
- Landestypische Küche in der alten Mühle von Pina - Wilhelm Ruprecht Frieling
Weitgehend in Vergessenheit geraten sind die klassischen mallorquinischen Gerichte, die es früher in jedem Dorf gab. Sie wurden verdrängt von Fast-Food-Buden und touristengerechten Sättigungsstuben, die zwar vorgeben, inseltypische Küche zu servieren, tatsächlich aber nur einen jämmerlichen Abklatsch der einstigen kulinarischen Vielfalt bieten.
Familientradition in Pina
Seit 1978 betreibt der Mallorquiner Matias Andreu in Pina ein Restaurant, das sich der klassischen Inselküche verschrieben hat. Pina ist ein klitzekleiner pittoresker Ort, der in kaum einem Reiseführer erwähnt wird. Das Dorf liegt unberührt vom Massentourismus nahe Palma in der Nähe von Sineu Richtung Algaida. Hier pulst noch das ursprüngliche mallorquinische Leben mit seiner wunderbaren Kultur und seinem atemberaubenden Flair. Kunstfreunde schätzen das größte Fresko der Insel in der dortigen Pfarrkirche.
Andreu residiert in der mitten in Pina gelegenen Getreidemühle aus dem Jahre 1826 und ist damit leicht auffindbar. Das nach der Mühle „Es Moli de Pina“ benannte Lokal bietet 60 Innenplätze, getrennt nach Rauchern und Nichtrauchern sowie 15 Plätze in einem lauschigen Patio, die bei gutem Wetter heiß begehrt sind.
Die Karte, die der Chef auf Mallorqui sowie auf Deutsch und Englisch vortragen kann, umfasst klassische Gerichte, die Mutter Margarita Amengual gemeinsam mit Koch Joan Rebassa am Herd nach alter Art zuzubereiten versteht.
Escaldums und Bacalao
Zur „matanzas“, Mallorcas Schlachtzeit im Frühjahr, empfiehlt die Küche „Escaldums“, ein eintopfartiges, herzhaftes Gericht aus Schweine- und Hühnchenfleisch, das mit gebackenen jungen Kartoffeln (patatas nuevas) serviert wird.
Eine weitere Spezialität des Hauses ist „Bacalao à la mallorquina“. Dabei handelt es sich um Stockfisch (Kabeljau) auf Mangold mit Kartoffeln und Tomaten, Zwiebel, Rosinen, Pinienkernen, Knoblauch, der vor dem Servieren etwa eine Stunde im Ofen garen muss. Der Stockfisch wird zuvor 24 Stunden in kaltem Wasser, das mehrmals gewechselt wird, entsalzt, bevor er kurz in Olivenöl angebraten wird. Wie bei allen mallorquinischen Gerichten ist hier die Wahl eines besonders schmackhaften und fruchtigen Olivenöls von entscheidender Bedeutung.
Bohnenpüree und Fritos
Das Mühlenrestaurant ist eines der ganz wenigen Insellokale, das „Fava parada“ bietet. Hinter dieser selten gewordenen Speise verbirgt sich ein Bohnenpüree mit kleinen Fleischstückchen aus der Schweinebacke.
Frisch aus der Schlachtung wird auch das bei den Insulanern beliebte und von Feinschmeckern hoch gelobte „Frito mallorquin“ serviert. Dabei handelt es sich um Innereien, die mit Fenchel gekocht werden, um besser verdaulich zu sein.
Typische Speisen im „Es Moli de Pina“
Neben den Spezialitäten gibt es im Restaurant von Matias Andreu auch die landestypischen Klassiker: Spanferkel, Lammschulter und „Lomo con col“ (Schweinefleisch mit Kohl, Rosinen und gerösteten Pinienkernen).
Eine ausgezeichnete Vorspeise ist „Sopas mallorquinas“, bei der es sich nicht, wie der Name vermuten lässt, um eine Suppe handelt, sondern um ein deftiges Gericht aus Gemüse und Brot.
Hohe Qualität - günstige Preise
Die Preise in dem Mühlenrestaurant sind bezogen auf Qualität, Sauberkeit des Restaurants und Freundlichkeit des Wirtes, der persönlich serviert und seine Gäste berät, ausgesprochen günstig. Hauptgerichte kosten zwischen 6 und 15 Euro. Der erstklassige Hauswein stammt von der Insel. Eine Reservierung ist empfehlenswert.
Es Moli de Pina. Sant Placid 3, 07220 Pina. Tel. 971 12 53 03
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