Silberschmuck der Tuareg aus der Sahara

Mit viel Aufwand werden Anhänger und Ringe in Handarbeit hergestellt

Khomeyssa Anhänger - Amma Agada
Khomeyssa Anhänger - Amma Agada
Die bekannten Agadez-Kreuze sind ein begehrtes Souvenir aus der Sahara. Durch die spezielle Herstellung sind alle Schmuckstücke Unikate.

Reisen in die Sahara bieten ganz besondere Erlebnisse. Da sind nicht nur die Begegnungen mit der komplett anderen Landschaft, sondern auch das Kennenlernen der Kulturen der Völker, die in der Sahara leben. Im Norden des Niger, im Norden von Burkina Faso, im Osten und Nordosten von Mali, im Südwesten von Libyen und in Südalgerien leben die Tuareg. Früher beherrschten sie mit ihren Tieren und dem Karawanenhandel große Teile der Zentralsahara. Als Krieger benötigten sie Schwerter und im Haushalt waren Metallgegenstände, Schüsseln und Messer im Gebrauch. Bis heute werden Metallwaren und auch Schmuck von den Schmieden in ihren Werkstätten in Handarbeit hergestellt.

Die Schmiede waren gleichzeitig gefürchtet und geachtet, da sie mit dem für die Tuareg „unreinen“ Metall, dem Eisen, in Berührung kommen und es bearbeiten. Als rein werden Kupfer, Messing und Silber bezeichnet. Die Maria-Theresia-Taler sind begehrt als „Rohstoff“ zur Herstellung von Tuareg-Schmuck. Ihr Silbergehalt ist sehr hoch und eine Münze ist ausreichend für eines der bekannten Silberkreuze.

Herstellung von Schmuck im Wachsausschmelzverfahren

Ein Modell eines Schmuckstücks wird mit Wachs geformt und mit Ton umhüllt. Der Ton wird erhitzt wobei das geschmolzene Wachs herausläuft. Das zuvor erhitzte und nun flüssige Metall wird in die Form gegossen. Nach dem Erkalten wird der Tonmantel abgeschlagen und gibt eine Rohform des Anhängers frei. Dadurch ist jedes Schmuckstück ein Unikat. Nun kann es weiter durch feilen und punzieren verarbeitet und verziert werden. Dabei werden keine Vorlagen, Vorzeichnungen oder Schablonen verwendet, sondern direkt am Schmuckstück mit bewundernswerter Genauigkeit gearbeitet. Jede Figur wie Dreiecke, Linien und Kreise wird exakt gesetzt. Auf der Rückseite ritzt der Schmied seinen Namen oder sein Zeichen in der Schrift der Tuareg, dem Tifinagh ein.

Heute sind die „Kreuze aus der Sahara“ begehrte Mitbringsel und Souvenirs

Bekannt geworden sind die Schmuckstücke, die bei den Tuareg tasagalt heißen, unter dem Namen Agadez-Kreuz. Es gibt 21 verschiedene Formen, die einem Kreuz teilweise ähneln. Sie tragen Namen von größeren und kleineren Oasen im Niger, wie eben Agadez, Iférouane oder Tahoua. Das „Kreuz“ der ehemaligen Hauptstadt des Niger, Zinder, das keine Kreuzform aufweist, wurde sogar früher als Zahlungsmittel eingesetzt.

Heute werden die Schmuckstücke, ob Anhänger, Colliers oder Ohrringe auch nach dem Geschmack der Trägerin hergestellt. Längst ist die Nachfrage aus Europa in der Sahara angekommen und es werden spezielle Formen, auch mit Steinen wie Achat oder Onyx nach Wunsch hergestellt. Oft kaufen die Schmiede in Idar-Oberstein die Halbedelsteine direkt bei ihren Besuchen in Deutschland ein. Auch wenn die Formen sich verändert haben, die aufwendige Arbeit und die Arbeitstechniken sind gleich geblieben. So sind die neuen Anhänger immer auch Unikate und die etwas höheren Preise durchaus gerechtfertigt.

Silberschmuck gegen den „bösen Blick“

Bei den nördlichen Tuareg (im südalgerischen Ahaggar-Gebirge, aber auch in Mali) werden häufiger Khomeyssa, abgeleitet vom arabischen Wort Khamsa für Fünf, getragen. Dieser Schmuck wird aus Silberplatten hergestellt und stellt ein rautenförmiges Muster dar. Fünf Rauten zusammen ergeben eine Khomeyssa. In die Mitte jeder Raute wird teilweise eine Silberperle aufgelötet. Ähnlich wie die „Hand der Fatima“ in Tunesien, die auch die Fünfform darstellt, soll auch die Khomeyssa gegen den bösen Blick helfen. In Mali verwenden die Schmiede anstatt des Silbers auch Muschelschalen, die auf Lederstücke aufgeklebt werden. Dabei muss aber betont werden, dass die Tuareg keine Araber, sondern Berber sind.

Wer eine Reise in die Sahara unternimmt, dem wird spätestens auf dem Marktplatz der Oasen der angebotene Silberschmuck auffallen. Anhänger in Kreuzform, Colliers mit Silberplättchen, Anhänger mit Onyx oder Achaten, Ringe und Armreifen liegen ordentlich aufgereiht in den Vitrinen der Boutiquen und Artisanate.

Birgit Agada, Amma Agada

Birgit Agada - Frau Birgit Agada ist mit Leib und Seele Touristikerin und studierte Touristikmanagerin (IST). Ihre touristische Laufbahn begann vor ...

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