Udo Lürgens - ein Film, ein Zeitdokument

Zugleich Unterhaltung und Zeitgeschichte:"Udo - ein Künstlerleben", Udo Jürgens Familienbiographie, in einer spannenden wie opulenten Verfilmung

Die Verfilmung der Familiengeschichte der Bockelmanns – Udo Jürgens bürgerlicher Name – ist nicht nur ein romantischer Fernseh-Zweiteiler von drei Generationen europäischer Familiengeschichte. Darin verwoben ist die Geschichte der Entwicklung eines Sohn aus gutem Hause zum Musiker und erfolgreichen Schlagersänger, als den Udo Jürgens viele kennen. Es ist ein geschichtliches Dokument, das den Bogen vom 1. Weltkrieg in Russland über die Nazizeit in Kärnten bis in die 60er Jahre hinein spannt. Jürgens sagt selbst, er wollte mit seinem Buch auf 700 Seiten vor allem die Biografien von Vater und Großvater „vor dem Versinken in der Zeit bewahren“. Dies ist in der Verfilmung unter Regisseur Miguel Alexandre meisterhaft gelungen. In mehreren dramaturgisch gelungenen Rückblenden baut er die Geschichte auf.

Von Bockelmann zu Udo Jürgens

In der Rahmenhandlung holt Udo Jürgens die Bronzestatue des Großvaters in Moskau ab, die dem Film dem Titel gibt. Ein Bediensteter hatte sie über Jahrzehnte hinweg gehütet. Die Schauspielleistungen von David Rott, Valerie Niehaus, Ulrich Noethken, Melika Forouthan u.v.m. sind ebenso bewegend wie das widergespiegelte Lokalkolorit von Moskau, das Familienpalais, die familieneigene Bank, der Gefängnishof und die spannende Flucht des Großvaters über Finnland nach Schweden, wo die Familie im Exil lebte. Das Nebeneinander und Gegenüber von Reichtum und Elend kommt ins Bild, aber auch der Zusammenhalt einer Familie, Liebe und Behüten.

Narben aus der NS-Zeit in Kärnten

Die Zeit in Kärnten zeigt den Vater in seinem „Einlassen mit dem Teufel“ wie es der Großvater nennt. Der kleine Udo Jürgens wird von einem HJ-Führer so brutal geschlagen, daß ihm das Trommelfell platzt. Der Vater wird wegen Hochverrats von der Gestapo verhaftet. Die Bronzefigur wird dem russischen Zwangsarbeiter in Verwahrung gegeben. Das Klavier ist Trost für den Buben Udo, und so setzt seine eigene Entwicklung ein, die bis 1966 gezeigt wird. Er gewinnt den Songcontest und absolviert seine erste erfolgreiche Tournee. Der Star Udo Jürgens ist geboren. „Meine Familiengeschichte hat mein Weltbild entscheidend mitbestimmt“, schreibt er. Die Originalschauplätze wie in Ottmanach, dem ehemaligen Familienbesitz in Kärnten, Szenen vor der Kulisse von Sattnitz und Karawanken, aber auch in Russland und Salzburg verleihen dem Film eine besondere Atmosphäre. Wohl auch ohne Udo Jürgens spannende Fernsehunterhaltung. Er wollte ursprünglich nicht mitspielen.

Entwicklung zum Erfolgs-Musiker

Der Film zeigt authentisch die Entwicklung des anfänglich eher schüchternen und ernsthaften jungen Mannes zum bekannten Musiker, der sich Anregungen und Anerkennung in den USA in Harlemer-Clubs holt, der dem Nachkriegszeitgeist trotzt und seine eigene Vorstellung von Text und Melodie einbringt – und damit Erfolg hat bis heute. Wer ihn ignoranterweise ins Nur-Schlagereck abgetan hat, wird hier zudem eines Besseren belehrt.