
- Plakat Tucker und Dale vs. Evil - Universum Film
"Tucker und Dale vs. Evil" basiert auf der intelligenten Idee, die medial transportierten Bilder einmal zu hinterfragen, indem er sie anders interpretiert. Es ist kein großer Film. Aber er hält, was er verspricht und bietet gute Unterhaltung.
Die Handlung von "Tucker und Dale vs. Evil"
Eine Gruppe von College-Studenten ist auf dem Weg zum Camping in den Appalachen. Unterwegs begegnen sie Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine). Von der Erscheinung her sind die beiden der Inbegriff des Hillbillies und machen auf die Studenten, die solche Leute wohl vor allem aus Film und Fernsehen kennen, einen bedrohlichen Eindruck. Dabei sind sie friedlich, gutmütig und ganz normale Menschen mit ganz normalen Problemen. Tucker und Dale befinden sich auf dem Weg zu ihrer Ferienhütte, um diese zu renovieren.
Die Studenten campen in der Nähe dieser Hütte und so kommt es, dass Tucker und Dale beim nächtlichen Fischen Allison (Katrina Bowden) das Leben retten. Sie ist aus Schreck vor ihnen in den See gefallen und hat sich dabei am Kopf verletzt. Tucker und Dale wollen sie zu ihrem Campingplatz bringen, aber Allisons Freunde fliehen panisch vor diesen beiden Hinterwäldlern. Also nehmen Tucker und Dale Allison zunächst mit in ihre Hütte. Ihre Freunde hingegen denken, dass Allison von den beiden verschleppt wurde. Der fanatische Chad sieht die Stunde der Abrechnung gekommen. Jetzt heißt es, die beiden Hinterwäldler zu attackieren und sie umzubringen, um Allison zu befreien.
Allison hingegen erwacht in der Hütte von Tucker und Dale und hat zunächst Angst, merkt allerdings bald, dass die beiden harmlose Menschen wie du und ich sind. Dale ist schüchtern und stellt sich etwas tumb an, weil er in Allison verknallt ist und ihre Schönheit ihn einschüchtert. Ihre Freunde wissen natürlich nichts davon und bleiben dabei, ihr Vorhaben umzusetzen. Besonders Chad, der seinerseits ein Auge auf Allison geworfen hat, will Blut sehen. Leider stellen sich die jungen Leute bei ihren Angriffen dermaßen blöd an, dass einer nach dem anderen stirbt, ohne dass Tucker oder Dale ihre Hand im Spiel haben. Für sie sind es durchgeknallte, suizidale Kids. Die Studenten hingegen sind umso mehr davon überzeugt, in ihnen das absolut Böse gefunden zu haben.
Immer wenn sich eine Lösung des Missverständnisses anbietet, eskaliert die Situation erneut. Und der wahnsinnige Chad scheint sowieso nicht an einer friedlichen Lösung interessiert zu sein. Für ihn heißt es: die oder ich. Wie es sich gehört, kommt es dann zu einem Showdown zwischen Dale und Chad.
Horrorthriller und Horrorkomödie
Das Genre der Horrorkomödie ist etwa gleich alt wie das Genre des Horrorfilms. Das ist nicht überraschend, basieren beide doch auf einem sehr ähnlichen Prinzip: der Überraschung. Im Horrorthriller kommt die Überraschung oft als Schock daher. John Carpenter ist ein Meister in dieser Hinsicht. Auch der aktuell im Kino laufende "Insidious" ist ein paradigmatisches Beispiel dafür. In der Komödie wird Überraschung eingesetzt, um die Lacher, den Humor zu erzeugen. Der wird nicht durch die Überraschung selbst erzeugt, sondern durch die überraschende Verknüpfung von Dingen (Personen, Sichtweisen usw.). Mit der Wiedergeburt des Horrorgenres, vor allem durch die "Scream"-Filme hat auch die Horrorkomödie ein Revival erfahren.
Filme wie "Shaun of the Dead" haben gezeigt, dass sich diese beiden Formen gut miteinander kombinieren lassen und auch ein relativ großes Publikum erreichen. Handelte es sich bisher um ein Subgenre, in dem vor allem B-Filme produziert wurden, wuchsen auch hier die Budgets. Dadurch fehlt den Filmen der Charme des Amateurhaften, wie er etwa die fabelhafte Satire "Cannibal! The Musical" von South-Park-Erfinder Trey Parker auszeichnete, und der Humor wird etwas massenkompatibler.
Das Spiel mit der medialen Wahrnehmung
Hinterwäldler oder Hillbillies nehmen in der Populärkultur eine bestimmte Rolle ein. In der Regel sind sie diejenigen, die zivilisierte Städter mit der erbarmungslosen, unzivilisierten, bösen und amoralischen Natur konfrontieren. Das lässt sich nachvollziehen etwa an John Boormans Klassiker "Beim Sterben ist jeder der Erste" (im Original: "Deliverance") oder auch im Horrorgenre, etwa an "The Texas Chainsaw Massacre".
In "Tucker und Dale vs. Evil" wird dieses Bild einfach mal in Frage gestellt. Natürlich werden immer noch Klischees bedient: die beiden sind relativ ungepflegt und sprechen - jedenfalls im Original - auch den typischen Slang. Ansonsten sind Tucker und Dale aber alles andere als die geläufigen Hillbillies. Sie sind Menschen, die Probleme haben, wie andere auch. Dale etwa hat mit seiner Unsicherheit und seinem Minderwertigkeitskomplex zu kämpfen.
Während die anderen College-Kids nicht in die Welt von Tucker und Dale vordringen und so ihre Ängste und Vorurteile nur bestätigt finden, überwindet Allison ihre und fasst sogar Vertrauen und Zuneigung zu Dale. Auch dafür haben ihre Freunde dann eine Erklärung: Stockholm Syndrom. In Wirklichkeit ist Allison natürlich die einzige, die eine Erkenntnis gewinnt, die merkt, wie fern jeder Realität ihre medial vermittelte Wahrnehmung der beiden war.
Schließlich erweist sich der Student Chad als der wirklich Böse. Sein krankhaft gesteigerter Sozialdarwinismus lässt für ihn nur die Sichtweise "die oder wir" zu. Er ist wohl nur in die Wälder gekommen, um genau das zu tun, was er vorhat: ein paar Hillbillies umzubringen. Der Twist am Ende relativiert diese Kritik am Sozialdarwinismus zwar ein wenig, nimmt ihm aber nicht seine Brisanz.
Fazit: zurücklehnen und schaurig-schönen Spaß haben
In erster Linie ist "Tucker und Dale vs. Evil" ein Film, der Spaß machen soll. Es handelt sich um eine Komödie, die es nicht darauf anlegt, gesellschaftskritische Stellung zu beziehen, sondern Slapstick-Splatter mit einem Twist und einem Augenzwinkern zu liefern.
Quellen:
