Über Leben: Fotoausstellung im Deutschen Historischen Museum

Thomas Hoepker: Prenzlauer Berg - Deutsches Historisches Museum Berlin
Thomas Hoepker: Prenzlauer Berg - Deutsches Historisches Museum Berlin
Der Titel ist ein Wortspiel - die Fotos von Thomas Hoepkes erzählen über das Leben in der DDR, die Bilder Daniel Biskups vom Überleben in den Balkankriegen

Ärmliche Läden unter vergammelten Hausfassaden, Schlange stehende Menschen, absonderliche Dekorationen in Schaufenstern, Kohlenträger auf dem Prenzlauer Berg. Hoepkers Bilder zeigen meist grau in grau die Tristesse des DDR-Lebens in den 70er-Jahren, aber auch die Ankunft der Menschen im Alltag: „Kuss unter Lenin-Plakat“ oder „Sommer in Erfurt“.

"DDR-Ansichten" - Über das Leben in der DDR

Die Fotografien stellen Fragen: War der Alltag wirklich so elend wie es die Schwarz-Weiß-Bilder suggerieren? Wie lebte man hinter den bröckelnden Fassaden? Gab es in der Zeit nicht auch ähnlich verkommene Orte im Westen Berlins?

Der Journalist lebte zwei Jahre in Ost-Berlin, bekam fast niemals Fotogenehmigungen für Innenräume und so blieben ihm nur spärliche Blicke auf die Menschen im öffentlichen Raum. Seine Fotografien sind Gegenbilder zu den offiziellen Klischees der Propaganda – den Maiparaden oder Plattenbauten. „Das Land sah oberflächlich sehr langweilig aus“, erzählt der Fotograf, „auf den Straßen gab es kein Leben, optisch war nichts interessant“. Doch mit der Zeit kamen allerlei Bilder „mit morbidem Charme“ zusammen.

"Osteuropa" - Überleben in den Jugoslawien-Kriegen und in Russland

„Honnecker im Müll“ oder „Verrostete Panzer“ - historisch sind auch die Fotos Biskups, der Autodidakt ist wie Hoepker. Noch während seines Studiums der Geschichte zog es ihn zum Mauerfall nach Berlin. „Ich wollte als Chronist dabei sein“, berichtet er, „Friseurläden und HO-Geschäfte, das musste ich einfach einfangen. Ich wusste, das wird bald nicht mehr da sein“.

Das Thema des Wandels ließ ihn nicht mehr los – in Moskau fotografierte er wütende Kommunisten und strahlende Jugendliche, Schwarzhändler und die „Bettlerin vor Dior-Werbung“. Im kriegerischen Jugoslawien hielt er das Überleben der Menschen zwischen Ruinen und ausgebrannten Autowracks fest, eine Mutter stillt ihr Baby, ein Kind zeigt sein gemaltes Bild mit Panzer und Haus.

„Über Leben“ ist keine gefällige Ausstellung, sie provoziert die Betrachter und wirft Fragen auf ohne Antworten zu geben. Vor allem aber zeigt sie, wie Menschen sich im tristen Leben einrichten oder nach grausigen Kriegen überleben und ihre Hoffnung nicht verlieren. Besonders eindringlich macht das Biskups Foto "Junge Frau im Flüchtlingslager" deutlich. Der Fotograf erzählt, die Frauen schminkten sich im Lager "um ihre Würde zu bewahren". Jeden Tag, wenn Busse mit neuen Flüchtlingen kamen, hielt diese Wartende nach ihrem Mann Ausschau.

Über Leben“ - eine Doppel-Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Berlin, Unter den Linden 2 noch bis zum 3. Oktober 2011, Öffnungszeiten 10 – 18 Uhr.

Ein Bildband mit Thomas Hoepkers Fotoarbeiten "DDR-Ansichten" erschien zur Ausstellung im Hatje-Cantz-Verlag, 256 Seiten, über 200 Abbildungen für 35 Euro

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