
- Digitale Welt - Tom Koehler, Hamburg
Laut einer EMNID-Studie ist die Hälfte der Bundesbürger gegen eine Darstellung der Häuser und Straßen via Google Street View. EMNID führte die Studie für die BILD am Sonntag (BAMS) durch. BILD googelt zurück - zeigt Häuser der Manager dieser Firma. Ist der Unterschied zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung deutlicher, als einem lieb ist? Sicherlich gibt es Interessengruppen, die dank medialem Sprachrohr wirksam ihre Bedenken anmelden. Die Grundbesitzer bemängeln die viel zu kurze Einspruchsfrist, Politiker profilieren sich mit dem Thema und legen sich mit Google öffentlich an. Der Mehrheit der Bürger sind die Details zum Dienst von Google weniger bekannt - uns sie lassen sich von den Medien beeinflussen.
Onliner gehen positiv mit Google um
Die Netzgemeinde gibt sich da offener, teilt ihre Meinungen via Twitter und Facebook mit. Im Netzwerk Facebook gibt es eine Seite mit knapp 16.000 Freunden. Ihr Name: GidF - Google ist dein Freund. Die Seite "Google Street View" im sozialen Netzwerk hat fast 12.000 Freunde. Die Twitterati, also die Elite der Nutzer des Kurznachrichtendienstes Twitter, gehen mit den Street View-Verweigerern hart in´s Gericht. Sprüche wie: "Ich freue mich darauf, dass man anhand der verpixelten Häuser auf Google Street View in Zukunft erkennen kann, wo Politiker wohnen" oder "Durch StreetView-Schwärzungen kann man bald die Häuser der Reichen und der BILD-Leser orten. Hat jemand die Telefonnummer von Al-Qaida?", sind deutlich.
Auch der Humor kommt bei den netzaffinen Usern nicht zu kurz: "Wann kommt denn endlich das Google-Auto? Ich kann doch nicht die ganze Nacht mit dem NICHTLUSTIG-Werbeschild hier auf der Strasse stehen. " oder "Brauche Friseurtermin, Gärtnertermin, Autowaschtermin, Fensterputztermin .... google street view kommt!" Spezialisten habe sich schon daran gemacht, Seiten mit den witzigsten Street View-Bildern zusammenzustellen. Blogs (elektronische Tagebücher) und Artikel von Online-Journalisten begleiten die Entwicklung. Der Bild-Blog von Stefan Niggemeier macht sich über die Wissenslücken der Bild-Leser lustig. Artikel, wie "Pro Google Street View" von Anatol Stefanowitsch kursieren via Tweet oder Facebook-Link massenhaft im Netz.
Deutschland einig Surferland
Passend zu den Aktivitäten der User gab der Bundesverband der Informationswirtschaft BITCOM am 15.8.10 bekannt, dass zehn Millionen Menschen das Internet mobil, also über Smartphones, nutzen. Diese Entwicklung wird sich noch weiter beschleunigen. Die Nutzung des Internets erfolgt auch am Arbeitsplatz oder im privaten Bereich. Sie erreicht einen Stand von 50 Millionen Bundesbürgern, fast 70 Prozent der Bevölkerung. Die Dienste, wie Google Street View, werden verstärkt angenommen. Neben dem Navigationsprogramm gibt es von Google inzwischen auch Applikationen, wie Übersetzer, News, Bilder und Blogs. Es ist nicht abzusehen, was für Dienste weiter dazukommen.
Wenn also Millionen Bürger online sind, und Dienste nutzen, soll die Mehrheit nun auf einmal gegen Street View sein? Eine Vielzahl der Nutzer stellen mittlerweile nicht unerhebliche Mengen privater Daten ins Netz. Über Lokalisierungsdienste wie Foursquare werden Standorte der Nutzer freigiebig preisgegeben. Mobile Endgeräte speisen einen unendlichen Datenstrom ins Netz. Mit geringem Aufwand lassen sich damit sogar Bewegungsprofile erstellen.
Ist Google alleine?
Alternative Dienste werden in der aufgeheizten Stimmung gar nicht wahrgenommen. So haben sich die Medien auf Google gestürzt, aber ähnliche Produkte, wie Sightwalk oder die GEO MARKET BASE der Schober Group mit 19 Millionen bewerteten Häusern in Deutschland sind ausgeblendet. Google erklärt in wenigen Abschnitten seine Aktivitäten. Neben den Erläuterungen zu seinem Dienst werden weitere Fragen - auch zum Datenschutz - beantwortet. Zu verstehen ist die Aufgeregtheit kaum, da Google ja das Recht einräumt, Bilder aus der Datenbank entfernen zu lassen. Hinzu kommt, dass es sich nicht um bewegte Bilder handelt. Die Aufnahmen sind Fotos, sie werden auch so schnell nicht aktualisiert. Das wiederum kann der Eigentümer selbst. Wenn ihm daran gelegen ist, sein Haus zum Beispiel nach der Renovierung im besten Licht darzustellen, kann er ein Bild via Google einfügen. Die Fangemeinde verschiedener Dienste lebt schon in einer digitalisierten Welt. Der technische Fortschritt wird weitere hinzukommen lassen.
