U55 - Berlins kürzeste U-Bahnlinie

Die Stummellinie: 320 Millionen Euro für 3 Bahnhöfe

U55 um 18Uhr - Sven Fauth
U55 um 18Uhr - Sven Fauth
Die U55 ist die Bezeichnung des westlichen Endstücks der geplanten U5- Erweiterung der Berliner U-Bahn. Im Jahre 2017 ist die Zusammenführung mit der U5 geplant

Die U55 ist die momentane Bezeichnung des westlichen Endstücks der geplanten U5- Erweiterung der Berliner U-Bahn. Auf den ersten Blick mag man bei der Bezeichnung eher an ein U-Boot denken, als an eine sinnvolle Erweiterung des Berliner Nahverkehrssystems. Insgesamt wurden etwa 320 Millionen Euro in den märkischen Sand verbaut; kritische Stimmen sprechen hierbei gerne von versenkt oder vergraben.

U55: Die kürzeste U-Bahn Linie Berlins

Der Bau der insgesamt 1,8 km langen U-Bahnstrecke (Betriebslänge: 1,4km) dauerte 14 Jahre und verbindet nun drei Bahnhöfe miteinander: "Hauptbahnhof", "Bundestag" und "Brandenburger Tor". Derzeit wird die U55 im sogenannten Inselbetrieb gefahren, die Strecke hat keinen Anschluß an das restliche U-Bahnnetz. Eine Anbindung an das übrige Berliner U-Bahn Netz ist erst für 2017 geplant und wird wohl bedeutend mehr als die veranschlagten 400 Millionen Euro kosten. Insbesondere die Unterquerung der Schloßbaustelle und die zeitliche Abstimmung der jeweiligen Bauvorhaben dürfte eine nicht unerhebliche Unwägbarkeit darstellen.

Die Kanzlerbahn – Eine teure Kurzstrecke

Die Fahrzeit der U55, vom Berliner auch "Kanzlerbahn" bzw. "Stummellinie" genannt, beträgt insgesamt drei Minuten und wird derzeit auf nur einem Gleis im Pendelverkehr erreicht. Die Taktung von 10 Minuten kann zu Stoßzeiten auf sieben Minuten verkürzt werden, dies dürfte für den Zugführer eine sehr ermüdende Tätigkeit darstellen.

Der Sinn und Zweck dieser Kurzstrecke darf daher ebenso wie die gesamte Planung der Verlängerung der U5 kritisch hinterfragt werden. Touristen werden wohl die Buslinie (TXL) nehmen oder die Strecke zu Fuß absolvieren, anstatt unter der Erde an touristischen Attraktionen vorbeizufahren. Abgeordnete sind selten in Berliner U-Bahnen anzutreffen und Berliner besuchen die U55 wohl eher deshalb, weil sie sich schon immer für die wundersamen Besonderheiten ihrer Stadt interessiert haben.

S-Bahn oder U-Bahn

Zudem verläuft die S-Bahn vom "Alexanderplatz" parallel zur geplanten Verlängerung der U5 vom "Alexanderplatz" bis zum "Hauptbahnhof" und oberirdisch, so daß die sich an dieser Strecke befindlichen Sehenswürdigkeiten bereits in Augenschein genommen werden können. Somit erfüllt die bestehende S-Bahnlinie nicht nur verkehrstechnisch nahezu denselben Zweck, sondern ist auch für Touristen auf Dauer attraktiver. Momentan ist allerdings aufgrund technischer Probleme seitens der Berliner S-Bahn die verkehrstechnische Eignung der S-Bahn leider etwas reduziert.

Sinnvollere Verwendung von Steuergeldern

Somit wäre das bislang verbaute und geplante Geld wohl besser in die Sanierung des übrigen Streckennetz investiert worden. Der Bahnhof "Bundestag" sieht nach wir vor aus, als befände er sich noch im Rohbau, und überdimensioniert ist beinahe als Untertreibung zu bezeichnen.

Zur Eröffnung am 8. August 2009 waren zudem noch keine Rolltreppen installiert. Ein verwunderte Touristin meinte: "Da verbuddeln die 320 Millionen und dann gibt’s noch nicht einmal 'ne Rolltreppe?"

Verwirrung bei der Namensgebung ist vorprogrammiert

Der S-Bahnhof "Unter den Linden" wurde nun in "Brandenburger Tor" umgetauft - das Schild "Unter den Linden" ist allerdings denkmalgeschützt, so daß der Bahnhof nun zwei Schilder sein eigen nennen darf - oben "Brandenburger Tor" direkt darunter "Unter den Linden". Im Jahre 2017 soll es einen neuen U-Bahnhof der dann verlängerten U5 mit der Bezeichnung "Unter den Linden" an der Ecke Friedrichstraße geben. Eine Verwirrung für Touristen ist dann wohl vorprogrammiert.

Selbst die BVG rechnet mit nur maximal 6.400 Fahrgästen pro Tag, was für einen rentablen Betrieb zu wenig sein dürfte. Insgesamt befördern die Berliner Verkehrsbetriebe täglich 2,4 Millionen Fahrgäste quer durch Berlin, sofern keine Streiks geführt werden oder technische Probeme bestehen.

Sven Fauth, © Sven Fauth

Sven Fauth - Studium der Volkswirtschaftslehre in KonstanzStudium der Landschaftsplanung in BerlinAls selbständiger Künstler erstelle ich ...

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