Zu den Instrumenten des Übergangssystems gehören solche wie der Besuch einer Berufsfachschule ohne Abschluss, Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), Berufsgrundbildungsjahr (BGJ) und berufsvorbereitende Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit. Die OECD spricht von einem "Dschungel von Maßnahmen", die völlig undurchschaubar nebeneinander agieren.

In den letzten zwanzig Jahren war eine starke Expansion des Übergangssystems zu verzeichnen. Da die Zahl der Angebote seitens ausbildender Unternehmen stagnierte, mündeten seit der Jahrtausendwende ganze zwei Fünftel der Neuzugänge zur beruflichen Bildung ins Übergangssystem ein – fast genauso viele, wie vom dualen System aufgenommen wurden. Der Rest entfiel auf schulische Ausbildungen und Studiengänge.

Seit Jahren kritisieren die Experten diese Entwicklung und bemängeln die fehlende Effizienz des bestehenden Übergangssystems. Es kostet viel Zeit, Geld und Personaleinsatz und doch gelingt nur der Hälfte der Teilnehmer der Maßnahmen im Anschluss der Einstieg in eine vollqualifizierende Ausbildung. So bringt es für Jugendliche allem voran ein hohes Maß an Unsicherheit mit sich.

Regionale Unterschiede

Die Aufteilung der Neuzugänge ins Übergangssystem, die duale und schulische Ausbildung gestaltet sich je nach Bundesland unterschiedlich. Für das Jahr 2010 meldete die Bundesagentur für Arbeit folgende Zahlen:

  • Schleswig-Holstein – Übergangssystem: 46,7 / duale Ausbildung: 41,3 / Schulberufssystem: 12 Prozent;
  • Niedersachsen – Übergangssystem: 42,6 / duale Ausbildung: 42,5 / Schulberufssystem: 14,9 Prozent;
  • Baden-Württemberg – Übergangssystem: 40,3 / duale Ausbildung: 42,3 / Schulberufssystem: 17,4 Prozent;
  • Saarland – Übergangssystem: 38,2 / duale Ausbildung: 50,1 / Schulberufssystem:11,7 Prozent;
  • NRW – Übergangssystem: 36,4 / duale Ausbildung: 45,9 / Schulberufssystem: 17,7 Prozent;
  • Rheinland-Pfalz – Übergangssystem: 36,4 / duale Ausbildung: 44,7 / Schulberufssystem: 19 Prozent;
  • Hessen – Übergangssystem: 32,4 / duale Ausbildung: 54,2 / Schulberufssystem: 13,4 Prozent;
  • Bremen – Übergangssystem: 32,2 / duale Ausbildung: 56,9 / Schulberufssystem: 10,9 Prozent.
  • Mecklenburg-Vorpommern – Übergangssystem: 27,9 / duale Ausbildung: 54,5 / Schulberufssystem: 17,5 Prozent;
  • Brandenburg – Übergangssystem: 27,5 / duale Ausbildung: 49,7 / Schulberufssystem: 22,8 Prozent;
  • Hamburg – Übergangssystem: 27 / duale Ausbildung: 57,1 / Schulberufssystem: 15,9 Prozent;
  • Berlin – Übergangssystem: 25,7 / duale Ausbildung: 50,3 / Schulberufssystem: 24,1 Prozent;
  • Thüringen – Übergangssystem: 24,6 / duale Ausbildung: 49,3 / Schulberufssystem: 26,1 Prozent;
  • Bayern – Übergangssystem: 23,7 / duale Ausbildung: 58 / Schulberufssystem: 18,3 Prozent;
  • Sachsen-Anhalt - Übergangssystem: 21,9 / duale Ausbildung: 51,6 / Schulberufssystem: 26,5 Prozent;
  • Sachsen – Übergangssystem: 21,6 / duale Ausbildung: 49 / Schulberufssystem: 29,4 Prozent.
Damit parken Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Saarland, NRW, Hessen und Bremen über 30 Prozent ihrer Jugendlichen, die eine Ausbildung beginnen wollen, erst einmal im Übergangssystem. Doch auch in Bundesländern wie Sachsen und Bayern, die am besten dastehen, sind es immer noch über 20 Prozent.

Die Verteilung ist vom Schulabschluss abhängig

Zwar steht die duale Ausbildung de facto allen Schulabgängern prinzipiell offen, doch in der Praxis sind vor allem Jugendliche mit und ohne Hauptschulabschluss stark benachteiligt – noch zweieinhalb Jahre nach Schulende sind zwei Fünftel von ihnen trotz Übergangssystemen ohne Ausbildung.

Ohne mindestens Hauptschulabschluss haben Jugendliche außerdem häufig keine Voraussetzungen, um eine schulische Ausbildung zu bekommen – gerade einmal 8 Prozent können eine schulische Ausbildung beginnen. Die meisten schulischen Ausbildungen verlangen von Anfang an einen mittleren Schulabschluss. Jugendliche mit einem Hauptschulabschluss haben aber auch bei den dualen Ausbildungen weniger Chancen. Nur zwei Fünftel finden eine vollqualifizierende Ausbildung in einem Betrieb, während gut die Hälfte nach der Schule zunächst in das Übergangssystem einmündet.

Von den Jugendlichen mit einem Realschulabschluss findet ungefähr die Hälfte eine duale Ausbildung, ein Viertel nimmt eine schulische Ausbildung auf, während immerhin noch ein Viertel im Übergangssystem geparkt wird. Jugendliche mit Fachabitur oder Abitur sind im Übergangssystem dafür so gut wie nie vertreten. Zwei Drittel begingen eine duale Ausbildung und ein Drittel eine schulische Ausbildung. Insgesamt werden im dualen System zwei Drittel der Plätze mit Realschülern und Abiturienten besetzt. In der schulischen Ausbildung sind sogar vier Fünftel der Auszubildenden Absolventen dieser höheren Schulen.

Bewerber mit Migrationshintergrund benachteiligt

Nach dem Verlassen der Schule nehmen 43,5 Prozent der deutschen Jugendlichen, die eine Ausbildung beginnen wollen, eine duale Ausbildung im Betrieb auf. 17 Prozent nehmen eine schulische Ausbildung auf und ungefähr 40 Prozent landen im Übergangssystem. Bei ausländischen Jugendlichen sind die Zahlen noch viel dramatischer. Nur 28 Prozent bekommen sofort eine duale Ausbildung, 11,5 Prozent können eine schulische Ausbildung aufnehmen und ganze 60 Prozent nehmen an Maßnahmen des Übergangssystems teil.

Ausländische Jugendliche verbleiben überdies viel länger im Übergangssystem als deutsche Staatsbürger. Diese Zahlen lassen sich zum Teil auch mit den schlechteren Schulabschlüssen dieser Jugendlichen erklären, denn ausländische Jugendliche weisen zu gut 55 Prozent keinen oder nur einen Hauptschulabschluss auf.

Abschaffen oder reformieren?

Angesichts der hohen Kosten und der mangelnden Effizienz des Übergangssystems wird nicht selten die Abschaffung des gesamten Sektors gefordert (beispielsweise IG-Metall). Klaus Heinemann von der IG-Metall spricht von einem Skandal, da Jugendliche, die dies durchlaufen müssen, nach dieser Art von Bildung schlechtere Bildungsoptionen hätten als vorher.

Reformvorschläge gehen in die Richtung, die Leistungen der Jugendlichen im Übergangssystem zumindest anzuerkennen und als Bestandteile einer voll qualifizierenden Berufsausbildung anzurechnen. Dafür bedürfte es einer Flexibilisierung der Curriculumstrukturen der Berufsbildung. Im Hamburger Ausbildungsmodell wird Jugendlichen, welche auch nach einem Jahr Berufsqualifizierung immer noch keine Ausbildung aufnehmen konnten, zumindest in einer aufbauenden, Träger gestützten überbetrieblichen Berufsausbildung diese Zeit angerechnet.

Nicht zu verwechseln mit den Maßnahmen des Übergangssystems ist das im Rahmen des Ausbildungspakts relativ neu geschaffene Instrument der Einstiegsqualifizierung. Dabei absolvieren Jugendliche ein Langzeitpraktikum von einem halben oder einem Jahr in einem Unternehmen; diese Praxis- und Betriebsnähe zeigt sehr guten Integrationserfolg mit bis zu 74 Prozent Integrationsquote in eine vollqualifizierende Ausbildung.

Quellen:

  • Martin Baethge, Reformstau in der beruflichen Bildung? Innovation und Integration durch neue Wege der beruflichen Bildung, in: Dokumentation der ESF-Jahrestagung 2009.
  • Statistische Ämter des Bundes und der Länder, eigene Berechnungen und Schätzungen auf Basis der Schulstatistik; Bundesagentur für Arbeit, Bestand von Teilnehmern in ausgewählten Maßnahmen der Arbeitsmarktpolitik mit SGB -Trägerschaft des Teilnehmers, Datenstand: März 2010.
  • Kathrin Hoeckel, Kathrin, Schwartz, Robert, OECD-Studien zur Berufsbildung Deutschland, 2010.
  • Qualifizierungsmonitor – Empiriegestütztes Monitoring zur Qualifizierungssituation in der deutschen Wirtschaft. Eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, Institut der deutschen Wirtschaft Köln, Köln 2010.