Übers Internet zur Ausstellung in einer Galerie in New York

Fließende Farben und Formen - Andrea Weber
Fließende Farben und Formen - Andrea Weber
Die New Yorker „Agora Gallery" suchte deutsche Maler für die „Contemporary German Art". Die Malerin Renate Thalhammer wurde genommen.

„Bitte, zwickt mich doch einer mal, ich glaube ich träume“, dachte sich Renate Thalhammer in der Agora Gallery in New York Ende März, und erinnert sich heute gerne daran, wie sie mitten unter den vielen Vernissage-Gästen vor ihren eigenen Bildern stand. Dass die Wolfratshauser Malerin dort zu den ausstellenden Künstlern zählte war kein Zufall. Thalhammer hatte sich ein Jahr zuvor mit ihren eindrucksvollen „Seelenbildern“ bei der New Yorker Galerie beworben und wurde überraschend ausgewählt. Heute sagt sie: „Das hat mein Leben verändert.“

Internet-Recherche führte die Künstlerin ins New Yorker Künstlerviertel Chelsea

Seit Jahren gehört Renate Thalhammer zu den heimischen Künstlern, engagiert sich für die Wolfratshauser Kunstmeile, stellt regelmäßig regional aus. Doch dann kam der Wunsch, einmal die weite Welt zu schnuppern. Sie recherchierte im Internet und wurde auf einer Künstlerseite fündig. Dort forderte die New Yorker „Agora Gallery“ deutsche Maler auf, sich für die „Contemporary German Art“ ihres Hauses zu bewerben. Thalhammer zögerte erst, zweifelte am Können und bewarb sich schließlich doch. Und dann passierte das völlig unerwartete für die Künstlerin. Thalhammer bekam im Mai 2010 an ihrem Geburtstag die Zusage. „Ich darf in New York ausstellen, das war so unglaublich“, erinnert sie sich. Ein ganzes Jahr dauerten die Vorbereitungen. Ein Jahr voller Spannung auch für die Wolfratshauserin. Sie fieberte auf den Ausstellungstermin hin. Sie war noch nie in New York. „Dass ich mich traue, mich auf Unbekanntes einzulassen, war wie ein Experiment“, sagt sie mit echtem Stolz und strahlenden Augen.

Thalhammers malt „Seelenbilder“. Es sind teils großformatige Acrylbilder auf Leinwand in leuchtenden Farben und fließendem Duktus. Zwischen den übergangslosen Flächen erscheinen schwebend leichte Figuren. Man sieht weibliche Brüste und doch sind es keine Akte, man sieht Hände und Gesichter und doch sind es keine Menschen. Es sind zerbrechliche Wesen. „Sie entstehen während des Malens von ganz alleine“, erklärt die Künstlerin und weiß, dass ihre Bilder, je nach Stimmung, Botschaften aus ihrem Unterbewussten übertragen.

Agora Gallery ermöglicht ausländischen Künstlern Zutritt zum amerikanischen Markt

Thalhammers „Seelenbilder“ überzeugten auch die New Yorker Galeristin Angela Di Bello. Seit 1984 gibt es die Agora Gallery im New Yorker Künstlerviertel Chelsea. Noch heute folgt die Galerie der Intention der Gründerin, die damals einen Ort schaffen wollte, für noch unbekannte Künstler, und mit den Einnahmen aus den Verkäufen soziale Projekte für Kinder und Jugendliche unterstützte. Die Agora Gallery initiiert bis regelmäßig Gemeinschaftsausstellungen weltweiter Künstler, um ihnen den Eintritt in die amerikanische Kunstszene zu erleichtern, die sonst keine Chance hätten. Für Renate Thalhammer und ihre sieben deutschen Künstlerkollegen war das nicht nur ein „wahnsinnig tolles Erlebnis“, in einer Stadt, „die einen in den Bann reißt“, wie sie findet, sondern auch Meilenstein ihres künstlerischen Werdegangs. Und „der Traum geht weiter“, sagt sie, denn die Agora Gallery will neue Bilder von ihr haben. Renate Thalhammer ist motiviert: „Mal sehen, wohin die Zukunft mich noch bringt.“

Andrea Weber, Andrea Weber

Andrea Weber - Ich arbeite als freie Journalistin für die Tageszeitung Münchner Merkur, Lokalredaktion in Wolfratshausen und für die ...

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