
- Aufstieg zum Schloss - Sylvia Wollny
Man nehme: 1.000-jährige Geschichte, ein Schloss, eine Altstadt, 22.000 Studenten und mische die Zutaten ordentlich durch. Das Ergebnis: Pulsierendes Leben in historischer Gemäuern. Dieses besondere Flair mit mediterranem Charakter lockt zig Tausende von Besuchern das ganze Jahr über nach Tübingen.
Wer Tübingen besucht, sollte an drei Dinge denken: Festes Schuhwerk, Zeit und ausreichend Filmmaterial bzw. volle Akkus für digitale Aufnahmen. Das wohl bekannteste und beliebteste Fotomotiv von Tübingen ist die Neckarfront mit dem Hölderlinturm und den Stocherkähnen. Auf Rang zwei der Bildergalerie folgt das historische Rathaus mit der Astronomischen Uhr und dem Markbrunnen im Vordergrund. Im Allgemeinen nehmen Tübingens Gäste an Führungen teil, um Sehenswertes und Geschichte kennen zu lernen. Wer lieber auf eigene Faust die Stadt erkunden möchte, sollte einen Plan haben, damit der fotografische Streifzug ein voller Erfolg wird. Um den perfekten Tag in Tübingen erleben und genießen können, empfiehlt sich die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Anlagensee und Plantanenallee in Tübingen
Ausgangspunkt ist der Bahnhofvorplatz. Der erste Blick nach rechts fällt auf das Epple-Haus mit den markanten Sprüchen in Grafittikunst. Meist unbeachtet bleibt dagegen das Reiterrelief oberhalb der Volksbank an der Ecke Europastraße/Karlstraße. Starten Sie den Rundgang gemütlich entlang des Anlagensees vorbei an alten Kastanienbäumen und Weiden mit tief hängenden Ästen sowie prachtvoll arrangierten Blumenrabatten. Vom linken Seeufer aus bietet die Dannercker'sche Nymphengruppe zu jeder Jahreszeit ein reizvolles Motiv. Am Ende der Anlage bietet die Figur einer knienden Frau einen verträumten Anblick. Folgen Sie dem Weg ein Stück über die Alleenbrücke bis zur Plantanenallee, die mitten im Neckar liegt. Hier stehen das einzige, einer Frau gewidmete Denkmal von Tübingen, das Wildermuthdenkmal und einige Meter weiter seit 1874 der Lehrer und Komponist Friedrich Silcher. Die Plantanenallee ermöglicht einen nahen Blick auf den Hölderlinturm und endet bei der Eberhardsbrücke.
Hier entstehen die Postkartenmotive vom Hölderlinturm, der Neckarfront und den Stocherkähnen. Von der rechten Brückenseite haben Sie einen freien Blick auf das Gebäude der Hochschule für Kirchenmusik und zur Wielandshöhe.
Aufstieg zum Schloss Hohentübingen
Auf der linken Seite biegen Sie in die Neckargasse. Ein fotografisches Highlight ist das Gebäude Nr. 2 aus dem Jahre 1584. Besonders sehenswert ist das Dach, in der Sonne glänzt es fast golden. Weiter führt der Rundgang durch die Bursagasse. An der Burse, 1478 bis 1482 als Studentenwohnhaus und -lehranstalt erbaut, erinnert die alte Tafel in Buntsandstein an Melanchton (geb. 1497), der hier 1514 seine Magisterprüfung ablegte und bis 1518 lehrte. Bevor der Aufstieg zum Schlossberg beginnt, beeindruckt das imposante Gebäude des evangelischen Stifts den Betrachter. Ein Abstecher hoch zur Neckarhalde belohnt mit dem Blick auf die Sonnenuhr an der Rückseite des Gebäudes. Zurück in der Bursagasse führt der Weg hinauf zum Schloss Hohentübingen. Sie werden mit einem herrlichen Panoramablick belohnt. Durch das um 1606 errichtete Renaissanceportal gelangen Sie in denn Innenhof. Hier steht eine Nachbildung der aus Mammutelfenbein geschnitzten Pferdeskulptur; Aurignacien, 30-36.000 Jahre alt aus der Vogelherd-Höhle.
Historische Altstadt
Hinter dem Brunnen führt eine Treppe durch enge Gänge als Teil des Wanderweges zur Wurmlinger Kapelle zur Schlossrückseite, der Kapitänsweg rechts bringt Sie in die Unterstadt und endet in der Haaggasse, Sie biegen links ab bis zum Haagtor und bei der nächsten Querstraße rechts befinden Sie sich in der Ammergasse. Mit den kleinen Stegen als Verbindung zu den Häusern ein beliebtes Fotoobjekt. An der Krummen Brücke gehen Sie links weiter durch die Schmiedtorstraße. Hier steht ein besonderes Kleinod, das Bürgeramt von Tübingen. Kleine Abstecher in die Seitenstraße wie Jakobsgasse, Am Kleinen Ämmerle oder die Hohentwiel Gasse bieten mit alten Straßenlaternen, liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern und Blumenschmuck zauberhafte Motive, die meist unentdeckt bleiben. Hinter dem Bürgeramt biegen Sie in die Bachgasse und gleich rechts Zur Fruchtschranne ein als Verbindungsstraße zur Kornhausstraße. Auf der linken Seite verbindet die Architektur des Stadtmuseums alte Bausubstanz mit modernen Glaselementen. Am Ende stoßen Sie auf die Hirschgasse, der Sie einige Meter rechts abbiegend folgen.
Weitere sehenswerte Gebäude und Plätze
Der Rundgang verläuft links durch die Collegiumsgasse mit dem Wilhelmsstift, einer ehemaligen Ritterakademie für protestantische Adelige und seit 1817 Ausbildungsstätte für katholische Theologen. Sie gehen weiter in die Hafen Gasse bis zum Pfleghof und die Gasse hinunter zum Holzmarkt. Überall gibt es Gedenktafeln, interessantes Fachwerk, schöne Fresken und noch alte Reklameschilder zu entdecken und zu fotografieren. Am Holzmarkt ragt mächtig die Stiftskirche empor und gegenüber steht das Heckenhauer Haus, in dem Hermann Hesse seine Buchhändlerlehre absolviert hat. Noch einmal führt der Weg hinauf rechts am Brunnen durch die Münzgasse bis zum Marktplatz und zum historischen Rathaus. Hinter dem Rathaus können Sie den Unterschied zwischen fränkischem und alemannischem Fachwerk entdecken. Über die Kirchgasse, den Holzmarkt und die Neckargasse bringt Sie der fotografische Rundweg zurück zum Ausgangspunkt. Oder Sie gönnen sich zum Abschluss eine Stocherkahnfahrt rund um die Platanenallee und lassen Tübingens einmalige Neckarfront an sich vorübergleiten. Sie entdecken garantiert noch weitere Motive.
