Umfrage zeigt: Bürger wollen Kita-Pflicht und Ganztagsschule

Am 14. April 2011 wurden in Berlin die überraschenden Ergebnisse der Bildungsumfrage vorgestellt: Kita-Pflicht und Ganztagsschule sind schwer gefragt.

Es ist nur ein Ergebnis, das viele in der deutschen Bundesregierung überraschen wird: Die überwältigende Mehrheit der Bürger wünscht sich eine Pflicht, Kinder in die Kita-Betreuung geben zu müssen. Das geht zumindest aus der Bürgerbefragung „Zukunft durch Bildung – Deutschland will’s wissen“ hervor. In Auftrag gegeben wurde die Umfrage nicht etwa von der Bundesregierung, sondern von der Strategieberatung Roland Berger Strategy Consultants, der Bertelsmann Stiftung sowie den Tageszeitungen Bild und Hürriyet.

Rege Teilnahme der Bürger an der Befragung zum wichtigen Thema Bildung

Fast eine halbe Million Menschen hatten bei der Online-Umfrage mitgemacht. Etwa ein Drittel von ihnen füllte dafür einen umfangreichen Fragebogen vollständig aus, wie das Projektbüro Bildung2011.de am 14. April 2011 bekannt gab. Vorgestellt wurden die Ergebnisse in Berlin. Große Bedeutung messen die Befragten der frühkindlichen Bildung bei. Die überwältigende Mehrheit spricht sich für einen verbindlichen Kita-Besuch aus. Die Ergebnisse dazu im Detail: 41 Prozent der Befragten wünscht sich eine Kita-Pflicht für alle Kinder ab drei Jahren. Lediglich 13 Prozent sind generell gegen einen verpflichtenden Besuch von Kindergarten oder Kinderkrippe.

Kinder sollen länger und gemeinsam in der Schule lernen

Mehr als zwei Drittel aller Teilnehmer plädieren demnach auch für einen zeitlich späteren schulischen Wechsel auf die weiterführende Schule: Fast jeder Zweite stimmt für den Übergang nach dem sechsten Schuljahr. Ganztagsunterricht ist für etwa 80 Prozent der Befragungsteilnehmer die bevorzugte Form von Betreuung des Nachwuchses. Nur ein knappes Fünftel ist für die Beibehaltung des bisher üblichen Unterrichts am Vormittag, wie aus einer Pressemitteilung von Bildung2011.de hervorgeht.

Weitere Ergebnisse der Befragung sind, dass die Aufhebung sozialer Benachteiligung als eine Aufgabe des Schulsystems gesehen wird. Und besonders unter den Befragten mit türkischen Wurzeln (die Zeitung Hürriyet war ja einer der Initiatoren) wird gewünscht, dass Kinder aus Zuwandererfamilien zukünfig besser gefördert werden. Generell ist eine Mehrheit auch dafür, mehr Gelder und Lehrer gerade für Schulen in Stadtvierteln mit schwierigen Milieus zur Verfügung zu stellen. Doch wie sieht es aus, wenn es darum geht, ob Kinder mit und ohne geistiger und körperlicher Beeinträchtigung miteinander lernen sollen? Die Befragten sind gespalten und befürworten, dass ein gemeinsames Lernen zwar irgendwie organisiert werden sollte. Ein gemeinsamer Unterricht mit geistig Behinderten oder verhaltensauffälligen Kindern wird aber mehrheitlich abgelehnt.

Schlechte Noten für Politiker, gute Noten für die Lehrer

Noch ein Ergebnis, das manchen in Berlin nicht schmecken dürfte. Die Mehrheit der Befragten gibt der Politik schlechte Noten und beklagt die mangelnde Reformbereitschaft, gerade beim Thema Bildung. Dagegen schneiden die Lehrer weit besser ab. Ihnen wird von einer Mehrheit Mut zur Veränderung attestiert.

Thilo Ruf, Thilo Ruf

Thilo Ruf - Nach vielen Jahren ausschließlich in der Unternehmenskommunikation schätze ich nun als "Freier" die Freiheit, z. B. bei der ...

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