In der buddhistischen Lehre wird die innewohnende Freude, das höchste menschliche Potential, als Buddhanatur bezeichnet. Ziel der Lehre ist immer das persönliche Anwenden der Inhalte und Umsetzen der Lebensphilosophie, die zum erwachten Herzen führen soll. Die Buddhanatur ist jedem Lebewesen zu eigen und jederzeit vorhanden.

Die Trübung der Buddhanatur

Ausgehend von der Annahme, dass jeder Mensch die Buddhanatur als Basis in sich trägt und diese von Unwissenheit und Verblendung überlagert ist, kann es zu einem Abbau dieser Schleier und zum Auffinden dieses Potentials kommen. Außerdem ist die Problematik der Dualität als Ausgangspunkt fehlender Klarheit zu erkennen: Durch die Differenzierung von Ich und Du kommt der Mensch vielfach an den Punkt der Unklarheit und des Versuchs sich für ein entweder-oder zu entscheiden. In der Erkenntnis, dass alles und alle miteinander verbunden sind und sich alles gegenseitig bedingt, ist eine derartige Entscheidung nicht mehr nötig. Im Vajrayana (tibetischer Buddhismus) wird davon ausgegangen, dass jeder Mensch ein Buddha ist und wir jedoch durch unsere Verblendung dies noch nicht erkannt haben. Durch das Anwenden buddhistischer Inhalte und der Meditationspraxis kann die Reine Sicht dieser Tatsache erkannt werden.

Die Reine Sicht

Die Natur des Geistes sei klares Licht, wird Buddha zitiert. Der Geist ist für sich selbst unabhängig von Fehlern, da er nichts beinhaltet, er ist leer. Durch diese Leerheit ist der Geist gleichzeitig auch veränderbar. Diese Tatsache wird in der buddhistischen Geistesschulung genutzt, um beispielsweise Prinzipien der Achtsamkeit zu erlernen. Das Festhalten an Annahmen und Gefühlen führt uns oft zu der Annahme, dass der Geist nicht wandelbar ist, dies ist jedoch eine Folge der Anhaftung und der Verblendung. Verblendung könnte in diesem Zusammenhang als Bewertung oder Interpretation von Erlebtem und Gefühlen erläutert werden.

Diverse Geistesbefleckungen (Kilesas) sind als Leidenschaften oder Begierden zu verstehen, die den Geist beeinträchtigen. Ziel buddhistischer Meditation und Lebensform ist es, diese zu überwinden um einen freien Geist entwickeln zu können und dementsprechend wieder zurück zur Buddhanatur zu finden. Symbol für diese Annahme ist die Lotosblume, die im sumpfigen Wasser wächst: Der befleckte Geist wird in der buddhistischen Lehre mit unklarem oder unsauberem Wasser verglichen. Selbst oder gerade an diesem Ort kann eine so reine und schöne Pflanze wie die Lotosblume entstehen und gedeihen.

Mitgefühl als Grundlage

Um die Buddhanatur wiederentdecken zu können, ist es vor allem auch wichtig, Mitgefühl zu entwickeln. Im Mahayana wird von der Qualität des Bodhichita (das erwachte Herz) gesprochen. Die Kombination von Mitgefühl mit Erkenntnis und Weisheit bringt den Menschen in die Lage zu erkennen, dass wir alle in derselben Situation stecken: Wir sind alle dem Fluss des Lebens unterworfen, der auch Leid beinhaltet wie durch Krankheit, Altern und Sterben. Das Leben bringt Veränderlichkeit mit sich und die Möglichkeit sich voller Gelassenheit den Gegebenheiten des Lebens zu stellen, die es unweigerlich mit sich bringt. Um unser Potential entwickeln und nutzen zu können, ist es wesentlich Tugenden zu entwickeln und negative Eigenschaften abzubauen. Die 4 Brahma Viharas werden diesbezüglich als wesentlich erachtet.

Quellen:

Buddhanatur

Die Buddhanatur

Kilesa