Am 11. November 1975 löste sich Angola vom kolonialen Mutterland Portugal und wurde sowohl formell, als auch de facto in die Unabhängigkeit entlassen. Was als großer Schritt in Richtung Fortschritt und Demokratie im Sinne aller Angolaner gedacht war, mündete bereits am Tag der Unabhängigkeitserklärung am 11.November 1975 in einen blutigen Bürgerkrieg zwischen den ehemaligen Befreiungsbewegungen Unita und MPLA. Welcher sich über 27 Jahre hinziehen, das Land - abgesehen von der gut gesicherten Hauptstadt Luanda - vollkommen zerstören und schätzungsweise 1,5 Millionen Menschenleben kosten sollte - ca. 4 Millionen Angolaner wurden während des Konflikts aus ihrer Heimat vertrieben. Erst mit der Ermordung des charismatischen Führers der Unita-Guerillabewegung, Dr. Jonas Savimbi, durch Regierungstruppen, konnte am 4. April 2002 ein effizienter Friedensvertrag zwischen beiden Kriegsakteuren geschlossen werden.
Wenn man noch den Kolonialkrieg zwischen den angolanischen Befreiungsbewegungen und der Portugiesischen Kolonialmacht zur Kenntnis nimmt - dieser entflammte sich 1961 und dauerte offiziell bis 1974 an -, durchlebten die Angolaner einen vier Jahrzehntelang währenden Kriegszustand. Vier Jahrzehnte Tod, Krieg und Vertreibung. Nun stellt sich die Frage: Wie konnte ein so langer Krieg nur möglich sein? Ohne die Dynamik ethnischer Rivalitäten zwischen der sehr heterogenen angolanischen Bevölkerung und kontroverser politischer Ideologien herunterspielen zu wollen, komme ich zu folgender Schlussfolgerung: Angolas Segen an natürlichen Ressourcen - vor allem an Erdöl und Edelsteindiamanten - hat sich als Fluch erwiesen. Die Exploration der Öl- und Diamantenvorkommen durch beide Kriegsparteien hat die lange Kriegsdauer erst ermöglicht. Denn ohne die lukrative Förderung des schwarzen Goldes und der Edelsteine, wären weder die sozialistisch angehauchte MPLA-Regierung, als auch die eher ethnisch-nationalistisch orientierte Unita-Guerilla, in der Lage gewesen, die enormen Kriegskosten zu decken, noch hätten sich die transnationalen Konzerne für Investitionen im angolanischen Erdölsektor interessiert und dadurch auch kein Interesse an einer Fortführung des Krieges gehabt. Im Anschluss wird dies näher Erläutet.
Das Erdöl und die MPLA-Regierung in Luanda
Zwischen 1996 und 1999 betrug das jährliche Kriegsbudget der Regierung in Luanda ca. 1,2 Milliarden Dollar. Für ein Entwicklungsland wie Angola ist dies eine enorme Summe, die dazu geführt hat, dass die Regierungspartei MPLA auf eine perfekt funktionierenden Finanzquelle zurückgreifen konnte, um sich eine schlagkräftige Kriegsmaschinerie aufrechtzuerhalten. Somit wurden die hohen militärischen Standards der FAPLA - Volksarmee der damaligen sozialistisch geprägten Volksrepublik Angola - auch nach dem Ende des Kalten Krieges und der damit in Verbindung stehenden Beendigung der sowjetischen Militärhilfe an Luanda - Ende der 1980er Jahre - sichergestellt und der Bürgerkrieg konnte fortgeführt werden.
Die Angolanische Regierung war nämlich in Zahlungsverzug gekommen und galt auf dem internationalen Finanzmarkt als kreditunwürdig. Von daher sah sie sich gezwungen, zwei alternative Wege zur Finanzierung der Waffenlieferungen zu tätigen: Sie nutzte die Einnahmen der Erdölexporte, um die Lieferungen direkt zu zahlen, oder sie verpfändete zukünftige Erdöleinnahmen an die Waffenlieferanten. Ersterer hat dazu geführt, dass ein komplexes paralleles Zahlungssystem entstanden ist, das von regierungstreuen Personen reguliert wurde und der Öffentlichkeit unzugänglich war. Die zweite Möglichkeit war nur in den Ölfeldern möglich, wo das staatseigene Mineralölunternehmen SONANGOL mit Aktienanteilen direkt von den Einnahmen der Ölförderungen profitierte. 1999 ging die Regierung einen Schritt weiter: Kleinere internationale Unternehmen, die eigentlich im Spektrum des Waffenhandels operierten und keinerlei Erfahrungen in der Ölbranche vorzuweisen hatten, beteiligten sich nun auch an der angolanischen Erdölförderung.
Daraus wird ersichtlich, dass eine Fortführung des angolanischen Bürgerkrieges auch im Interesse ausländischer Unternehmen lag.
Sonangol, der Präsident und die Öl-Nomenklatura
Das Interesse an einer Fortführung des blutigen Bürgerkrieges kam aber nicht nur von außen: Die lukrativen Öleinnahmen und die dubiosen Machenschaften der staatseigenen SONANGOL haben zur Bildung einer Öl-Nomenklatura beigetragen. Diese besteht aus elitären angolanischen Familien, in der Regel hohen Parteifunktionären der MPLA-PT, und funktioniert nach einem klientelistischen Verteilungsprinzip, an dessen Spitze Staatspräsident Eduardo Dos Santos steht. Dabei bekleiden diese Personen wichtige Ämter in Wirtschaft, Politik und Militär und können als Basis des angolanischen Staates charakterisiert werden. Als Gegenleistung zu ihrer Treue zum Präsidenten profitieren sie von den Einnahmen des Erdölexports. Während die Mehrheit der angolanischen Bevölkerung unvorstellbar unter den Konsequenzen des Bürgerkrieges litt, war die Fortführung des Krieges für die elitäre Schicht demnach ein lukratives Geschäft. Demnach kann man durchaus die Schlussfolgerung ziehen, dass die Beendigung des Krieges nicht in ihrem Interesse lag.
Doch Neben dem Erdölvorkommen spielte - vor allem für die Rebellenbewegung Unita - noch eine weitere, sehr begehrte Naturressource eine wichtige Rolle, dessen Vorkommen und Exploration ebenfalls zur Intensivierung und Verlängerung des Krieges in südwestafrikanischen Staat führte: angolanische Diamanten. Im folgenden Artikel werde ich darauf eingehen.
