Ukiyo-e bezeichnet ein Genre der japanischen Malerei und des Farbholzschnittes. Wörtlich übersetzt heißt es: "Bilder aus der fließenden Welt“. Ukiyo-e drückt das Lebensgefühl des städtischen Bürgertums im Japan des 19. Jahrhunderts aus. Es sind Abbilder des alltäglichen Lebens der Menschen, ihrer Feste und ihrer Umgebung.

Herkunft des Begriffs ukiyo-e

Der Begriff ukiyo bedeutet so viel wie "irdische, vergängliche Welt" und stammt aus dem buddhistischen Kontext. Ursprünglich drückte er eine der Welt entsagende, pessimistische Grundstimmung aus. Ab dem 17. Jahrhundert wandelte der Begriff sich grundlegend in seiner Bedeutung. Er meinte nun das städtische Lebensgefühl, das der Schriftsteller Asai Ryoi in dem Roman Ukiyo monogatari (Geschichten aus der fließenden Welt) um 1665 treffend beschrieben hatte: "Für den Augenblick leben, Mond, Kirschblüten und Ahornblätter betrachten, den Wein, die Frauen und das Dichten lieben, der Armut, die einem ins Auge sticht, mit einem humorvollem Scherz begegnen und sich davon nicht entmutigen lassen, sich vom Strom des Lebens treiben lassen wie eine Kalebasse, die stromabwärts driftet, das bedeutet ukiyo.“ Das angehängte –e in ukiyo-e steht für Bild.

Die Anfänge des ukiyo-e im Holzschnitt

Ukiyo-e, die Darstellung der alltäglichen Welt, fand zunächst Eingang in die Malerei. Dort war die Verbreitung jedoch gering, da Gemälde nur für die besseren Gesellschaftschichten erschwinglich waren.

Hishikawa Moronobu (1618-1694) gilt als Begründer des ukiyo-e-Holzschnittes. Im 17. Jahrhundert fand der Holzschnitt vor allem in der Buchillustration Verwendung. Moronubu verwendet den Begriff ukiyo-e 1682 im Vorwort eines seiner Bücher. Gegen 1670 gestaltete er mehr und mehr Einzelblätter. Seine Motive findet er vor allem im Yoshiwara-Bezirk in Edo, wo die Kurtisanen lebten. Seine Holzschnitte waren bald so begehrt, dass viele Künstler seinem Beispiel folgten.

Torii Kiyonobu (1664-1729) fokussierte sein künstlerisches Schaffen vor allem auf die Darstellung von Schauspielern und Theaterszenen. Die Volkstheater (kabuki) erfreuten sich größter Beliebtheit. Als Begründer der Torii-Schule prägte Kiyonobu den Stil der kabuki-e, der Bilder des kabuki-Theaters.

Bis Mitte des 18. Jahrhunderts wurden die Holzschnitte meist in Schwarz-Weiß (sumizuri-e) gefertigt und mit der Hand nachkoloriert. Okumura Masanobu (1686–1764) fertigte erste Grün-Rotdrucke (benizuri-e).

Die Blütezeit der Kunst der ukiyo-e

Ukiyo-e war durch und durch Volkskunst. Mit der Entwicklung des japanischen Farbholzschnittes und des Vielfarbendruckes (nishike-e) um 1760 entstand eine eigene Industrie. Verleger, Künstler, Holzschneider und Drucker fertigten Millionen von Bildern, die von den Zentren Edo und Osaka aus verbreitet wurden. Die Bildthemen waren leicht verständlich, direkt und unprätentiös. Die Inhalte waren wichtiger als künstlerische Raffinesse: antiaristokratische Kunst für jedermann. Die Formate der Blätter waren meist klein und vermutlich dazu gedacht, sie in Alben zu sammeln. Größere Formate montierte man auf Hängerollen.

Mit Holzschnitt-Künstlern wie Torii Kiyonaga (1752-1815) Kitagawa Utamaro (1753-1806), Ando Hiroshige (1797-1858) und Katsushika Hokusai (1760-1849) erreichten die ukiyo-e ihren künstlerischen Höhepunkt.

Die Themen der ukiyo-e

  • Schauspielerporträts und Szenen aus dem Volkstheater (kabuki-e)
  • Alltagsszenen wie Teezeremonien, Spaziergänge
  • Porträts eleganter Frauen (häufig Kurtisanen), die nach der neuesten städtischen Mode gekleidet sind
  • Freizügige Badehaus-, Bordell- und Beischlafszenen
Anfang des 19. Jahrhunderts verschiebt sich der Schwerpunkt der Darstellungen mehr zugunsten von Landschaftsmotiven.

Mit der Öffnung der Handelsgrenzen zwischen Japan und Europa gelangten die ukiyo-e Mitte des 19. Jahrhunderts nach Europa. Sie lösten eine Welle der Japanbegeisterung, den Japonismus, aus.