Tunesiens Geschichte im Überblick

Geschichte Tunesiens, Ribat von Monastir - Elke Geyer
Geschichte Tunesiens, Ribat von Monastir - Elke Geyer
Tunesien hat eine wechselvolle Geschichte der Fremdherrschaft hinter sich: Phönizier, Römer, Vandalen, Araber, Türken und Franzosen rangen um die Macht.

Tunesien war schon in der Altsteinzeit besiedelt, wovon die ältesten Funde aus dem Süden des Landes in der Region um Gabèz zeugen. Hier fanden sich Werkzeugreste, deren Alter auf 100.000 bis 150.000 Jahre datiert wird. Seit etwa 8000 vor Christus fanden die Menschen ihr Auskommen als Jäger in den damals noch tierreichen Savannen. Die fortschreitende Austrocknung der Sahara bewirkte ab dem sechsten Jahrtausend eine Völkerwanderung in Richtung der nördlichen Küstenregionen. Dort vermischte sich die Bevölkerung zu neuen Stämmen, die von den Römern später als Numidier oder Nubier bezeichnet wurden. Daneben leitet sich auch der heutige Ausdruck Berber vom römischen Begriff „Barbari“ für alle Ureinwohner Nordafrikas ab.

Die phönizische Gründung Karthagos und die römische Zerstörung

Im zehnten vorchristlichen Jahrhundert landeten Phönizier aus dem östlichen Mittelmeerraum an den tunesischen Küsten und gründeten um 814 vor Christus die Stadt Karthago. Die folgenden Jahrhunderte waren durch dauernde Scharmützel mit angreifenden Persern und Griechen gekennzeichnet, die die mächtigen Karthager immer wieder abwehren konnten, bis die römische Invasion sie dauerhaft in Atem hielt.

Nachdem Karthago im Dritten Punischen Krieg 146 vor Christus vollständig zerstört worden war, verlegten die Römer die Hauptstadt nach Utica, während sie Karthago prachtvoll wieder aufbauten. Die Provinz Afrika entwickelte sich zur reichsten und schönsten der römischen Kolonien, deren Einfluss innerhalb des Reiches so weit stieg, dass im Jahr 193 nach Christus sogar der Afrikaner Septimius Severus zum römischen Kaiser wurde. Die Fruchtbarkeit dieses Landstrichs resultierte unter anderem aus der landwirtschaftlichen Vorarbeit der Karthager. Deren 28-bändiges Werk über Ackerbau und Weinbau hatten die Römer glücklicherweise als „De re rustica“ übersetzt und erhalten, so konnten sie zum Beispiel die ertragreichen Weinberge im nördlichen Küstenbereich schnell wieder zu voller Pracht kultivieren.

Herrschaft der Vandalen und Byzantiner in Tunesien

Im Zuge der Christianisierung des römischen Reiches kamen erste Unruhen schon im zweiten nachchristlichen Jahrhundert auf. In Afrika waren christliche Missionare bereits ab 100 nach Christus aktiv. Infolge der Anerkennung des Christentums durch Kaiser Konstantin 313 wurde der Friede immer wieder durch Überfälle benachbarter Berberstämme erschüttert, bis mit dem Niedergang des weströmischen Reiches das totale Chaos eintrat. Einfallende Hunnen und Vandalen besetzten Anfang des fünften Jahrhunderts die Küstenregion und Geiserich gründete 439 den ersten Germanenstaat in Afrika. 533 nach Christus landeten die Byzantiner bei Monastir, vertrieben die Vandalen und bemühten sich, die altrömische Ordnung wieder herzustellen. Im konfliktgebeutelten Land mit rivalisierenden religiösen Gruppen hielt aber auch die byzantinische Vormachtstellung nicht lange an.

Arabische Eroberung und französische Besatzung

Im siebten Jahrhundert wurde Tunesien von den Arabern erobert, die die ansässigen Berber schnellstens zwangen, zu konvertieren. Verschiedene muslimische Dynastien wechselten sich über die nächsten Jahrhunderte an der Herrschaft ab, bis 1159 marokkanische Almohaden-Kalifen eine kurze normannische Kontrolle der Küsten übernahmen. Wiederum verdrängten die einheimischen Hafsiden die marokkanischen Besatzer, bevor die Türken im 16. Jahrhundert einfielen. Die türkischen Beys regierten Tunesien von 1705 bis zur Unabhängigkeit, während im späten 19. Jahrhundert zusätzlich die französische Fremdherrschaft einsetzte.

Ab 1869 kontrollierten die Franzosen bereits die tunesischen Finanzen, nachdem die Beys das Land in eine heikle Staatsverschuldung geführt hatten. Tunesische Angriffe auf das französisch besetzte Algerien nahmen die Franzosen als Anlass zum Einmarsch und zwangen die Beys zur Unterzeichnung der Verträge von Bardo und Mersa (1881 und 1883), durch die Tunesien zum französischen Protektorat wurde.

Die Unabhängigkeit Tunesiens: Habib Bourguiba und die Neo-Destour-Partei

Der Rechtsanwalt Habib Bourguiba gründete in den 1930er Jahren die Neo-Destour Partei, die sich der tunesischen Unabhängigkeit verschrieben hatte. Zahlreiche Verhaftungen machten den charismatischen Politiker immer populärer, bis er 1956 nach Verhandlungen mit den Franzosen aus der Haft heraus die entscheidenden Weichen gestellt haben soll und als Unabhängigkeitsheld in einem grandiosen Triumphzug nach Tunis zurückkehrte.

Bourguiba wurde der erste Präsident Tunesiens und sorgte in den Anfangszeiten seiner Regierung für einige bahnbrechende Modernisierungen, so setzte er sich vor allem für die Gleichberechtigung der Frauen, Bildungsmöglichkeiten für alle und ein funktionierendes staatliches Gesundheitswesen ein. In den letzten Jahren seiner Amtszeit war er wegen Senilität jedoch kaum noch in der Lage, die Regierung zu leiten, sodass schließlich die Amtsübernahme durch Zine el-Abidine Ben Ali 1987 von der Bevölkerung erleichtert aufgenommen wurde.

Ausnahmezustand mit neuen Perspektiven seit der Jasminrevolution

Nach 23 Jahren diktatorischer Herrschaft, die zuletzt vor allem in den Händen der Familie Leila Trabelsis, der zweiten Ehefrau Ben Alis, lag, befreiten sich die Tunesier im Januar 2011 mit gewaltlosen Protesten von ihrem durch Wahlbetrug an der Macht gehaltenen Regime. Das gefürchtete Chaos eines Bürgerkrieges blieb aus, vielmehr existiert das Land seitdem de facto führerlos und ohne funktionierende Exekutive friedlich vor sich hin. Ungebrochen herrscht allseits die Hoffnung auf eine dauerhaft stabile Demokratie, das Bedürfnis nach Selbstbestimmung kennt nach jahrhundertelanger Fremdherrschaft und Tyrannei keine Grenzen mehr.

Quellen:

Elke Geyer, Elke Geyer

Elke Geyer - Ich erblickte 1974 in Hildesheim das Licht der Welt und entschied mich nach der Schulzeit zunächst für die Juristenlaufbahn. ...

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