Die Diskussionen sind unter anderem damit zu begründen, dass die katholische Kirche gerade wegen des heute immer noch praktizierten Exorzismus bereits seit Jahrzehnten in der Kritik steht, da die meisten Menschen davon ausgehen, dass „Besessenheit“ nicht auf tatsächliche Besessenheit von Dämonen oder vom Teufel zurückzuführen ist, sondern auf psychische und/oder hirnorganisch bedingte Erkrankungen und Symptomatiken wie zum Beispiel Schizophrenie, Paranoia, wahnhaftes Erleben, Tourette-Syndrom, Epilepsie und vieles mehr.
Realität und Fiktion: Teufelsaustreibung
In dem Film wird das vom Teufel besessene Mädchen jedoch so dargestellt, als wäre ihr Verhalten nicht auf eine psychische Erkrankung, sondern auf eine tatsächliche Besessenheit zurückzuführen. Allerdings kann Kritikern an dieser Stelle entgegen gehalten werden, dass die Handlung des Films nicht auf Tatsachen basiert und Satan lediglich als bekanntes Symbol des Bösen verwendet wurde. Im Film selbst fand sich kein Hinweis darauf, dass irgendeine, der an der Entstehung beteiligten Personen tatsächlich an die Existenz Satans glaubt. Kritiker mögen anführen, dass gerade die Darstellung der Besessenheit den Glauben der katholischen Kirche an die Sinnhaftigkeit des Exorzismus untermauert.
Die Handlung von "Der Exorzist"
Der Film spielt zunächst im Nord-Irak, wobei im Mittelpunkt ein alternder, kränklicher Archäologe steht, der an Ausgrabungen beteiligt ist, wobei antike Grabstätten für ihn eine besondere Rolle spielen. Erst im letzten Drittel des Films erfährt der Zuschauer, dass es sich bei dem alten Mann, der den Irak schließlich Richtung USA verlässt, um Pater Malin (Max von Sydow) handelt, einen der Geistlichen, der später an der Teufelsaustreibung beteiligt ist.
Die Handlung schwenkt schließlich nach Georgetown bei Washington, wo die 13-jährige Regan (Linda Blair) mit ihrer Mutter und mehreren Hausangestellten in einem Haus an einer langen, steilen Treppe lebt. Regan ist zunächst ein ganz normaler, fröhlicher, lebhafter Teenager, der eines Tages im Keller ein altes Ouja-Brett findet, sich über die Bedeutung des „Spiels“ aber nicht im Klaren ist. Nach und nach schleicht sich das Grauen ein, denn erst möchte Regan nicht mehr in ihrem eigenen Bett schlafen, da dieses ohne ersichtlichen Grund wankt, sie beginnt, obszöne Wörter auszustoßen, sich vulgär zu benehmen, hat Anfälle und wird zunehmend aggressiver. Nach und nach verändert sich auch ihr Äußeres – sie entwickelt sich von einem niedlichen Teenager zu einer Gestalt mit toten, grünen Augen und ihr Gesicht ähnelt mehr und mehr einer Fratze.
Von der Medizin zum Exorzismus: Entwicklungen in der Handlung
Die Ärzte vermuten zunächst ein psychisches Problem, aber die hirnorganischen Untersuchungen ergeben keine auffälligen Befunde, die auf eine psychische Krankheit oder ein Anfallsleiden schließen lassen. Nachdem kein Mediziner dem Mädchen helfen kann, erhält Regans Mutter von einem Arzt den Tipp, sich an Pater Damian zu wenden, einen etwas unorthodoxen Geistlichen, der nicht nur Theologe, sondern auch ausgebildeter Psychiater und Boxer ist. Pater Damian ist zwar selbst durch den Tod seiner Mutter psychisch angeschlagen, begutachtet Regan dennoch und kommt trotz anfänglicher Skepsis zu dem Ergebnis, dass alle Kriterien für eine Besessenheit erfüllt sind. Nachdem er die Erlaubnis vom Bischof erhalten hat, wird ihm Pater Malin an die Seite gestellt, damit sie gemeinsam Regan den Teufel austreiben. Den beiden gelingt es schließlich tatsächlich, dem Mädchen den Teufel auszutreiben, beide Pater lassen jedoch dabei ihr Leben. Regan kann sich zum Glück später an nichts mehr erinnern, weder an den Exorzismus selbst, noch an die Phase, als sie vom Teufel besessen war.
Spannungs- und Handlungsaufbau im Horrorfilm "Der Exorzist"
In der ersten halben Stunde ist der Film nur mäßig spannend, zumal zunächst kein Bezug zwischen der Eingangssequenz im Nord-Irak und der Besessenheit von Regan hergestellt werden kann. Das Ouja-Brett als Zukunftsorakel mag zwar wie ein dramaturgisch geschickter Schachzug anmuten, um wahrscheinlich als Symbol für Regans Kontakt mit dem Okkulten und dem sich daraus ergebenden Kontakt mit dem Teufel zu dienen. Richtig überzeugend wirkt der Zusammenhang zwischen Ouja-Brett, Alpträumen von Satan und anschließender Besessenheit aber nicht.
Die Spannung des Films lebt hauptsächlich von teilweise drastischen Szenen mit Schreien, viel Blut (beispielsweise entjungfert sich die besessene Regan selbst mit einer Schere und sticht immer wieder zu) und erbrochenem grünen Schleim sowie von massiven Obszönitäten, die Regan im Rahmen ihrer teuflischen Besessenheit von sich gibt. Auch die Durchführung des Exorzismus-Rituals in Form von ständig wiederholten Gebeten und Segnungen mit Weihwasser zerrt ebenso an den Nerven wie die List des Teufels, mit der er versucht, die beiden Geistlichen von ihrem Plan abzubringen, ihn auszutreiben.
Das große Finale - das Ritual zeigt die gewünschte Wirkung
Der Teufel fährt schließlich aus Regan aus, um dann kurzfristig in Pater Damian zu schlüpfen, der vom Teufel aus einem geschlossenen Fenster gestürzt wird und die lange, steile Treppe hinunterfällt, bis er schließlich tot auf dem Boden aufschlägt. Auch diese Sequenz wirkt zum Teil ein wenig weit hergeholt – in Regan manifestiert sich Satan, weil sie mit dem Ouja-Brett gespielt hat und der Pater wird ohne Vorwarnung von ihm getötet. Genauso gut hätte sich der Teufel nun in dem Geistlichen selbst manifestieren können – oder ist die Tötung des Paters als Satans Rache zu verstehen?
Der Film an sich zerrt zwar aus den oben genannten gründen an den Nerven, die dramaturgischen Schwächen werden jedoch durch drastische Darstellungen von Besessenheit und Gewalt nicht unbedingt ausgeglichen.
