Ulm startet ins Berblinger Jubiläumsjahr

Postkarte des Schneiders um 1900 entstanden - Stadtarchiv Ulm/UNT
Postkarte des Schneiders um 1900 entstanden - Stadtarchiv Ulm/UNT
Vor 200 Jahren landete der Schneider von Ulm mit seinem Fluggerät in der Donau und wurde verspottet, nun feiert ihn die Stadt mit vielen Veranstaltungen.

Mit einer Lesung aus dem Roman „Fallwind“ von Johannes Schweikle, der Albrecht Ludwig Berblinger gewidmet ist, wurde am Sonntag, 20. März 2011, im Ulmer Stadthaus das Berblinger Jubiläumsjahr offiziell eröffnet. Albrecht Ludwig Berblinger, bekannt als der Schneider von Ulm, versuchte am 31. Mai 1811, die Donau mit seinem selbstgebauten Fluggerät zu überfliegen und stürzte ins Wasser. Nachdem er danach lange Zeit verspottet worden war, wird der Schneider mittlerweile in einem anderen Licht gesehen und nun, 200 Jahre nach seinem Flugversuch, widmet ihm die Stadt Ulm ihre ganze Aufmerksamkeit. Dem offiziellen Auftakt im Stadthaus folgen bis weit in den Herbst hinein zahlreiche weitere Veranstaltungen, wobei man sich dazu entschloss, drei Schwerpunkte zu setzen.

Zum Jubiläum ein Flugwettbewerb

Mit dem Berblinger Flugwettbewerb 2011, der Ausstellung „ABHEBEN – die Vision vom Fliegen“ und mit einem Festwochenende unmittelbar vor dem Jahrestag möchte die Stadt vor allem der Frage nachgehen „was uns die Person Berblingers, der Tüftler und Visionär, Pionier und Gescheiterte, heute noch sagen kann“. Die Person des Schneiders ist also Impulsgeber für eine Auseinandersetzung mit aktuellen und zukünftigen Fragen. Eine dieser Fragen ist, wie man mit innovativen Technologien fliegen kann, und zwar so, dass das Fliegen besonders umweltverträglich, wirtschaftlich und sicher ist. Diesem Thema widmet sich deshalb der Flugwettbewerb 2011. 36 Bewerber glaubten, mit ihren Fluggeräten Antworten liefern zu können, 24 von ihnen wurden von einer Expertenjury vorläufig zugelassen, die endgültige Entscheidung fällt Ende März. Unter den Bewerbern sind neben Firmen und Forschungseinrichtungen auch Privatpersonen, und sie kommen nicht nur aus Deutschland, auch aus Tschechien, Italien, Frankreich und einigen anderen Ländern haben sich Kandidaten gemeldet.

Der Wettbewerb selbst findet allerdings nicht in Ulm, sondern am Freitag, 15. April 2011 auf dem Flugplatz Friedrichshafen im Rahmen der internationalen Luftfahrtmesse AERO statt. Das Preisgeld von 100.000 Euro wird jedoch im Ulmer Rathaus an den oder die Sieger überreicht werden, und zwar von Oberbürgermeister Ivo Gönner am Sonntag, 17. April. Zu diesem Anlass sollen dann auch die Fluggeräte der Teilnehmer auf dem Ulmer Marktplatz ausgestellt werden. Schon einmal, vor 25 Jahren, schrieb die Stadt einen Flugwettbewerb aus - aus jenem Wettbewerb entstand die Idee für den Berblinger-Preis der Stadt Ulm, mit dem die Stadt seit 1988 besondere Leistungen, Entwicklungen und innovative Ideen bei der Konstruktion von Fluggeräten im Bereich der allgemeinen Luftfahrt würdigt. Um all die Ideen auf ihre Praxistauglichkeit zu überprüfen, findet nun im Jubiläumsjahr erneut ein Flugwettbewerb statt.

Die Vision vom Fliegen und Berblinger 3.0

Vom Freitag, 6. Mai, bis Sonntag, 13. November, ist im Ulmer Stadthaus die Ausstellung „ABHEBEN – die Vision vom Fliegen“ zu sehen. Ziel der Ausstellung, so gibt die Stadt Ulm bekannt, ist es, „den Traum vom Fliegen mit der Frage nach seiner Zukunft“ zu verbinden und die Betrachter über unsere Vorstellungen von Mobilität nachdenken zu lassen. Themen sind unter anderem die Physik des Fliegens, der Absprung als Moment der Entscheidung, Fliegen im postfossilen Zeitalter, und auch Träume und Visionen vom Fliegen in der Zukunft spielen eine Rolle.

Albrecht Berblingers Flug über die Donau sollte eigentlich schon am 30. Mai 1811 in Anwesenheit König Friedrichs von Württemberg stattfinden. An jenem Tag wurde jedoch nichts daraus, am nächsten Tag − der König war abgereist, überließ dem Schneider jedoch 20 Louisdor und der Stadt 2.000 Gulden, um einen Garten anzulegen − scheiterte er dann, in Gegenwart des Kronprinzen, endgültig. Jenem doppelten Anlass, dem Flugversuch Berblingers und dem Geburtstag der nach Friedrich benannten Friedrichsau, gilt der dritte Schwerpunkt, nämlich das Festwochenende, das am Freitag, 27. Mai, beginnt und am Sonntag, 29. Mai endet. Neben Sport- und Spielveranstaltungen finden auch Musik- und Kunstprojekte statt, vor allem wird zu Ehren des Schneiders eine multimediale Klangskulptur mit Namen „Berblinger 3.0“ auf der Donau uraufgeführt. Diese Veranstaltung findet am 27. Mai am historischen Originalschauplatz, der Adlerbastei, statt, und es geht um den Traum vom Fliegen, Berblingers Scheitern sowie um Zukunftsvisionen vom Fliegen. Zu erleben ist das alles bei freiem Eintritt.

Vorträge, Führungen und mehr

Begleitet werden die Schwerpunktereignisse von zahlreichen weiteren Veranstaltungen für Menschen jeden Alters. So findet etwa mehrfach ein zirka zweistündiger Rundgang entlang historischen Schauplätzen samt einer Begegnung mit dem Schneider von Ulm statt. Außerdem wird es Vorträge, Lesungen, Filme und Diskussionen geben. Auch Institutionen wie der Kinderchor der Ulmer Spatzen oder das Theater mit seinem Musical „Luftsprünge“ beteiligen sich an den Festivitäten. Das komplette Programm kann auf einer eigens für das Jubiläum erstellten Seite abgerufen werden.

Angela Fehr - Geboren und aufgewachsen im "Ländle", zog ich später nach München, wo ich eine schöne Zeit verbrachte und an der LMU ...

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