Tulum - Die Maya-Ruine direkt am Meer

Ruinen von Tulum in Mexiko - Constanze Ließ
Ruinen von Tulum in Mexiko - Constanze Ließ
Die Maya-Ruinen von Tulum in Mexiko thronen direkt über einem traumhafen Strand in der Karibik. Eine einmalige Kombination aus Archäologie und Badeausflug.

Hätte man als alter Maya-Herrscher in Mexiko die Wahl gehabt, man hätte vermutlich seine Stadt ebenfalls direkt an einem feinsandigen Strand der Karibik aufgebaut. Etwa um das Jahr 1000 müssen die ersten Siedler des späteren Tulum genau das für eine gute Idee gehalten haben, als sie sich auf den Felsen vor traumhafter Kulisse am Golf von Mexiko niederließen. Heute liegen jede Menge moderner Resorts und Touristenorte nicht weit von Tulum und machen es zu einem viel frequentierten Ausflugsziel für Urlauber.

Geschichte der Ruinenstätte Tulum

Wahrscheinlich nannten die frühen Maya-Siedler ihren Ort Zama (Stadt der Morgenröte). Während seiner Blütezeit im 13. und 14. Jahrhundert war es eine der bedeutendsten Städte auf Yucatán. Die prominente Lage am Golf von Mexiko begünstigte die Stellung des später Tulum (Die Festung) getauften Ortes als wichtiger Handelspunkt.

Als im 16. Jahrhundert die Spanier auf dem amerikanischen Kontinent einfielen, war Tulum - anders als viele andere Maya-Siedlungen in Mittelamerika - noch immer eine lebendige Stadt und religiöse Stätte, wenn sie auch ihre Blütezeit bereits hinter sich hatte.

Die Entdeckungsreisenden John Lloyd Stephens und Frederick Catherwood besuchten Tulum im Jahr 1842 und lenkten die Aufmerksamkeit der Welt auf die schlummernde Ruinenstadt am Meer. 1916 begannen Archäologen mit Ausgrabungen, welche bis dato nicht abgeschlossen wurden.

Die Maya-Ruinen von Tulum in Mexiko

Der postklassische Architekturstil, welcher die Gebäude Tulums kennzeichnet, kann einem Vergleich mit den kunstvollen Reliefs früherer Maya-Architektur wie in Chichén Itzá oder Uxmal nicht standhalten. Kleine klobige Gebäude thronen auf schlichten Plattformen, besonders bemerkenswert sind lediglich die Befestigungsmauer um den Kultbereich und die verblassten Wandmalereien im Templo de los Frescos. Zweifellos zeichnet doch die einmalige Lage von Tulum für seine magnetische Wirkung auf Touristen verantwortlich.

Die einzelnen Gebäude in Tulum stehen verstreut auf gepflegten Rasenflächen, wo sie teilweise eher wie dekorative Parkarrangements wirken. Fast alle Stukturen dürfen heute nicht mehr betreten werden und sind weiträumig abgesperrt. So kann man die Malereien an den Innenwänden des Templo de los Frescos nur mit gutem Auge erkennen. Die Casa de las Columnas (Haus der Säulen) im Zentrum der Anlage veranschaulicht einen Baustil, welcher erst mit den Tolteken um das Jahr 900 nach Yucatán kam. Auch am Palacio del Gran Sacerdote (Palast des Hohepriesters) nebenan erkennen Architekturinteressierte einen toltekischen Einfluss. Am El Castillo, dem einst wichtigsten Zeremonialbau Tulums, sind die Schlangenreliefs an den Säulen gut erhalten geblieben.

Der Templo del Dios de los Vientos (Tempel des Windgottes) überblickt das Meer in der nordöstlichen Ecke des Areals, im Südel stehen die Überreste des Templo del Mar (Meerestempel) an ähnlich eindrucksvoller Stelle.

Besuch der Ruinen von Tulum auf Yucatán

Die Ortschaft Tulum mit ihrem Unterkunfts- und Gastronomieangebot lebt fast ausschließlich vom Tourismus, aber auch von Playa del Carmen nördlich der Ruinen erreicht man die Stätte in einer guten Dreiviertelstunde. Für Selbstfahrer mit Mietwagen steht ein geräumiger Parkplatz zur Verfügung. Die Colectivos, die öffentlichen Minibusse, pendeln den ganzen Tag zwischen Tulum und Playa entlang der MEX 307. Man braucht nur dem Fahrer zu sagen, dass man an den Ruinas aussteigen möchte. Allerdings fahren die öffentlichen Verkehrsmittel nicht bis zum Eingang, sondern es bleibt ein Weg von gut einem Kilometer zu laufen. Souvenirshops, Restaurants und Kokosnuss-Verkäufer lassen es unterwegs nicht langweilig werden. Fußfaule können sich aber auch von der Bimmelbahn fahren lassen.

Während die Ruinen selbst weniger beeindrucken als anderswo auf Yucatán, bleibt die Lage am karibischem Strand mit türkis hereinplätscherndem Wellengang konkurrenzlos. Der Sandstreifen zieht sich schmal zu den Klippen hin, Felsblöcke verleihen ihm eine leicht wilde Atmosphäre.

Die romantische Optik von Tulum konnte schwerlich ein Geheimnis bleiben und so schwemmen jeden Tag nicht abreißen wollende Besucherströme über die archäologische Stätte. Badende sollten unbedingt darauf achten, keine wertvollen Gegenstände ohne Aufsicht liegen zu lassen, denn wo sich viele Touristen tummeln, bleiben Langfinger meist nicht fern.

Öffnungszeiten: Täglich 8 - 17 Uhr

Abends findet eine Light and Sound Show statt.

Lesen Sie auch über die Kolonialstädte Mérida und Campeche auf Yucatán sowie den geheimnisvollen Kalender der Maya.

Buch zum Thema

  • DUMONT Reise-Taschenbuch Yucatán & Chiapas, Autor: Hans-Joachim Aubert, DUMONT Reiseverlag 2009, ISBN 978-3770172863
Constanze Liess, Constanze Liess

Constanze Ließ - Constanze Ließ studierte Journalismus an der Freien Journalistenschule Berlin. Sie bringt ihre Erfahrungen aus anderen Ländern ...

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