
- Renovierungsbedürftiges Bad: Geschmackssache - Tamarida, Pixelio
Im Vordergrund der Sendung "mieten, kaufen, wohnen" stehen Menschen, die sich nach einer neuen Bleibe umsehen – egal, ob zur Miete oder als Eigentum – wobei ihnen unterschiedliche Immobilienmakler zur Seite stehen. So soll gewährleistet werden, dass jeder Interessent die Immobilie findet, die er sich wünscht. Die Fälle sind allerdings in der Regel frei nacherzählt mit gecasteten Teilnehmern (teils auch Schauspielern), sodass es sich bei der Doku-Soap nicht um ein waschechtes Reality-TV im klassischen Sinne handelt. Ein entsprechender Hinweis ist im Abspann der Sendung zu lesen. Die Makler sind allerdings echt.
Nur scheinbarer Querschnitt der Bevölkerung bei den Umzugswilligen in "mieten, kaufen, wohnen"
Vordergründig wird der Eindruck erweckt, als suche auch Ottonormalbürger mit Unterstützung eines Maklers nach einer Wohnung oder einem Haus. Tatsächlich sind bei den gezeigten, meist nachgestellten Fällen gelegentlich auch normale Durchschnittsbürger wie Handwerker, Auszubildende, Familien mit Kindern und so weiter zu finden.
Dennoch fällt auf, dass Ottonormalbürger bei den gezeigten Fällen eher in der Minderheit ist. In der Sendung vom 22. März 2011 um 18 Uhr wurde beispielsweise die Wohnungssuche eines Jura-Studenten aus Luxemburg gezeigt, der in Trier eine Wohnung bis 800 Euro Warmmiete suchte. Angesichts der Tatsache, dass es sich hier auch um frei nacherzählte Fälle handelt, kann selbstverständlich auch davon ausgegangen werden, dass "exklusive Fälle" wie modelnde Jura-Studenten, ehemalige Models, Rapper und dergleichen wesentlich interessanter für die Zuschauer sind als "durchschnittliche" Teilnehmer.
Fast alle gezeigten Wohnungsinteressenten scheinen ziemlich reich zu sein
Gleichwohl fällt auch auf, dass fast sämtliche in "mieten, kaufen, wohnen" gezeigten Kunden über Geld wie Heu zu verfügen scheinen. Häufig werden Objekte in Betracht gezogen, die entweder mit einer Nettokaltmiete von 2.300 Euro und mehr pro Monat schon das monatliche Einkommen vieler Arbeitnehmer übersteigen oder die einen Kaufpreis von mindestens 500.000 Euro haben. Fälle mit Personen, die über ein durchschnittliches oder geringes Einkommen verfügen, werden eher selten gezeigt, wobei ohnehin fraglich ist, inwieweit jeder Wohnungssuchende einen Makler beauftragt – unabhängig vom monatlichen Einkommen.
Klischees und die Wünsche der Miet- oder Kaufinteressenten
Sowohl in der 18-Uhr-Sendung vom 21. als auch vom 22. März 2011 fiel auf, dass manche Makler zu Klischeedenken neigen und dann ganz erstaunt sind, wenn ihre Kunden die angebotene Wohnung oder das angebotene Haus entgegen bestimmter Stereotypen ablehnen. In der Folge vom 21. März suchte ein angehender Veranstaltungskaufmann nach einer maximal 45 Quadratmeter großen Mietwohnung in Berlin-Neukölln, die nicht mehr als 340 Euro warm kosten sollte. Er hatte seiner Maklerin in diesem Zusammenhang auch ausdrücklich gesagt, dass er sich einen Holzdielenboden wünscht und ein Bad mit Badewanne. Die erste Wohnung, die er gezeigt bekam, erfüllte keine der beiden Wünsche, was für Erstaunen bei der Maklerin sorgte, weil Männer angeblich lieber duschen als baden.
Maklerin Claudia Gülzow suchte in einem Fall in der Sendung vom 22. März 2011 um 18 Uhr für ein schwules Paar ein großes Haus vor den Toren Hamburgs, in diesem Fall in Quickborn. Lediglich weil die beiden homosexuell waren, ging sie davon aus, dass sie mit einem in rosa gehaltenen Bad bei den Kaufinteressenten punkten könne – wohl, weil rosa vielfach als Klischeefarbe für schwule Männer angesehen wird. Umso erstaunter war sie, dass das Bad mit rosa Waschbecken, Wanne und Toilette überhaupt nicht gut bei den beiden Herren ankam.
Fazit zur Doku-Soap "mieten, kaufen, wohnen" auf VOX
Es ist durchaus interessant, verschiedenen Typen von Interessenten bei der Wohnungs- oder Häusersuche beobachten zu können und auch zu sehen, wie manche Wohnungen oder Häuser ausgestattet sind – zumal manche Lösungen tatsächlich originell und ansprechend sind. Allerdings stören die oben genannten Klischees, die manche Makler bei ihren Klienten an den Tag legen, und deren geheucheltes Erstaunen, wenn Kunden eine Wohnung oder ein Haus ablehnen, weil von mehreren Grundbedingungen für eine Anmietung oder einen Kauf noch nicht einmal eine beim vorgeschlagenen Objekt erfüllt wird. Allerdings stellt sich auch die Frage, inwieweit manche Fälle nicht auch durch fingierte Sachverhalte und Erlebnisse aufgepeppt werden, um den Zuschauern einen Mehrwert an Unterhaltung zu bieten.
VOX führt zwar auf seiner Homepage bezüglich der Doku-Soap aus, dass die Makler mit Herzblut alles tun, um die passende Immobilie für ihre Kunden zu finden. Betrachtet man jedoch die Tatsache, dass oft genug manche Kundenwünsche nicht berücksichtigt oder schlecht geredet werden ("Auf die paar hundert Euro kann es doch jetzt nicht ankommen!"), stellt sich eher die Frage, inwieweit manche Makler mehr ihre eigene Provision als ihre Klienten selbst im Blick haben. Auch dies kann selbstverständlich der Tatsache geschuldet sein, dass die Fälle teilweise frei nacherzählt sind und durch manche Kapriolen und Ereignisse publikumswirksam aufgewertet werden.
Allerdings gibt es natürlich auch den umgekehrten Fall, dass der Makler zwar alle Kundenwünsche berücksichtigt hat, der Interessent sich jedoch an Kleinigkeiten stört und nicht bereit ist, kleine Kompromisse einzugehen ("Eine Wohnung ohne Tageslichtbad nehme ich nicht!"), sodass mancher Kunde auch recht schnell divenhaft und übermäßig verwöhnt wirkt, sodass man als Zuschauer eher mit einem amüsierten Kopfschütteln vor dem Fernseher sitzt.
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Bildnachweis:
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Hochhäuser in Erfurt: (c) Karl-Heinz Laube, Pixelio
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