TV-Serie: Die Borgias mit Jeremy Irons auf Pro 7

Soap-lon - Illustration: Friederike Rave
Soap-lon - Illustration: Friederike Rave
Der Inhalt und eine Kritik zur Serie um den berüchtigten Borgia Papst Alexander VI.

Sie werden "Die Borgias" gucken. Wenn Sie ein Fan von "Die Tudors" waren. Oder Sie keine Produktion mit Jeremy Irons verpassen. Oder die Ankündigung von Sex und Gewalt schon genügt, um sie zum Einschalten zu bewegen.

Showtime betreibt Etikettenschwindel

Mit seiner neuen Serienproduktion "Die Borgias" betreibt der US-Kabelsender Showtime Etikettenschwindel. Auf seiner Homepage preist der Sender seine neuste mittelalterliche Serie damit an, dass die skandalöse Geschichte der Borgia-Familie Maria Puzo dazu bewegt hat, "Der Pate" zu schreiben. Desweiteren wirbt der Sender damit, den Oscarpreisträger Neil Jordan als Showrunner gewonnen zu haben. Nicht zuletzt die Besetzung von Jeremy Irons in der Hauptrolle des Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexander VI, soll dem Zuschauer suggeriert werden, dass es sich hier um ein großartiges Geschichtsdrama in Serienform handelt.

"Die Borgias" - Eine Mittelalter -Soap

Neben Neil Jordan ("Interview mit einem Vampir") taucht auch der Name Michael Hirst auf der Seite der Produzenten auf. Aus der Feder des Drehbuchautors stammt die Mittelalter Serie "Die Tudors", die lose auf der Regierungszeit des englischen Königs Henrich VIII basiert. Von 2007-2010 lief diese Eigenproduktion mit sehr guten Zuschauerzahlen auf seinem Heimatsender Showtime. Doch das Charisma ihres Hauptdarstellers Jonathan Rhys Myers und der historische Stoff halfen nicht darüber hinwegzutäuschen, worum es sich bei "Die Tudors" wirklich handelt und in welchem Fahrwasser auch "Die Borgias" schwimmt: Eine mit Sex und Crime angereicherte Mittelalter- Soap.

Jeremy Irons - Das Aushängeschild der Serie

Neil Jordan setzt bei "Die Borgias" ganz auf das Charisma seines Hauptdarstellers Jeremy Irons. Der Engländer Irons, der 1991 für seine Rolle in "Die Affäre der Sunny von B." mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, ist quasi eine sichere Bank für Schurkenrollen. Beispiele hierfür sind seine Auftritte als Gegenspieler von Bruce Willis in "Stirb langsam- jetzt erst Recht" oder als Stimme des bösen Löwen Scar in Disneys "König der Löwen".

Wie schon bei "Die Tudors" kam es bei den Produzenten nicht auf Ähnlichkeit des Schauspielers mit der historischen Persönlichkeit an. Ein Porträt des echten Rodrigo Borgia zeigt dem Betrachter einen fülligen Mann mit runden Gesichtszügen. Vielmehr legten sie Wert darauf, ein Schauspielerschwergewicht in dieser Rolle zu besetzen. Irons hagere Gesichtsform, seine eindrucksvollen, großen braunen Augen und eine bisweilen etwas zu betonte langsame Sprechweise passen gut zu dem diabolischen Charakter des Borgia Papstes. Im Privaten zeigt dieser die typischen Verhaltensweisen eines Seifenoper-Patriarchen: Streng, kontrollierend und gelegentlich zu Mitgefühl fähig.

Der Borgia-Clan und sein Widersacher

Die übrigen Mitglieder der Borgia-Familie unterscheiden sich auch nicht von den typischen Vertretern einer Seifenoper. Da haben wir den ältesten Sohn Cesare (Francois Arnaud), der eigentlich lieber Soldat wäre, sich aber dem Willen seines Vaters fügen muss und sich zum Kardinal ernennen lässt. Cesare pflegt eine inzestuöse Beziehung zu seiner Schwester Lucrezia (Holliday Grainger in der Rolle des blonden Dummchens). Der temperamentvolle Bastard Juan Borgia (David Oakes) wetteifert mit Cesare um die Gunst seines Vaters.Die Leistungen dieser Riege überwiegend europäischer Jungschauspieler beschränken sich auf das Tragen von Renaissance-Kostümen und der fehlerfreien Wiedergabe von auswendig gelernten Dialogzeilen. Colm Feore ("24") als Kardinal Delle Rovere liefert eine zu blasse Vorstellung, um als ernstzunehmender Widersacher des Papstes durchzugehen.

"Die Bogias": Eine prüde, zahnlose und vorhersehbare Kabelserie

Die Handlung der Serial setzt 1492 ein, als der alte Papst stirbt und Rodrigo Borgia mit Hilfe einiger Bestechungsmaßnahmen (gutem Essen, Geld, den Posten des Vizekardinals) schließlich das Amt des Papstes erlangt. Fortan muss Cesare seinen Auftragskiller Micheletto (Sean Harris aus der "Red Riding"-Triologie) im wieder ins Feld schicken, um Rodrigo auf dem Heiligen Stuhl zu halten.

Seifenopern sind immer dann unterhaltend, wenn sie mit vielen überraschenden Wendungen auftrumpfen und Charaktere sich anders verhalten, als der Zuschauer es von ihnen erwartet. "Melrose Place" und "Gossip Girl" sind gelungene Beispiele dafür. "Die Borgias" langweilt schnell, weil es ihr an eben diesen Attributen fehlt.

Auch was die Darstellung von Sex und Crime betrifft, unterwandert "Die Borgias", die an eine Kabelserie gestellten Erwartungen. Zum Vergleich: Bei der Serie "Game of Thrones" gibt es im Pilotfilm viele freizügige Sex-Szenen. Der erste Akt bei "Die Borgias" findet dezent hinter einem Vorhang statt und die Körper sind nur in ihren Umrissen zu sehen. Floß bei "Game of Thrones" gleich literweise das Blut, besonders bei den Gefechtsszenen, wird bei "Die Borgias" überwiegend sauber, bevorzugt durch Gift, gemordet.

Die Kurz-Kritik zu "Die Borgias"

"Die Borgias" überzeugt weder als hochkarätiges Drama noch als trashige Mittelalter-Soap. Höchstens Hardcore-Fans des Genres dürften hier unterhalten werden.

Harald von Treuenfels, Fotograf: Horst Werner

Harald von Treuenfels - Mitte der 1990er Jahre entdeckte ich meine Leidenschaft zum Film, die mit einem wöchentlichen Besuch im Kino kultiviert wurde. Damals ...

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