölf Prozent der Ware kommen nach Europa. Deutschland ist einer der stärksten Handelspartner.

Die wirtschaftlich am meisten betroffenen Branchen und der Börsenabschluss

Wie sich, anhand von Vergleichen feststellen ließ, wird es in Japan die Versicherungsbranche sein, die am stärksten vom Erdbeben und der nachfolgenden Tsunamiwelle betroffen ist. Schon kurz nach dem Beben, eine Viertelstunde vor Handelsschluss in Tokio, meldeten die Devisenmärkte, dass viele Anleger ihre japanischen Aktien, weil der Nikkei-Index um 1,72 Prozent auf 10254,43 Punkte fiel, verkaufen wollten. Zunächst stürzte auch der Yen ab, um wenige Stunden später ,auf den ursprünglichen Kurs zurückzuklettern. Wolfgang Leim, Japan-Experte der Commerzbank folgert, dass diese Entwicklung zeige, dass der Markt die wirtschaftlichen Folgen der Katastrophe nicht so negativ beurteilte. Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldete, verlor der Topix-Index um 1,42 Prozent und schloss bei Börsenschluss mit 930,84 Punkten.

Unmittelbar nach dem Unglück sanken die Preise auf dem Rohstoffmarkt. Es ist, so schlussfolgern Anleger und Analysten, denkbar, dass die Zerstörungen Anleger abschrecken könnten und in der Folge die Nachfrage nach Metallen und Öl sinkt. Die Commerzbank sieht dem Börsenbeginn am Montag, dem 14.März 2011 mit Spannung entgegen, weil Japan auf Rohstoffimporte angewiesen ist. Immerhin sank der Preis für Kupfer um 2,2 Prozent auf 8.992 Dollar und die Preise für Aluminium, Nickel und Blei zogen nach. Am Ölmarkt, der momentan, durch die Krise im Nahen Osten eine zentrale Rolle spielt, sank der Preis für Öl. Die Aktie von Brent sank zum Beispiel um 1,8 Prozent auf 113,39. Das hatte zur Folge, dass auch die Preise für Zucker, Kaffee, Mais und Weizen sanken. Erwartungsgemäß blieb der Goldpreis nahezu unverändert. Gold wird seit 2011 in Kanada ökologisch vertretbar gefördert.

Legte das Erdbeben und seine Folgen die Wirtschaft Japans vorübergehend lahm und meldete die Tokioter Börse am 11. März ein Tagestief von 83,29 Yen, ist interessant, wie der Verlauf der Aktien am Montag dem 14.März sein wird.

Die Meinung der Versicherungen zu den finanziellen Auswirkungen auf die Börse

Kurz nach dem Unglück fielen die Aktien, zum Beispiel der „Münchener Rück“ um etwa fünf Prozent und die Versicherer "Swiss Re" und "Hannover Rück" mussten, weil auch dort Japaner gegen Naturkatastrophen versichert sind, Verluste hinnehmen. Erschwert wurde die Lage, weil die Versicherungen noch mit den Nachwirkungen der Erdbeben und Überschwemmungen in Neuseeland und Australien kämpfen.

Die weltweite Reaktion von Analysten auf das Erdbeben in Japan

Tim Condon, ING-Chefvolkswirt für Asien, prognostiziert, dass die „Bank of Japan“, so habe das damalige Erdbeben in Kobe gezeigt, eher zurückhaltend reagieren wird. Wie die weitere Entwicklung am Aktienmarkt werde, lasse sich momentan nur schwer voraussagen. Sicher sei, dass die Aktien von Baufirmen stark profitieren werden. Tsutomu Yamada, Marktanalyst von „kabu.com Securities,“ schätzt, dass das Beben Japans Gesamtwirtschaft hoch belasten wird, weil es sie genau in dem Moment erwischte, als sie erste Anzeichen einer Erholung zeigte. Obwohl die Schäden sich noch nicht beziffern ließen, sehe es für die nordjapanische Wirtschaft schrecklich aus und die Regierung müsse die angekündigten Hilfspakete schnell bereit stellen und die Zentralbank mehr Geld in die Wirtschaft „pumpen“.

Prognosen von Experten zum Aktienmarkt für Montag dem 14. März 2011

Mitsushige Akino, Fondsmanager bei Ichiyoshi Investment Management, prognostiziert, dass die Aktien bei Börsenbeginn, vor allem von Firmen in den betroffenen Gebieten, voraussichtlich weiter fallen werden. Da das Zentrum des Bebens weit von der Hauptstadt Tokio entfernt lag, werde die Gesamtwirtschaft, voraussichtlich, nicht stark belastet. Yasuo Yamamoto, Volkswirt beim „Mizuho Research Institut“, erklärt, dass das Erdbeben die Regierung wahrscheinlich zu einem Nothaushalt veranlasse. Da die Zinsen momentan niedrig seien, könne die „Bank of Japan“ diese nicht senken. Um Geld zu erhalten, müssten Anleihen verkauft werden. Die europäischen Aktienmärkte starteten, laut Reuters, mit eindeutigen Verlusten. Der Leitindex der „Eurozone EuroStoxx 50“ verlor 0,90 Prozent und sank auf 2883,45 Punkte. Der Londoner FTSE 100 fiel um 0,49 Prozent auf 5816,78 Punkte und der Pariser Leitindex „Cac 40“ glitt um 0,90 Prozent auf 3928,17 Punkte ab. An der Börse rechnen Händler auch in New York mit Verlusten. Sandro Merino, der Leiter der Finanzanalyse Europa bei der UBS schätzt die Schäden, in einem Videointerview, im Schadensvergleich zum Erdbeben in Neuseeland und Chile, auf bis zu 50 Milliarden Dollar ein. Zum Risiko im Zusammenhang mit Schäden an Atomkraftwerken befragt, sagte er, zurzeit eher von einem geringeren Schaden wie in "Harrisburg“ und nicht wie in Tschernobyl, voraus.

Bis zum 16.März verstärkte sich die Lage in Japan, die Deutschen fordern, mit einer Unterschriftenliste an die Kanzlerin, von ihrer Regierung ein sofortiges abschalten aller Reaktoren.

Japans Finanzminister sichert den Betroffenen Hilfe zu

Japan ist, mit einer Verschuldung des Staates von fast 200 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, einer der am höchsten verschuldeten Industriestaaten. Trotz der finanziellen Klemme sichert Yoshihiko Noda, Japans Finanzminister, den Betroffenen alle notwendige Hilfe zu. Die „Bank of Japan“ wolle alles tun, um die Stabilität der Finanzmärkte zu sichern. Die japanische Zentralbank ergänzt, dass die Finanzpolitik die Rettungsbemühungen nicht behindern dürfe.

Leser im Internet kommentieren das wirtschaftliche Geschehen

MagNix zum Beispiel schreibt bei sueddeutsche.de: "Sorge um Japans Wirtschaft erfasst Finanzmärkte" - „Gottlob kann ich von meiner Hände Arbeit leben und mache bei irgendwelchen Renditespielchen grundsätzlich nicht mit. Denn wenn ich mir nach solchen Katastrophen Gedanken um Japans Wirtschaft oder den Wert eines Depots oder irgendwelcher Fonds machen würde, würde ich mich vor mir selbst ekeln. "Finanzkasper "und "Renditehaie": Ihr seid widerlich“.

Ein weiterführender Artikel: Angehörige der Expeditionsteilnehmer des Projektes "PlanetSolar" machen sich Sorgen ob die Besatzungsmitglieder in Sicherheit sind.

Bitte beachten Sie, dass ein Suite101-Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen qualifzierten Anlageberater - nicht ersetzen kann.

Quelle Reuters, dpa