Übergewicht fördert Allergien

Übergewichtige Kinder haben ein höheres Allergierisiko

Saftorange - Cindy Werder
Saftorange - Cindy Werder
Dass die Zahl übergewichtiger Kinder und Jugendlicher immer noch steigt ist unumstritten. Kinder mit Übergewicht zeigen zunehmend aber auch allergische Reaktionen.

Die Zunahme von Übergewicht im Kindes- und Jugendalter ist nach wie vor erschreckend. Auch allergische Erkrankungen nehmen weltweit immer mehr zu. Inzwischen konnten in verschiedenen Untersuchungen Zusammenhänge zwischen Übergewicht und Allergien beobachtet und nachgewiesen werden.

Übergewicht im Kindes- und Jugendalter

Übergewicht und Adipositas sind inzwischen zu einer Volkskrankheit mutiert. Die Medien berichten ständig darüber, schweigendes Kopfschütteln und Hilflosigkeit machen sich in der Bevölkerung breit. Immer mehr Programme - ambulante wie stationäre - stellen sich dem Kampf gegen Übergewicht. Sie sind zwar kurzfristig zunächst in Bezug auf das Gewicht erfolgreich, langfristig gesehen führen sie jedoch meist nicht zu einer dauerhaften Veränderung des Ess- und Bewegungsverhaltens. Zudem ist es für viele Betroffene oft schwierig, unter der Vielzahl an Angeboten ein geeignetes Programm herauszusuchen.

Nahrungsmittelallergien im Kindes- und Jugendalter

Schon um 1970 wurde ein Zusammenhang zwischen Ernährung und Immunsystem hergestellt. Damals wurden bereits immunologische Parameter zur Einschätzung des Ernährungsstatus herangezogen. Weiterführende Studien der nächsten Jahre zeigten, dass sowohl die Ernährungsweise als auch die Lebensmittelqualität das Auftreten allergischer Reaktionen beeinflussen. Besonders häufig werden allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel wie Milch, Nüsse, Obst, Gemüse, Ei, Fisch und Gewürze sowie Zusatzstoffe in Nahrungsmitteln beobachtet.

Zusammenhang zwischen Adipositas und Allergie

Häufig wird beobachtet, dass mehr und mehr Übergewichtige unter anderem auch an Nahrungsmittelallergien leiden. Sowohl das Krankheitsbild der Adipositas als auch das der Nahrungsmittelallergie geht mit Entzündungen einher. Daraus ergibt sich möglicherweise für adipöse Kinder und Jugendliche ein höheres Risiko für allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel. Aus einer Studie aus dem Jahr 2006 geht sogar deutlich hervor, dass Übergewichtige eine erhöhtes Risiko für Asthma haben. Viele übergewichtige Kinder und Jugendliche entwickeln demnach zunehmend allergische Erkrankungen, die auch in engem Zusammenhang mit Nahrungsmitteln stehen können.

Neueste Untersuchungen

Kürzlich konnte in einer Studie ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und allergischer Sensibilisierung gezeigt werden. Scheinbar sind die Botenstoffe im Fettgewebe, die Adipokine, an der Entstehung von Übergewicht, aber auch von Allergien beteiligt. Auch eine aktuelle Studie aus den USA kommt zu dem Schluss, dass Übergewicht zu einer erhöhten Prävalenz von allergischen Erkrankungen – speziell Nahrungsmittelallergien – bei Kindern beitragen kann. Ebenso scheinen systemische Entzündungen bei der Entwicklung allergischer Erkrankungen eine wesentliche Rolle zu spielen.

Bei der Adipositas kommt es zu entzündlichen Veränderungen unter anderem im Fettgewebe und in der Leber. Reduziert man die Nahrungsaufnahme und erhöht die körperliche Aktivität, wird der Prozess umgekehrt. Es werden weniger gesundheitsschädliche Adipokine produziert, die Fettzellen werden kleiner und insgesamt weniger.

Die Rolle von Nahrungsmitteln bei der Entstehung von Entzündungsprozessen bei Allergien ist unumstritten. Bei übergewichtigen Kindern sind die IgG-Antikörperspiegel auf Nahrungsmittel erhöht. Dies steht möglicherweise im Zusammenhang mit Entzündungsprozessen und der Entwicklung von Übergewicht und Arteriosklerose.

Ernährungsweise zur Vorbeugung von Übergewicht und Allergien

Bei Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten ist die Lebensmittelauswahl oft stark eingeschränkt. Dies kann als ein Faktor bei der Entstehung von Übergewicht angesehen werden. Umgekehrt kann eine einseitige, hochkalorische Ernährungsweise auf Dauer zu Übergewicht führen. Ein indirekter Zusammenhang besteht in der starken Verarbeitung von Lebensmitteln, die meist nur noch wenige Nährstoffe aber ein hohes Maß an Zusatzstoffen enthält. Dies begünstigt die Entstehung von Nahrungsmittelallergien noch.

Eine Ernährungsweise, die überwiegend auf pflanzlichen Nahrungsmitteln, einem hohen Rohkostanteil, der Vermeidung von stark verarbeiteten Lebensmitteln und Zusatzstoffen sowie Nahrungsmitteln aus kontrolliert biologischem Anbau basiert, spielt in Prävention und Therapie eine bedeutende Rolle.

Die Vollwerternährung kann allergische Reaktionen zwar nicht vollständig ausschließen, denn auch naturbelassene und nicht erhitzte Lebensmittel können potenzielle Allergene sein. Probleme und Unverträglichkeiten in Bezug auf Lebensmittel können jedoch weitgehend reduziert werden. Eine möglichst vielfältige, vollwertige Kost scheint demzufolge auf längere Sicht zur Verbesserung des Krankheitszustandes beizutragen und damit zur Abwehr allergischer Erkrankungen im Kindesalter geeignet zu sein.

Neuer ernährungstherapeutischer Ansatz zur Bekämpfung von Übergewicht

Es gibt eine Vielzahl von natürlichen Stoffen, die zur Stärkung des menschlichen Immunsystems beitragen können. Sowohl der Ernährungsstatus als auch spezifische Nährstoffe können das Immunsystem direkt oder indirekt beeinflussen. Demzufolge könnte eine entzündungshemmende Ernährungsweise einen neuen Ansatz in der Behandlung von Übergewicht darstellen.

Während gesättigte Fettsäuren, Glucose und andere reaktive Stoffe wie sie beispielsweise in Cola vorkommen entzündungsauslösende Eigenschaften besitzen, gelten Omega-3-Fettsäuren und einzelne sekundäre Pflanzenstoffe als Schutzfaktoren für das Immunsystem.

Die stärkste entzündungshemmende Wirkung geht von einer gleichmäßigen Gewichtsabnahme aus, da im Fettgewebe weniger Immunzellen und damit auch weniger Entzündungsmarker vorhanden sind.

Eine gesunde Ernährungsweise, die das Immunsystem stärkt, kann also zu einer Verminderung der Adipokinbildung und damit zu einer wirksamen Prävention von allergischen Erkrankungen beitragen.

Tipps zur Stärkung des Immunsystems

  • vollwertige, ausgewogene Ernährung (wenig Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Kochsalz sowie vermehrt Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Omega-3-Fettsäuren.)
  • Meiden fettreicher tierischer Lebensmittel wie Schweineschmalz, Innereinen, Eigelb oder fettreiche Fleisch- und Wurstsorten, um die Bildung entzündungsfördernder Stoffe zu vermindern.
  • Verwendung pflanzlicher Fette und Öle, die reich an Gamma-Linolensäure sind (wie Raps-, Walnuss- oder Sojaöl).
  • Vermeiden beziehungsweise Abbau von Risikofaktoren (Rauchen, Alkohol)
  • ausreichend Schlaf und körperliche Aktivität

Die individuelle Ernährungsweise hat zwar nachweislich einen großen Einfluss auf die Immunlage, eine spezielle Immunschutz-Diät gibt es aber derzeit noch nicht.

Bitte beachten Sie, dass eine Suite101-Artikel den ärztlichen Rat nicht ersetzen kann!

Literatur:

Daniels SR: The consequences of childhood overweight and obesity. Future Child 16 1 (2006) 47-67

Radon K, Schulze A, Scierl R, Dietrich-Gumperlein G, Nowak D, Jorres RA: Serum leptin and adiponectin levels and their association with allergic sensitization. Allergy 63 11 (2008) 1448-1454

Werder C: Nahrungsmittelallergien und -unverträglichkeiten bei adipösen Kindern und Jugendlichen. Umwelt&Gesundheit 20 3 (2009) 89-91

Werder C: Ernährungstherapeutische Ansätze zur Stärkung des Imunsystems. Möglichkeiten für die Prävention und Behandlung allergischer Erkrankungen. VDM Verlag Dr. Müller (Saarbrücken 2008)

Wilders-Truschnig M, Mangge H, Lieners C, Gruber H, Mayer C, März W: IgG antibodies against food antigens are correlated with inflammation and intima media thickness in obese juveniles. Exp Clin Endocrinol Diabetes 116 4 (2008) 241-245

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Cindy Maréchal - Kurzvita 1998-2002 Studium der Haushalts- und Ernährungswirtschaft (Schwerpunkt Ausbildung und Beratung) an der Fachhochschule ...

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