Die Idee ist nicht neu: Schon in älteren Horrorfilmen wie beispielsweise "Shining" (1977) von Kult-Regisseur Stanley Kubrick, "Landhaus der toten Seelen" (1977), "Der Amityville Horror" (1978) und "Poltergeist" (1983) stehen Häuser im Mittelpunkt, in denen es spukt und die ein gruseliges Eigenleben entwickeln. Im Gegensatz zu "Haus der Verdammnis" sind jedoch "Poltergeist", "Der Amityville Horror" und "Shining" (in der Original-Version mit Jack Nicholson) wesentlich spannender als "Haus der Verdammnis". "Das Landhaus der toten Seelen" mit Karen Black, Bette Davis und Oliver Reed in den Hauptrollen zählt zwar auch zu den schwächeren Filmen seines Genres, vermag jedoch trotzdem mehr Grusel zu verbreiten.
Plot zu "Haus der Verdammnis" von Stephen King
Der Film "Haus der Verdammnis" basiert auf einem Buch von Stephen King, der im Film einen Kurzauftritt als Pizzabote hat. Wie schon bei einigen anderen Verfilmungen seiner Bücher ist festzustellen, dass die meisten seiner Bücher besser waren als die dazugehörigen Filme (zum Beispiel "Friedhof der Kuscheltiere" oder "Cujo", auch wenn beide Streifen durchaus unheimlich waren).
Der Plot von "Haus der Verdammnis"
Die umstrittene Parapsychologin Joyce Reardon (Nancy Travis) möchte das im Jahr 1909 in Seattle erbaute Haus "Rose Red" zum Gegenstand ihrer Forschung machen, da es dort immer wieder zu mysteriösen Todesfällen beziehungsweise zum Verschwinden von Besuchern gekommen ist. Joyce ist mit dem letzten Überlebenden der Familie Rimbauer, die dieses Haus hat erbauen lassen, liiert, wobei Steve bereits zu Anfang des Films die Vermutung äußert, dass sie gar nicht um seinetwillen mit ihm zusammen ist, sondern nur, weil sie durch ihn Zugang zu Rose Red bekommt.
Unterstützt wird Joyce von ihrem Freund Steve sowie einer Gruppe von telepathisch und telekinetisch begabten Menschen. Im Mittelpunkt steht hierbei das junge Mädchen Annie, dem Joyce zutraut, Rose Red wieder zum Leben zu erwecken, damit sie nachweisen kann, dass es in dem sich ständig selbst erweiternden Anwesen tatsächlich Geister gibt.
Natürlich hat Joyce auch zwei Gegenspieler: Den Leiter der Psychologischen Fakultät der Universität Seattle, Dr. Miller, sowie einen von Dr. Miller beauftragten Studenten namens Steven Bollinger. Sowohl Dr. Miller als auch Steven Bollinger wollen Joyce als Schwindlerin oder Geisteskranke entlarven. Beide kommen im Laufe des Films in Rose Red ums Leben, genau wie einige Mitglieder der Gruppe, die Joyce und Steve in das gespenstische Anwesen Rose Red begleitet haben.
Vorhersagbarkeit des Endes von "Haus der Verdammnis"
Spätestens nach 30 Minuten ist dem Zuschauer klar, wie der Film enden wird: Die "guten" Mitglieder der Forschergruppe kommen rechtzeitig aus dem Haus raus, bevor dieses der Abrissbirne zum Opfer fallen soll, aber Joyce ist so besessen von ihrem Forschungsgegenstand, dass sie trotz der Todesfälle in ihrer unmittelbaren Umgebung bleibt und dies schließlich mit ihrem Leben bezahlt, da die untoten Seelen auch über sie herfallen. Lediglich Steve, Annie, deren ältere Schwester Rachel und zwei weitere Mitglieder der Gruppe überleben.
Fehlende Schockeffekte
Die Handlung ist fast stets vorhersehbar. Schon bevor überhaupt irgendetwas Essentielles passiert, weiß der Zuschauer, dass gleich etwas passieren wird. Wenn die untoten Gestalten mit ihren verwesten Gesichtern und Vampir-Zähnen ins Bild kommen, fühlt man sich auch hiervon nicht geschockt, und auch das liegt nicht nur an der Vorhersehbarkeit der Handlung. Die Zombies an sich schocken nicht, trotz ihrer klischeehaften Aufmachung mit unheimlichen leeren Augen, halb verwesten Gesichtern und Reißzähnen.
Als dramaturgisches Mittel kommt zwischenzeitlich undeutliches Stimmengewirr wie aus einer anderen Welt zum Einsatz, doch auch dies kann nicht schockieren, genauso wenig wie die Tatsache, dass große Teile des Films im Dunkeln oder Halbdunkeln spielen.
Auch an den Nerven zerrende Musik wie etwa bei Steven Spielbergs "Jaws", Alfred Hitchcocks "Psycho" oder John Carpenters "The Fog – Nebel des Grauens" fehlt in dem Film völlig, was die Spannung vermutlich zumindest in Teilen gesteigert hätte.
Klischeebeladene Figuren im Haus der Verdammnis
Die Figuren wirken teilweise sehr eindimensional, sodass recht schnell ausgemacht werden kann, wer gut und wer böse ist. Bei Joyce wird recht schnell klar, dass ihr wissenschaftliches Interesse an Rose Red eher an Fanatismus grenzt, dem schmierigen Studenten Steven Bollinger traut man sofort die Rolle des durch seinen Professor korrumpierten Bösewichts zu, der seinen Unglauben an Übersinnliches mit dem Leben bezahlen muss, Professor Miller selbst wirkt wie ein farbloser, ständig rational denkender Anzugträger, der nur an seinen eigenen (finanziellen) Vorteil denkt und Steve Rimbauer kommt von vornherein sympathisch und unbestechlich rüber, da er schließlich die Geschichte seiner Familie und des Hauses kennt.
Die Mitglieder der telepathisch und telekinetisch begabten Forschergruppe erwecken den Eindruck, als wenn sie außer ihrer besonderen Begabung keine weiteren Talente und markanten Charakterzüge hätten: eine blonde, sympathische Dame, die von den Geistern in einen männermordenden Vamp verwandelt wird, eine ältere, unscheinbare Frau mit Hornbrille und bravem Pagenkopf, ein adipöser, esssüchtiger Neurotiker, der ein inzestuöses Verhältnis zu seiner Mutter zu haben scheint. Gut und böse werden hier sehr eindeutig gegeneinander abgegrenzt, obwohl sich jeder Mensch je nach Situation sowohl gut als auch böse verhalten kann und über ein ganzes Repertoire an Verhaltensweisen verfügt.
